Augsburg    

Passion ohne Jesus

Augsburg - Ob Hollywood oder Theaterbühnen: Die biblische Passionsgeschichte ist Vorlage unzähliger Inszenierungen. Regisseur Manfred Schweigkofler wagt sich dennoch erneut an die Erzählung des Leidenswegs Christi - mit einer ungewöhnlichen Perspektive. Denn einer fehlt auf der Bühne: Jesus selbst.


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Maria Magdalena wird gespielt von der Theaterschauspielerin und Musicaldarstellerin Anna Hofbauer. Die Allgäuerin ist auch als "Bachelorette" bekannt. 2014 nahm sie an der TV-Sendung teil. Foto: Michael Böhmländer


Bereits 2020 hätte das Stück über den Tod und die Auferstehung Christi aufgeführt werden sollen. Dann kam Corona. Im vergangenen Jahr feierte "Passion 21" schließlich im Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen Premiere. Nun kommt die Inszenierung an zwei Spielorten zurück: In Karlsruhe und in Augsburg.
Statt auf große Massen wie bei traditionellen Passionsspielen setzt die "Passion 21" auf eine kleine Besetzung mit fünf Darstellern. Die fünf völlig unterschiedlichen Figuren, Magdalena, Petrus, Judas, Pilatus und der Hohepriester Kaiphas, suchen in dem Bühnenstück ihre eigene Wahrheit.
Es sind fünf Blickwinkel auf ein und dasselbe Ereignis. "Jede und jeder ist für sich eine Hauptrolle, da der eigentliche Hauptdarsteller nur durch ihre Sicht- und Erzählweisen auf der Bühne präsent wird", sagt Regisseur Schweigkofler.
Anna Hofbauer, die auch als "Bachelorette" bekannt ist, nachdem sie 2014 an der gleichnamigen TV-Sendung teilnahm, übernimmt die Rolle der Maria Magdalena. "Mich reizen diese religiösen Geschichten, die uns als Mensch von klein auf und als Menschheit bereits über tausende von Jahren begleiten. Diese Geschichten dürfen nicht in Vergessenheit geraten", betont die Schauspielerin und Musicaldarstellerin, die aus dem Allgäu stammt. "Die Geschichte lässt sich nicht ändern, unser Blick darauf schon", ergänzt Schweigkofler. Mit "Passion 21" wolle er "eine zeitlose Geschichte fulminant und immersiv ins 21. Jahrhundert" bringen, so der Regisseur. Zum Einsatz kommen 180-Grad-Projektoren, Videoprojektionen und Surround-Sound. "Die multimediale Technik holt die Zuschauer mitten ins Geschehen", verspricht Schweigkofler. "Sie werden zum Bestandteil der Menschenmenge, die Jesus beim Einzug in Jerusalem zujubelt und die Tage später seine Kreuzigung fordert."
Der Südtiroler Schweigkofler leitete über zehn Jahre das Stadttheater Bozen. Er hat an vielen Nationaltheatern inszeniert und in 17 Ländern dieser Welt gearbeitet.
Initiator von "Passion 21" war der aus Norwegen stammende Füssener Pastor Yngvar Aarseth. Er wollte eine moderne und junge Version der Passionsgeschichte auf die Bühne bringen. Als Pastor habe er erfahren müssen, dass Ostern vor allem mit Hasen und Eiern verbunden werde, sagte er im vergangenen Jahr im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Er und sein Team wollten mit ihrer Passion deshalb zeigen, warum Ostern gefeiert werde und was die Geschichte dahinter sei.
Tickets für die Aufführungen vom 6. bis 10. April in der Schwabenhalle in Augsburg sind im Internet erhältlich unter www.passion-21.de. "Diese Geschichten dürfen nicht in Vergessenheit geraten"

Von Janina Funk


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Veröffentlicht am 23.01.2023 17:50 Uhr