Aichach    

"Kinder sind pragmatisch"

Aichach/Dachau - Angesichts der Aufregung, die es im Vorfeld gab, verliefen die seit gestern vorgeschriebenen Corona-Tests an Schulen im Verbreitungsgebiet der Aichacher Zeitung weitgehend unangestrengt ab. Das ergab zumindest eine stichprobenartig durchgeführte Umfrage. Zwar verzeichneten alle Schulen Fälle, in denen die Eltern eine Testung ablehnten und die Kinder daheim blieben - jene hielten sich nach Auskunft der befragten Schulleiter aber in Grenzen. Eine zweite Klasse an der Ecknacher Volksschule allerdings ist fast geschlossen zu Hause geblieben, wie Schulleiterin Barbara Hierdeis bestätigte. "Nur ein Schüler der Klasse war heute da", sagte sie. Einen Grund zur Sorge oder gar zur Aufregung sieht die Rektorin nicht, etwas mehr als 100 Schüler haben sich getestet.


Kasperle erklärt
Der Kasperl zeigt den Schülern, wie der Schnelltest geht. Das Video der Augsburger Puppenkiste wurde unter anderem an den Schulen in Ecknach und Griesbeckerzell-Obergriesbach verwendet.
Augsburger Puppenkiste


Hierdeis bemerkte jedoch, dass einige Eltern mit Ängsten zu kämpfen hatten. "Diese Ängste versuche ich ihnen im Gespräch zu nehmen", betonte die Schulleiterin gestern. Zweimal wöchentlich wird wie überall auch in Ecknach getestet. Hierdeis ist überzeugt, dass sich beim nächsten Test an diesem Mittwoch mehr Schüler beteiligen. "Die haben das alle als sehr locker empfunden, eher als Spaß", stellte die Rektorin fest.
Während die Kinder Spaß beim Nasebohren haben, wie der Kasperle aus der Augsburger Puppenkiste es in einem an vielen Schulen gezeigten Erklärvideo bezeichnet, bleiben einige Fragen offen. Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) plädiert - wie viele Eltern und Lehrer - dafür, dass die Tests daheim und nicht in der Schule durchgeführt werden.
Das unterstrich noch einmal Martina Ritzel, Rektorin der Grundschule Griesbeckerzell-Obergriesbach und BLLV-Kreisvorsitzende in Aichach-Friedberg. Die psychologisch schwierige Situation bei einem positiven Testergebnis sei zu Hause einfach besser abzufangen. Etwa zehn Prozent der Schüler blieben in Griesbeckerzell daheim, weil die Eltern einem Test nicht zustimmten; bei den anderen sei es ganz gut gelaufen mit der Erkenntnis: je älter die Schüler, desto besser. Ritzel ist überzeugt, dass für die Kinder die Tests schnell zur Routine werden: "Die Kinder machen das gut, sie sind da sehr pragmatisch", sagte sie.
Ähnlich sieht es ihr Kollege Gerhard Schmid in Dasing, wo nur "wenige" den Abstrich verweigerten. Solche Schüler lernten dann auch dort im Homeschooling. Im Fall eines positiven Testergebnisses ist in Dasing ein genaues Prozedere angesagt: In jedem Klassenzimmer steht ein Telefon, mit dem der Klassenlehrer den Schulleiter informiert. Der holt das positiv getestete Kind ab, bringt es in ein leer stehendes Klassenzimmer und gibt den Eltern Bescheid, damit die das Kind abholen - oder einen Verwandten oder eine andere Betreuungsperson schicken. Nicht anders wird es bisher bei Krankheiten oder Unfällen an der Schule gehandhabt. Alles weitere, etwa der dann notwendige zweite Test und die Frage einer Quarantäne, ist nicht mehr Sache der Schule, dafür ist das örtliche Gesundheitsamt zuständig. Und wenn die Schule daheim niemanden erreicht? Schmid ist auch da zuversichtlich, er kann sich nicht erinnern, dass das in der Vergangenheit einmal der Fall gewesen sein wäre. Seine Ecknacher Kollegin Barbara Hierdeis sieht es ähnlich: "Eltern sind ja auch dazu verpflichtet, erreichbar zu sein, um das Kind im Krankheitsfall abzuholen." Das sei vor Corona auch schon so gewesen. Außergewöhnlich gut verlaufen sei die erste Testung an der Wittelsbacher Realschule in Aichach, sagt Schulleiter Hans Friedrich Stock. Was ihn besonders freut: Unter den rund 380 getesteten Kindern und Jugendlichen gab es kein einziges positives Ergebnis.

Von Bastian Brummer, Thomas Winter und Dr. Berndt Herrmann



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Veröffentlicht am 12.04.2021 16:44 Uhr