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Elektrisch fahren attraktiver machen

Dachau - Der Kreisausschuss im Landkreis Dachau hat bereits vor zwei Jahren beschlossen, den Ausbau von E-Ladesäulen im Landkreis sinnvoll strukuriert und durchdacht durchzuführen. Dazu wird aktuell ein Ladesäulen-Infrastrukturkonzept (LIK) von einem externen Dienstleister erarbeitet. Dieses soll einen Beitrag dazu leisten, das hohe Verkehrsaufkommen von Berufspendlern sowie Kurzstreckenfahrten klimafreundlicher zu machen und die Attraktivität der Elektromobilität für alle Akteure zu steigern. Ein Schritt in diese Richtung sei eine Grundversorgung an Lademöglichkeiten.


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Rege in Anspruch genommen werden die fünf Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge im Bergkirchener Gewerbegebiet Gada. Sie sind Teil der jetzt schon bestehenden 39 Standorte mit 89 Ladepunkten im Landkreis Dachau. Foto: Franz Hofner


Bedenken wegen der Reichweite könnten so abgebaut werden. Ziel des Projekts sei es, ein ganzheitliches und nachhaltiges Konzept zur Aufdeckung von Versorgungslücken zu erarbeiten und den strategischen Ausbau der Infrastruktur zu vereinfachen.
Im Herbst 2019 wurde die Ausschreibung an die Bietergemeinschaft Gevas Humberg und Partner und Bogenberger Beratung und Planung vergeben.
Die Erstellung des Konzepts erfolgte in enger Abstimmung mit den Kommunen; Standortvorschläge für Ladesäulen fließen in die finalen Ergebnisse ein. Die Kommunen werden zusammen mit den Steckbriefen für die Standorte auch Handlungsleitfäden zur Umsetzung erhalten.
Der Münchner Verkehrsprofessor Klaus Bogenberger (bekannt aus dem BR-Stammtisch am Sonntagvormittag), der an der Erstellung des Konzepts beteiligt ist, präsentierte auf der jüngsten Sitzung des Kreis-Verkehrs- und Umweltausschusses die Ergebnisse. Der an der TU lehrende Niederbayer hob hervor, dass das Konzept Vorschläge für den kurz-, mittel- und langfristigen Ausbau enthalte. Die Vorschläge der mittel-, aber vor allem der langfristigen Ladepunkte, seien nicht abschließend; sie seien unter Beachtung der tatsächlichen Entwicklung der Elektromobilität zu betrachten.
Im Mai 2020 gab es im Landkreis Dachau 427 Elektrofahrzeuge. Das sind 0,5 Prozent des Pkw-Bestands. Weiter wurden 39 Standorte mit 89 Ladepunkten gezählt, davon sind sieben Schnellladepunkte, 42 Ladepunkte mit 22 Kilowatt (kW) und 40 Ladepunkte mit 11 kW. 56 Prozent der Ladesäulen-Standorte sind 24 Stunden und sieben Tage die Woche frei zugänglich.
Bogenbergers Team schlägt nun vor, den Bestand an Ladesäulen langfristig auf über 400 zu erhöhen. Darin seien private Ladestationen in der eigenen Garage nicht eingerechnet. In kurz-, mittel- und langfristigen Szenarien zeigen die Forscher, in welchen Gemeinden zusätzliche Standorte nötig sind. Bei einer Verdoppelung der derzeitigen E- Auto-Quote im Kreis auf ein Prozent wäre eine Erhöhung der Ladepunkte um 20 notwendig. Würden bereits fünf Prozent der Fahrzeuge elektrisch fahren, bräuchte man 140 bis 150 Ladepunkte für alle Nachfragegruppen. Bei einer Erhöhung auf 15 Prozent wären 400 bis 420 Ladepunkte erforderlich. Dazu kämen noch Ladepunkte bei Arbeitgebern, bei Park-and-Ride-Plätzen, an Freizeitzielen und Hotels.
Nach den vorgestellten Szenarien besteht Bedarf vor allem im Süden und Osten des Landkreises sowie im Bereich Markt Indersdorf. Im Westen und Norden sollen erst ab einer Quote von fünf Prozent Elektrofahrzeugen zusätzliche Stromsäulen entstehen.
Die Studie regt weiter an, Design, Bedienung und Software der Stationen im Landkreis möglichst einheitlich zu gestalten.
Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann verwies im Ausschuss darauf, dass die Stadtwerke bis zum Ende des Sommers in Dachau insgesamt zwölf neue Standorte in Betrieb nehmen wollen. Kunden können dann dort sauberen Ökostrom laden. Sechs Stationen in der Altstadtgarage und in der Bruckerstraße seien bereits am Netz. Auch in Karlsfeld seien auf dem neuen Lidl-Areal mehr als 30 Ladepunkte eingeplant.
Das Ladesäulen-Infrastrukturkonzept soll bis Mitte Oktober fertig sein und dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Derzeit gibt es im Landkreis nur 427 Elektrofahrzeuge

Von Franz Hofner


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Veröffentlicht am 23.07.2020 15:57 Uhr



 
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