Pöttmes    

Kirchenstreit in Echsheim eskaliert

Echsheim - Kurz vor den Wahlen zur neuen Kirchenverwaltung an diesem Sonntag, eskaliert in der Pfarrei Echsheim, Reicherstein und Wiesenbach ein lange schwelender Konflikt zwischen Pfarrer Klemens Kiser und Kirchenpfleger Alois Arzberger. Letzterer hat kurz vor der Wahl, bei der er nicht mehr antritt, auch sein Amt als Vorsitzender des Wahlausschusses niedergelegt. Während der Pfarrer der Ansicht ist, der Kirchenpfleger habe den Ausschuss absichtlich vor die Wand fahren lassen, um ein Problem zu schaffen, sagt Alois Arzberger: "Mit diesem Pfarrer kann ich nicht mehr zusammenarbeiten."


Der Streit der beiden Männer spiegelt zugleich den seit vielen Jahren währenden Widerstreit zweier Gruppen von Gläubigen. Vielen ist der Pfarrer zu konservativ und zu unfreundlich. Andere schätzen unterdessen die klaren Positionen des Geistlichen.
Es waren die Vorbereitungen zur Neuwahl der Kirchenverwaltung, die zum endgültigen Zerwürfnis führten. Alle vier bisherigen Mitglieder stellen sich nicht mehr zur Verfügung. Doch die Suche nach neuen Kandidaten erwies sich als erfolglos. Als Vorsitzender des Wahlausschusses hatte Arzberger schon eine Fristverlängerung für die Einreichung von Vorschlägen bei der Diözese erwirkt. Die Mitglieder des Ausschusses machten dann noch einmal eine Liste von Personen, die sie ansprechen wollten. Auch das blieb ohne Erfolg. Derweil präsentierte Pfarrer Klemens Kiser vor gut einer Woche in einer Sitzung vier Bewerber - unter dem Punkt "Sonstiges", wie Alois Arzberger berichtet. "Da bin ich einfach gegangen." Kiser gibt an, er habe nur den Auftrag der Diözese erfüllt. Doch dass der Geistliche aus Sicht des Kirchenpflegers dabei den Wahlausschuss einfach übergangenen hat, war offensichtlich nur der letzte Tropfen, der das Fass in diesem zerrütteten Verhältnis zum Überlaufen brachte.
Alois Arzberger - 76 Jahre alt und seit 30 Jahren Kirchenpfleger - berichtet von vielen Auseinandersetzungen, in denen es schlussendlich immer um Zuständigkeiten gegangen sei und darum, wer die Macht habe. Das sieht auch Pfarrer Klemens Kiser so, der 1992 in die Pfarrei kam: "Der Kirchenpfleger hat immer versucht zu machen, was er wollte." Grundsätzlich ist die Kirchenverwaltung vor allem für die Finanz- und Vermögensverwaltung oder die Planung und Durchführung von Baumaßnahmen zuständig. Alois Arzberger habe Geld für teure Baumaßnahmen durchgewunken, aber die Reparatur seines Garagentors zehn Jahre blockiert, nennt Pfarrer Kiser als eines der Beispiele, während der Kirchenpfleger grundsätzlicher wird. Es gebe viele "ungute Sachen" in der Pfarrei und das Verhalten des Pfarrers treibe die Gläubigen in umliegende Kirchen. "Dieser Pfarrer ist weder aufrichtig noch ehrlich." Auch das habe neben dem allgemein nachlassenden Interesse am Ehrenamt dazu geführt, dass keine neuen Kandidaten für die Kirchenverwaltung gefunden werden konnten.
Pfarrer Kiser, dem auch verschiedentlich problematische Aussagen zu historischen oder religiösen Themen nachgesagt werden, ist als konservativer Vertreter seines Berufsstands bekannt. Er hat Gläubigen die Kommunion verweigert, wenn sie sich nicht hinknien und erteilt Handkommunion "auf eigene Verantwortung". "Ich bin katholisch und nicht konservativ", erklärt der 61-Jährige dazu im Gespräch mit der AICHACHER ZEITUNG, "und mache nichts anderes als andere Pfarrer." Es sei inzwischen üblich, dass Menschen in umliegende Kirchen fahren, "weil heute nach einem Event gesucht wird". Wer allerdings mit einem anderen Geistlichen in der Pfarrei eine Taufe, Trauung oder Trauerfeier durchführen will, hat mehr als einmal schon erlebt, dass keine Ministranten da waren.
Klemens Kiser, der durchaus auch Anhänger hat, betont zwar mehrfach, er wolle keine schmutzige Wäsche waschen. Zugleich weist er aber darauf hin, dass auch seinerzeit in der Feuerwehr erst Ruhe eingekehrt sei, nachdem Alois Arzberger sein Amt als Kommandant abgegeben habe. Arzberger, der auch lange im Pöttmeser Gemeinderat war, ist dort heute Ehrenkommandant. Alois Arzberger: "Dieser Pfarrer ist weder aufrichtig noch ehrlich" Klemens Kiser: "Der Kirchenpfleger hat gemacht, was er wollte"

Von Carina Lautenbacher


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Veröffentlicht am 07.03.2019 23:00 Uhr




 

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