Augsburg    

Auf den Spuren von Hiasl, Kneißl, Geierwally und anderen Legenden

Augsburg - Es sind schon einige Bücher geschrieben worden über Bayern, Schwaben und die Volkshelden, die einst dort lebten. Manche interessant, manche weniger. Ein unterhaltsames Werk hat jetzt die Journalistin Sonja Still verfasst: "Bayerns Mythen". Der "Kulturreiseverführer" aus dem Allitera Verlag begleitet die Leser zu Rebellen wie der Geierwally, dem Jennerwein oder Räuber Kneißl.


Sonja Still ist in München und am Tegernsee aufgewachsen. Sie kennt die bayerischen Mythen also von Kindesbeinen an. Nach ihrem Germanistik- und Linguistikstudium absolvierte sie ein Volontariat. Mittlerweile arbeitet sie fürs Fernsehen und diverse Zeitschriften. Ihr Themenschwerpunkt ist Tourismus. 2010 erhielt die Autorin den Grimmepott des Grimmeinstituts für ein crossmediales Projekt zum Thema Heimat.
Seit Generationen kennt man in Bayern und darüber hinaus die Legenden vom Räuber Kneißl, dem Schmied von Kochel oder dem Brandner Kaspar. Sonja Still hat die verschiedenen Lebensläufe dieser Originale nun zu einem Buch mit anregenden Ausflugsgtipps zusammengefasst. Wie oft überlegt man, was man wohl mal am Wochenende unternehmen könnte, was auch den Kindern gefallen würde, wo vielleicht die mitfahrenden Großeltern Möglichkeit für eine angenehme Rast hätten. Anhand des Buchs bekommt man Tipps zu Tripps an den Tegernsee, ins Oberland oder in die Augsburger Gegend und nebenbei ein wenig Geschichtsunterricht.
Wer Dialekt spricht, muss sich schon lange nicht mehr verstecken, und so amüsieren die Passagen, die so formuliert sind, wie den Leuten, um die es geht, eben der Schnabel gewachsen war, den Leser bestens. Außerdem lässt sich manches einfach nicht so treffend auf Hochdeutsch ausdrücken wie auf gut Boarisch. Oder übersetzen Sie mal "oreidig". Sehen Sie? Man könnte jemanden wie den Räuber Kneißl durchaus als oreidig bezeichnen, aber das doch nicht plump mit eklig übersetzen? Und ein "Hundskrippi" ist bestimmt ein elendiger Bazi, aber eben kein völlig verabscheuungswürdiger Mensch. Da ist das oft als derbe empfundene Bayerisch eigentlich ziemlich sensibel.
Ob König oder Rebell, beide können "Bazis" sein. Bayern bietet viele einmalige Figuren, deren Namen noch Jahrzehnte und Jahrhunderte nach ihrem Tod bewundernd genannt werden. Sechs Ausflüge hat Sonja Still ausgearbeitet, die die Leser an die Wirkungsstätten des Hiasls, des Räubers Kneißl, der Geierwally, des Schmieds von Kochel, des Brandner Kaspars und des Jennerwein Girgls führen. Unter der Rubrik "Nachgefragt" erzählen die Protagonisten aus ihrem Leben, und zwar im breitesten Dialekt. "Denerscht hat man da Muatta ihra Herkunft vorghoitn", berichtet etwa Mathias Kneißl. "A Italienerin, a hitzige, ausm Land vo de Katzlmacher warat's gwesen." Dabei war es doch so: "Der Großvater is aus Venezien gwen - und das hat damois zu Österreich gheart!", schimpft der Räuber über die Vorurteile seiner Mitmenschen. Denn: "D'Muatta is a Guade gwen." Von Aichach über Unterweikertshofen, Erdweg, Sulzemoos und Maisach spürt man Kneißl nach.
Der Bayerische "Robin Hood", der "Hiasl", hat noch heute viele Verehrer. Auf seinen Spuren reist man von Gut Mergenthau bei Kissing über Augsburg und Osterzell bei Kaufbeuren nach Dillingen, wo er 1771 hingerichtet wurde. Während man den Hiasl rund um Augsburg gut vermarktet, erinnert in Dillingen jedoch nichts an den legendären Räuber. Sonja Still hat sich mit der Schriftführerin des Kissinger Fördervereins unterhalten und erfahren, dass es auch heute noch passieren kann, beispielsweise zum Geburtstag des Rebellen, dass ein gewilderte Hase an dessen Denkmal in Kissing abgelegt wird...

Von Monika Grunert Glas


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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