Augsburg    

Mehr Leihräder für Augsburg

Augsburg - Die Stadt Augsburg will das Bikesharing-Angebot der Stadtwerke in den kommenden Jahren neu ausrichten und ausbauen. Der entsprechende Beschluss fiel in der Stadtratssitzung am Donnerstag, die Umsetzung hängt allerdings noch davon ab, ob die Stadt entsprechende Fördergelder erhält.


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Leihräder stehen bislang vor allem in der Nähe von Haltestellen zur Verfügung. Das soll sich nach Willen des Stadtrats in den kommenden Jahren ändern. Foto: mjt


Bislang kam der Fahrradverleih in Augsburg eher langsam ins Rollen. In Augsburg wird jedes der 400 verfügbaren "swa Räder" im Schnitt 0,3 Mal pro Tag ausgeliehen. Städte in vergleichbarer Größe, wie etwa Freiburg und Kiel, erreichen hier deutlich bessere Zahlen, mit 1,8 bis 2 Ausleihen pro Tag. Beide Städte haben rund 200 Räder mehr im Angebot. In Augsburg gibt es inzwischen zumindest einen positiven Trend. Die Nachfrage steige "kontinuierlich, wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Niveau", heißt es in der Beschlussvorlage der städtischen Wirtschaftsförderung. Im Juli diesen Jahres erreichte "swa Rad" einen neuen Rekord mit 6404 Ausleihen.
Als Problem sieht die Stadtverwaltung die "vergleichsweise geringe" Standortdichte mit 95 Orten, an denen in der Stadt Räder ausgeliehen und auch wieder abgestellt werden können. Flächendeckend seien nur in der Innenstadt die meisten Orte von einer der Rad-Stationen aus bequem zu Fuß zu erreichen. Zudem seien die Räder selbst wenig attraktiv. Seit 2020 stehen nur noch Drei-Gang- statt Sieben-Gang-Räder zur Verfügung, was die Fahrt erschwert. Auch eine Ergänzung des Angebots durch E-Bikes könnte mehr Nutzer dazu bewegen, zum Leihrad zu greifen.
Das wäre auch nötig, denn aktuell kann sich das Bikesharing in Augsburg wirtschaftlich nicht selbst tragen. Er wird deshalb von der Stadt Augsburg finanziell unterstützt, um den jährlichen Verlust im sechsstelligen Bereich auszugleichen. Einer Auswertung der Stadtwerke zufolge wird das Angebot bislang vor allem von Studenten und Erwerbstätigen zwischen 19 und 30 Jahren genutzt. Nur 28,6 Prozent der Nutzer seien älter als 31 Jahre. Für die Nutzer kostet das Angebot aktuell einen Euro für 15 Minuten Fahrt.
Das Augsburger Bikesharing-System beruht auf einem Vertrag aus dem Jahr 2011. Umgesetzt wurde es von der Firma "Nextbike", die auch die Kundenbetreuung übernimmt. Der Vertrag mit Nextbike läuft allerdings zum Ende des Jahres aus. Aufgrund der finanziellen Verluste und in der Folge nötigen Neuaufstellung hat der Stadtrat nun beschlossen, den aktuellen Vertrag nur um ein weiteres Jahr zu verlängern. Anschließend sind die Stadtwerke beauftragt, ein neues Bikesharing-System zu konzeptionieren und hierfür eine neue Ausschreibung durchzuführen.
Letztendlich soll das Bikesharing vor allem in Verbindung mit dem ÖPNV die Flexibilität der Nutzer zu erhöhen. Mit den Rädern könnte etwa die sogenannte "Letzte Meile", die zum Beispiel durch Lücken im ÖPNV-Netz in Wohn- und Gewerbegebieten entsteht, überwunden werden. Gerade das ist aktuell aber kaum möglich, da sich die meisten Leihstationen an den Haltestellen des ÖPNV orientieren.
Um die Neuaufstellung zu gestalten, wurde eine Projektgruppe, bestehend aus Vertretern des Umweltreferats, des Baureferats, des Wirtschaftsreferats und der Carsharing-GmbH der Stadtwerke Augsburg gegründet. Das Angebot soll demnach künftig ganz durch die Stadtwerke vertrieben und betreut werden. Um es attraktiver zu machen, soll das Standortnetz der Leihräder verdichtet werden, und dadurch laut Beschlussvorlage "mehr Kurzstrecken auch in peripheren Lagen ermöglichen". Jeder Standort soll Platz für fünf bis zehn Räder bieten. Ein System, durch das die Fahrräder überall abgestellt werden könnten, ähnlich dem E-Scooter-Verleih, ist nicht geplant. Als mögliche Szenarien rechnet die Projektgruppe aktuell mit einer Flotte aus 1000 bis 1500 normalen Leihrädern, 750 E-Bikes, oder einer Kombination aus 700 mechanisch und 300 elektrisch betriebenen Rädern.
Für die finanzielle Umsetzung hat sich die Stadt Augsburg auf eine Bundesförderung beworben. Außerdem sollen 353 758, die bislang für den Ausbau des Geh- und Radwegenetzes im Haushalt veranschlagt waren, in das Projekt umgeschichtet werden. Zusätzliche Räder auch in den Stadtteilen

Von Laura Türk


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Veröffentlicht am 24.11.2022 16:59 Uhr