Augsburg    

Zirkusartisten gehen auf Polizisten los

Augsburg - Bereits zweieinhalb Jahre ist es her, dass Mitarbeiter eines Zirkus, der im Januar 2019 in Augsburg gastierte, zwei Polizisten angriffen und verletzten. Die Polizei sprach damals von einer "routinemäßigen Verkehrskontrolle" als Auslöser für die Aggression. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten sich vier deswegen angeklagte Männer, alle Artisten des Zirkus, erst jetzt vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten.


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Vier Zirkus-Mitarbeiter (vorne) mussten sich am Dienstag wegen eines Angriffs auf Augsburger Polizisten vor Gericht verantworten. Foto: Laura Türk


Das Zirkuszelt und die Wohnwagen der Artisten waren damals auf dem Gelände der Diskothek Rockfabrik aufgebaut. Zwei Polizisten kontrollierten dort nachts ein Auto, da einer der Insassen keinen Sicherheitsgurt angelegt hatte. Diese Kontrolle hätten acht bis zehn Mitarbeiter des Zirkus laut Anklageschrift zunächst "massiv gestört".
Einer der Angeklagten schlug schließlich einem der Polizisten ins Gesicht. Vor Gericht gab ein 29-jähriger Angeklagter zu, für den ersten Schlag verantwortlich gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft war zuvor davon ausgegangen, dass sein mitangeklagter 34-jähriger Bruder der Hauptaggressor war.
Die Gruppe ging daraufhin auf die beiden Polizisten los und stieß einen von ihnen zu Boden. Dort traten der 29-Jährige, der 34-Jährige und weitere Männer auch gegen den Kopf des Beamten. Dieser schlug schließlich zwei Angreifern ins Gesicht, um den Tritten zu entkommen. Die Gruppe verhielt sich laut der Staatsanwaltschaft jedoch weiterhin aggressiv und warf mit Eisenstangen auf die Beamten, die ihr Ziel jedoch verfehlten. Als einige Männer begannen, mit den Stangen auf die Beamten loszugehen, setzten diese Pfefferspray ein. Beide Polizisten und drei der Zirkusmitarbeiter wurden laut dem damaligen Polizeibericht leicht verletzt.
Nicht alle Angreifer konnten im Nachhinein identifiziert werden. Die beiden Hauptangeklagten mussten sich am Dienstag wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Körperverletzung verantworten, während ein 20-Jähriger und ein 24-Jähriger lediglich wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt waren. Der 20-Jährige habe sich aggressiv verhalten und sei der Aufforderung, sich fernzuhalten, nicht gefolgt, der 24-Jährige habe sich gegen die Fesselung durch die Beamten gewehrt.
Alle Angeklagten legten in der Verhandlung ein vollumfängliches Geständnis ab. Die Staatsanwaltschaft und das Gericht hatten auch den Hauptangeklagten zuvor nach einem Rechtsgespräch für den Fall eines Geständnisses Bewährungsstrafen in Aussicht gestellt.
Die Verteidiger betonten vor Gericht, dass die Mitarbeiter des umherreisenden Zirkus sich durch die häufigen Polizeikontrollen an den unterschiedlichen Standorten schikaniert gefühlt hätten. Zudem sei der Vater der Hauptangeklagten am selben Abend wegen schwerer gesundheitlicher Probleme ins Krankenhaus eingeliefert worden. "Sie waren alle sehr aufgeregt", sagte Verteidiger Bernd Gerritzen. Rechtzufertigen sei der Vorfall trotzdem nicht, das sei auch den Angeklagten inzwischen klar. Das Ganze habe sich hochgeschaukelt und sei schließlich "auf unschöne Weise eskaliert", so Verteidiger Marco Müller.
Aufgrund zahlreicher Vorstrafen, laut Richter Bernhard Kugler "größtenteils Bagatellen", erhielt der 34-Jährige schließlich die härteste Strafe mit einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Sein Bruder erhielt eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, ebenfalls ausgesetzt zur Bewährung. Die beiden müssen dem verletzten Polizisten zudem 1200 Euro Schadensersatz zahlen. Der 24-Jährige erhielt eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen, der 20-Jährige wurde aufgrund seines Alters zum Tatzeitpunkt nach Jugendstrafrecht verurteilt und erhielt lediglich eine Verwarnung.
Eine harmlose Verkehrskontrolle sei im Winter 2019 total eskaliert, "auf eine Art und Weise, die völlig unnötig war", betonte Richter Bernhard Kugler. Das Gericht glaube jedoch, dass die verhängten Freiheitsstrafen von den Angeklagten als Warnung verstanden würden und es künftig nicht mehr zu solchen Vorfällen kommen werde. Nicht alle Angreifer vor Gericht

Von Laura Türk


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Veröffentlicht am 10.06.2021 16:22 Uhr