Aichach    

Wer rechnet eigentlich wie?

Dachau - Ob man wirklich richtig steht, weiß man, wenn das Licht angeht. So simpel scheint die Idee, eine sogenannte Corona-Ampel einzuführen, wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder es am Donnerstag angekündigt hat. Dass die neue Regelung alles andere als simpel ist, hat der erste Tag nach der Bekanntgabe im Landkreis Dachau gezeigt. Dort wurde bereits am Donnerstag die Ampel auf der Homepage des Landratsamts online gestellt - mit gelbem Licht.


Hintergrund war der Sieben-Tage-Inzidenzwert, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche. Am Donnerstag gegen 16.30 Uhr lag der noch bei knapp 45, also über der durch die Staatsregierung als "Warnwert" ausgegebenen Zahl 35, kurz vor Mitternacht dann beim Schwellenwert von 50, nur um eine Minute nach Mitternacht wieder auf 40 zu fallen.
Kurzzeitig schaltete die Ampel nun also auf Rot, blieb das aber den ganzen gestrigen Tag über, obwohl der Wert von 50 unterschritten war. Dass das für Verwirrung gesorgt hat, scheint nachvollziehbar. Immerhin sollen mit Erreichen der Warn- und Schwellenwerte härtere Maßnahmen greifen als vorher. Dazu zählen etwa Sperrstunden in der Gastronomie ab 22 (Inzidenz über 50) beziehungsweise 23 Uhr (Inzidenz über 35). Bei einem Wert von über 50 soll auch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung an allen Schulen, in sämtlichen Jahrgangsstufen, auch am Platz Pflicht sein.
Wie Silke Lein, Mitarbeiterin der Pressestelle des Dachauer Landratsamts, gestern bekanntgab, hätten bereits in der Früh einige Bürger beim Landratsamt angerufen, weil sie nicht wussten, welche Maßnahmen gelten. Das liegt vor allem daran, dass die Entscheidung aus München frisch ist. Die Rechtsgrundlage, also die schriftlich fixierten Beschlüsse, auf deren Basis die Kreise ihre Allgemeinverfügungen erarbeiten und erlassen, lag gestern zumindest im Landratsamt Dachau nicht vor. Wann die Maßnahmen, die die Ampel vorsieht, dann greifen, ließ sich am Freitag also noch nicht sagen.
Dachaus Landrat Stefan Löwl stellte zumindest klar, dass es keinen Automatismus geben werde. Vor allem, weil die Inzidenz täglich mitunter starken Schwankungen unterliegt, wird sich der Landkreis in seinen Berechnungen künftig auf die um 16.30 Uhr durch das Dachauer Gesundheitsamt berechneten Werte beziehen.
Maßnahmen sollen es erst verschärft werden, wenn die Inzidenzzahl den Schwellen- oder Warnwert an mehreren Tagen hintereinander überschreitet. Erst dann werde eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen. Liegt der Wert nun also über 50, müssen Kinder in Kindergärten zum Beispiel in kleineren, festen Gruppen betreut werden und die Teilnehmerzahl privater Parties wird auf fünf gedeckelt. Ab 22 Uhr darf zudem an öffentlichen Plätzen kein Alkohol mehr getrunken werden. Gestern Abend lag der Inzidenzwert im Landkreis Dachau bei 50,04 und damit über dem Schwellenwert. Auf Basis ihrer eigenen Daten will die Kreisverwaltungsbehörde die Lage aber täglich ab 16.30 Uhr neu beurteilen. Im Landkreis Aichach-Friedberg traten bereits gestern Allgemeinverfügungen in Kraft, allerdings beziehen sie sich direkt auf den Inzidenzwert vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Maßnahmen treten hier also durchaus automatisch in Kraft. Der Inzidenzwert, den das Landratsamt in Aichach allerdings seinen Maßnahmen zugrunde legt, ist nicht aktuell berechnet sondern hinkt, verglichen mit dem in Dachau verwendeten Wert, bis zu mehrere Tage hinterher. Der Inzidenzwert wird täglich um 8 Uhr neu veröffentlicht. Eigens berechnet wird hier nichts. Laut Landkreissprecher Wolfgang Müller wolle man "nicht noch eine Zahl in die Welt setzen". Inzidenzwerte werden etwa vom Robert-Koch-Institut, vom LGL und/oder den Gesundheitsämtern berechnet. Laut LGL lag der Wert in Aichach-Friedberg gestern bei 26,73, es ist aber damit zu rechnen, dass er in den nächsten Tagen die 50er-Marke erreicht. Landkreise nutzen keine einheitlichen Quellen

Von Bastian Brummer


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Veröffentlicht am 16.10.2020 16:47 Uhr



 
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