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Der Fußballkreis Augsburg und die Halle: Die Suche nach dem Ei des Kolumbus

Neusäß - Als Frank Schweizerhof, beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) als Konfliktmanager tätig, in die Runde fragte, in welcher Form denn die Klubs gerne ihre Hallenturniere spielten, überraschte das Ergebnis nicht wirklich. Etwa fifty-fifty gingen die Hände nach oben: Die eine Hälfte bevorzugt Futsal, die andere weiterhin den klassischen Hallenfußball mit Rundumbande. Gut, repräsentativ war die Umfrage nicht, da am Montagabend rund 40 Vertreter aus 20 Vereinen der Einladung des Fußballkreises Augsburg (insgesamt 211 Klubs) nach Neusäß folgten, um dort über die Zukunft des Hallenfußballs zu diskutieren - ein Stimmungsbarometer war es aber allemal.


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Der Bayerische Fußballverband wird von Futsal nicht abweichen. Hallenfußball wird also weiterhin mit dem kleineren, sprungreduzierten Ball sowie auf Handballtore gespielt. Foto: Siegfried Kerpf


Seit der Umstellung im Winter 2013/14 auf Futsal sind nicht nur die Zuschauerzahlen rückläufig, sondern auch die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften. Spielten in der Hallensaison 2015/16 noch 88 Teams um die Meisterschaften im Fußballkreis Augsburg, so waren es in diesem Winter nur noch 62. Drastisch war in den beiden vergangenen Jahren die Entwicklung im Landkreis Aichach-Friedberg sowie der Stadt Augsburg. In diesen Bereichen wird mangels Interesse eine gemeinsame Meisterschaft durchgeführt. Lediglich 490 zahlende Besucher registrierte der Verband bei den vier Turnieren (drei Vorrunden, eine Endrunde) im Dezember 2019 (gesamt 2249 Zuschauer mit Landkreis Augsburg mit sieben Turnieren sowie dem Kreisfinale in Friedberg). "Die Zeiten der überfüllten Hallen sind längst vorbei", sagt Kreis-Spielleiter Reinhold Mießl.
Auch Dasings Abteilungsleiter Michael Schaeffer, ein Verfechter des Futsals, rät, nicht weiter in der Vergangenheit zu schwelgen: "Wir sollen aufhören, an 1990 zu denken. Der Hallenfußball war gestern, wir sollten uns der Zukunft und der Jugend öffnen und das Produkt nicht kaputtreden, sondern pushen." Beim TSV lernten alle 140 Nachwuchskicker den Umgang mit dem kleineren und sprungreduzierten Futsalball. Auch beim BC Aichach spielten die Kinder, wie Jugendleiter Markus Kastner erklärte, "gerne Hallenfußball", aber eben nach der herkömmlichen Variante. In den zurückliegenden Weihnachtsferien organisierte der BCA wieder seine Hallentage mit fünf Herren- und zehn Jugendturnieren. Beim TSV Fischach werden die Turniere bis zur U 15 ebenfalls mit der Bande gespielt - und zwar vor gut gefüllten Zuschauerrängen. "Das Turnier ist für uns ein wichtiger finanzieller Baustein", sagt Abteilungsleiter Wolfgang Hutterer.
"Vor diesen Zuschauerzahlen werden wir nicht mehr spielen", betont auch Günter Hausmann, Sportlicher Leiter des TSV Neusäß. Er sieht das Problem aber weniger im Futsal als an der veränderten Gesellschaft. "Die Spieler ticken anders, haben andere Interessen. Das ist ein allgemeines Phänomen", sagt Hausmann.
Andererseits beweisen aber zahlreiche Privatturniere - bei diesen Veranstaltungen überlässt es der BFV den Vereinen, nach welcher Variante gespielt wird -, dass der Hallenfußball noch lebt. Das zeigen alle Jahre die proppenvollen Sporthallen beim Dachauer Hallenmasters, dem Altlandkreis-Turnier in Schrobenhausen oder dem Turnier der Neuburger Schiedsrichtergruppe. Dort wird jeweils der klassische Hallenfußball gespielt. Doch ein Zurück zu dieser Form, das hat Schweizerhof am Montagabend klar gemacht, wird es nicht geben: "Das ist in Stein gemeißelt, der Verband wird von Futsal nicht abweichen!"
Die Hallenkommission des BFV, so Schweizerhof, sei zwar für Veränderungsvorschläge offen - aber im Kern, darüber sollten sich alle im Klaren sein, wird der Verband an den Futsalregeln nicht rütteln, also keine größeren Tore, Rundumbande oder ein normaler Fußball. Die Kreisvorsitzende Carola Haertel regte an, dass eine Arbeitsgruppe Vorschläge für die Hallenkommission ausarbeitet. Einer wird sein, dass Futsal körperlos gespielt werde. Denn in der abgelaufenen Hallensaison war bei den Vereinen, Trainern, Spielern und Zuschauern die Verwunderung groß, dass das sogenannte "Grätschverbot" aufgehoben wurde, weil dieses noch nie ein Bestandteil der Hallenrichtlinie gewesen sei und eine Abweichung der von der UEFA erlassenen Futsalregeln darstellt. "Die Grätsche muss aber aus der Halle raus", forderten die Vereinsvertreter am Montag einhellig.
Ansonsten war man am Montagabend, nach fast zweieinhalbstündiger, kontroverser Diskussion, auch nicht viel schlauer. Haertel hatte auch nicht erwartet, dass in Neusäß gleich eine Lösung gefunden werde. Die Suche nach dem Ei des Kolumbus wird somit weitergehen.

Von Herbert Walther Neusäß - Jürgen Schmid, Trainer des Kreisligisten TSV Dasing, ist im Rahmen der Diskussion um die Zukunft des Hallenfußballs im Kreis Augsburg (siehe eigener Bericht) für sein Verhalten nach dem Heimspiel gegen Burgheim ausgezeichnet worden. Trotz wiederholter, enger Entscheidungen von Schiedsrichter Yanick Furnier, die sein Team bei der 2:4-Niederlage nicht begünstigten, habe sich Schmid nach dem Schlusspfiff "respektvoll und diszipliniert" gegenüber dem Schiedsrichter verhalten und verhindert, dass auf dem Platz die Emotionen hochkochten, wie es in dem Schreiben des Bayerischen Fußball-Verbandes heißt. Abteilungsleiter Michael Schaeffer nahm für Schmid die Auszeichnung, eine Urkunde sowie Trinkflasche, entgegen. Mit der Aktion "Fair ist mehr" würdigen der BFV und der DFB sportliches Verhalten. Wa



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Veröffentlicht am 18.02.2020 17:22 Uhr



 
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