Augsburg    

Mit dem Wasser zum Welterbe

Augsburg - Die Entscheidung in Baku ist gefallen: Augsburg wird in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco aufgenommen. Damit haben sich die vielen Mühen gelohnt, die das Team rund um Projektleiter Ulrich Müllegger und Kulturreferent Thomas Weitzel auf sich genommen hat. Denn der Weg nach Baku war mitunter steinig.


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Hochablass und Eiskanal: Beide gehören zu den 22 Objekten, mit denen Augsburgs Wasserwirtschaft nun in der Liste des Unesco-Welterbes vertreten ist. Foto: ©ZEHNTAUSENDGRAD


In seiner 43. Sitzung hat das Unesco-Welterbekomitee in Baku, der Hauptstadt von Aserbeidschan, am Samstag der Augsburger Bewerbung um "Das Augsburger Wassermanagment-System" die exklusive Auszeichnung als Unesco-Welterbe zugesprochen.
Angesichts des langen Anlaufs für dieses Ziel - seit 2011 laufen die konkreten Bemühungen - ging es am Samstag dann doch recht schnell. Gerade einmal zehn Minuten dauerte es, bis Augsburgs Wassermanagement plötzlich Welterbe war. Nach der Vorstellung durch Icomos, der Berater-Organisation der Unesco, meldeten sich nur China, Aserbaidschan und Tunesien zu Wort - und alle drei waren voll des Lobes für die Augsburger Bewerbung, die ein herausragendes Beispiel für die Nutzung von Wasser sei, wie es etwa der chinesische Vertreter formulierte. Somit stand der Aufnahme Augsburgs in die Unesco-Welterbeliste nichts mehr im Weg.
Das war vor acht Jahren noch nicht so sicher, als aus der bloßen Idee die feste Absicht wurde, Augsburg mit dem Thema Wasser in der Liste des Weltkulturerbes der Unesco einzutragen. Im Februar 2011 gab der Stadtrat mit seinem Beschluss den offiziellen Auftrag, dass sich Augsburg mit einer Interessensbekundung um die Aufnahme in die bayerische Vorschlagsliste bewerben solle - nur der erste Schritt in einem langwierigen und aufwendigen Verfahren mit dem Ziel, es auf die Liste der Unesco zu schaffen.
Im Juli 2012 reichte Augsburg die Interessenbekundung tatsächlich ein. Wichtige Grundlage für den gesamten Prozess ist das Fachbuch zur Augsburger Wasserwirtschaft von Martin Kluger, das er im Auftrag des Stadtrats erstellte.
2013 wurde das Bewerbungsthema mit den erstmals abgehaltenen Augsburger Wassertagen auch für die Bürger greifbarer. Auch die jährlich stattfindende Lange Kunstnacht wurde kurzerhand unter das Thema Wasser gestellt.
Die nächste Hürde nahm Augsburg im Juni 2014: Die Deutsche Kulturministerkonferenz ließ die Bewerbung der Stadt Augsburg auf Platz 3 der Deutschen Tentativliste setzen. Von da an ging der Marsch geradewegs Richtung Baku: Im August 2017 wurde die Bewerbung bei der Kultusministerkonferenz zur Vorprüfung abgegeben, im September erhielt das Auswärtige Amt die Bewerbung zur Vorprüfung. Den letzten Schritt unternahm Augsburg schließlich im Februar 2018 und reichte die Bewerbung im Hauptsitz der Unesco in Paris ein.
Doch während das Bewerbungs-Team zielstrebig auf diesen Punkt hingearbeitet und sämtliche bürokratischen Hindernisse aus dem Weg geräumt hat, war sich der Stadtrat zwischendrin nicht mehr ganz sicher, ob er die Bewerbung denn wirklich wollte - mit allen Konsequenzen.
Denn: Mit dem Titel erlegt sich Augsburg auch die Pflicht auf, das Kulturerbe besonders zu schützen. Sichtlinien dürfen nicht verbaut werden, es dürfen an den Objekten selbst keine Veränderungen vorgenommen werden. Und eigentlich hatte sich der Stadtrat vom Kulturerbe-Titel eine Steigerung der Touristenzahlen erhofft.
Doch diese Hoffnung erhielt schnell einen Dämpfer, denn es ist längst nicht absehbar, wer sich außerhalb der Augsburger Region für das Wasserthema interessiert. Als dann noch klar wurde, dass zu den Bedingungen die Einrichtung eines Besucherzentrums gehört, dessen Kosten nicht beziffert werden können, begann eine Diskussion über den Sinn der Bewerbung.
Schließlich setzte sich die Meinung durch, dass Augsburg sich auf jeden Fall um den Titel bemühen sollte - und wie sich jetzt zeigte, war es die richtige Entscheidung.
"Der Unesco-Titel ist uns Verpflichtung, die ausgezeichneten Denkmäler mustergültig zu erhalten. Zugleich sind wir uns bewusst, dass wir mit dem Welterbetitel einen Vermittlungsauftrag annehmen, indem wir die Tradition und das Wissen um die nachhaltige Nutzung der lebenswichtigen Ressource Wasser weitergeben und mit der Völkergemeinschaft teilen", erklärte Kulturreferent Thomas Weitzel, nach der Entscheidung. Er gehörte zur Augsburger Delegation, die nach Baku gereist war.
Mit ihm war Welterbe-Koordinator Ulrich Müllegger nach Aserbaidschan gereist. Er ist über die Entscheidung froh und stolz auf Augsburg: "Wasser ist der genetische Code unserer Stadt, der das Leben zwischen Lech und Wertach seit nun mehr als zweitausend Jahren prägt. Wasser ist ein Thema, mit dem jeder etwas anfangen kann - egal welches Geschlecht, welches Alter oder welche Herkunft jemand hat", ist er überzeugt und erinnert an die Aufgabe, die mit dem Welterbe-Titel verbunden ist: "treuhänderisch für die ganze Menschheit unser kulturelles Erbe sorgfältig zu pflegen und zu erhalten". "Wasser ist ein Thema, mit dem jeder etwas anfangen kann"

Von Markus Höck

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Der Augustusbrunnen auf dem Rathausplatz und die anderen Prachtbrunnen leuchteten am Samstag blau, um den Titel zu feiern. Foto: Valterio D'Arcangelo



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Veröffentlicht am 10.10.2019 03:33 Uhr




 

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