Augsburg    

Mitarbeiter protestieren gegen Zerschlagung von Premium Aerotec

Augsburg - Die gesamte Belegschaft des Augsburger Flugzeugbauers Premium Aerotec hat am Freitagmorgen die Arbeit niedergelegt und geschlossen gegen die vom Mutterkonzern Airbus geplante Zerschlagung vor dem Werkstor in der Haunstetter Straße protestiert.


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"Wir alle sind Augsburg. Wir sind ein Standort": Premium Aerotec-Mitarbeiter der vier Augsburger Werke protestierten vor dem Werkstor in der Haunstetter Straße gegen die geplante Zerschlagung. Auch Mitarbeiter anderer Unternehmen, wie beispielsweise Kuka, waren mit dabei. Foto: Patrick Bruckner


Die Gewerkschaft IG Metall rief die Beschäftigten der vier Werke in Augsburg zu einem Warnstreik von 10 Uhr bis Samstagmorgen um 6 Uhr auf. Ab 9.30 Uhr sperrte die Polizei die Haunstetter Straße ab und es versammelten sich etliche Arbeiter vor dem Werkstor. Auch Delegationen aus anderen schwäbischen und gar Münchner Unternehmen kamen nach Augsburg.
"Wir alle sind Augsburg. Wir sind ein Standort": Das war die zentrale Botschaft der Kundgebung, die auf einer Leinwand vor dem Werkstor zu sehen war. Alle Mitarbeiter der vier Werke hatten darauf unterschrieben. Sebastian Kunzendorf, Betriebsratsvorsitzender von Premium Aerotec Augsburg, forderte vor allem Sicherheit über mehrere Jahre. Für ihn steht fest: "Airbus braucht uns." In Augsburg werden Teile für die Maschinen der Modelle A320 und A350 sowie den Militärflieger A400M gefertigt.
Die Umstrukturierungspläne von Airbus sehen vor, dass die Einzelteilfertigung abgespaltet und an einen externen Investor verkauft werden soll. Für Unverständnis sorgt bei IG Metall-Vorstand Jürgen Kerner, dass der Konzern erkläre, das Tochterunternehmen Premium Aerotec sei zu teuer und hätte schlecht gewirtschaftet. "Die großen Beträge bucht uns Airbus direkt negativ in die Bilanzen", echauffierte sich Kerner. Das Angebot von Airbus, das einen Kündigungsschutz für einen Tag nach einer Übernahme beinhalte, bezeichnete der Redner als "Verarschung der Belegschaft".
Betroffen von der Umstrukturierung seien demnach etwa 13 000 Beschäftigte an den Standorten in Hamburg, Bremen, Stade sowie bei Premium Aerotec in Nordenham, Varel und Augsburg, die alle zum Streik aufgerufen wurden. In der Fuggerstadt stehen circa 2200 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Seit Anfang September führen Airbus und IG Metall Tarifverhandlungen. "Am Verhandlungstisch kommen wir nicht weiter. Die Geschäftsführung lehnt ein Zukunftspaket mit festen Zusagen für alle Beschäftigten und Standorte unter dem Dach von Airbus weiterhin ab", berichtete Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, der die Verhandlungen führt. Weiterhin erklärte Friedrich: "Da der Arbeitgeber nicht bereit ist, gemeinsam mit den Beschäftigten die Zukunft zu gestalten, müssen wir für eine soziale Absicherung der betroffenen Kolleginnen und Kollegen streiten." Die Gewerkschaft fordert als Absicherung für die Beschäftigten eine Abfindung von drei Bruttomonatsgehältern je Beschäftigungsjahr bei einem Sockelbetrag von 25 000 Euro, sollten Beschäftigte ihren Job verlieren. Zudem sollen eine Härtefallregelung für IG Metall-Mitglieder sowie zweijährige Qualifizierungsmaßnahmen bei Fortzahlung der Bezüge vereinbart werden. Die IG Metall verlangt eine Laufzeit von zwölf Jahren für diese Regelung.
Unterstützung erfahren die Betroffenen auch vonseiten der Politik. Die Allianz des Nordens und des Südens, ein Zusammenschluss von Bundestags- und Landtagsabgeordneten, Oberbürgermeistern, Bürgermeistern und Landräten zur Sicherung der Airbus- und Premium Aerotec-Standorte übt scharfe Kritik an den Plänen von Airbus. Ein Verkauf des Augsburger Werks 4 und des gesamten Standorts Varel würde den Luftfahrtstandort Deutschland nachhaltig schwächen. Deshalb sei auch die Bundesregierung in der Pflicht. Warnstreik dauert 20 Stunden lang an

Von Patrick Bruckner


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Veröffentlicht am 17.09.2021 17:51 Uhr