Sielenbach    

"Die Kirche soll im Dorf bleiben"

Tödtenried - Am Wochenende hat Tödtenried das 300-jährige Bestehen der Pfarrkirche St. Katharina gefeiert. Das Fest begann schon am Vormittag, mit einer heiligen Messe um 10 Uhr. Die Blaskapelle Sielenbach und die Fahnenabordnungen der Vereine aus Tödtenried und Kiemertshofen hießen die Messbesucher am Eingang willkommen. Im Anschluss zelebrierte Pfarrer Eberhard Weigel die Messe mit musikalischer Unterstützung des Kirchenchors aus Tödtenried. Am Nachmittag kam Bischof Bertram Meier mit einer Delegation zu Besuch, lobte die heilige Katharina und ermunterte: "Die Kirche soll im Dorf bleiben."


300 Jahre Pfarrkirche St. Katharina in Tödtenried
Regina, Robert und Kathi musizieren mit Bischof Betram Meier.
Thomas Weinmüller


In seiner Predigt ging Pfarrer Weigel auf jenen Geistlichen ein, der während der Bauzeit für die katholische Gemeinde zuständig war: Vitus oder Veit Bintnagel habe wahrlich Großartiges geleistet. 1200 Fuhren Sand habe der Pfarrer damals höchstpersönlich geliefert. Die Menschen haben einen Ort geschaffen, "wo wir nun unser Herz hineinlegen können", betonte Eberhard Weigel. Die Kirche sei "ein Ort, wo wir Kraft und Trost finden können und Hoffnung und Zuversicht für unser Leben".
Angeführt von der Blaskapelle Sielenbach zogen dann die Fahnenabordnungen, Ministranten, Pfarrer und Ehrengäste von der Kirche in den Pfarrhof. Dort hatten die Organisatoren und ihre Helfer für die Feier dieses Ereignisses ein kleines Zelt aufgestellt.
In seinem Grußwort merkte Sielenbachs Bürgermeister Heinz Geiling an, dass es beeindruckend sei, wenn eine Kirche so lange steht, gerade in einer Zeit, in der allzu oft über Schließung und Umwidmung von Gotteshäusern gesprochen und der Sinn der Kirche hinterfragt werde. Er bedankte sich bei den Unterstützern für deren Engagement zur Aufrechterhaltung der Pfarrgemeinschaft. Ein besonderes Vergelt's Gott hatten die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Anneliese Popfinger und Hans Echter von der Kirchenverwaltung für Angela Asam und Kaspar Breitsameter in petto. Beide seien maßgeblich für die Erstellung der Kirchenchronik zuständig: Angela Asam habe großes Wissen über die Pfarrei, Kaspar Breitsameter durchstöberte die Archive. Beide wurden mit einer Urkunde und einem Gutschein geehrt. Pfarrer Weigel überreichte einen Topf mit Hortensien an Asam. Pia Reiserer und Stefan Hofberger wurden ebenfalls lobend erwähnt. Sie haben das Bildmaterial für die Chronik angefertigt. Die prangten auch auf den eigens fürs Fest gedruckten Postkarten.
Die Besucher konnten in den oberen Räumen des Pfarrhauses eine Ausstellung anschauen, in der neben Aufzeichnungen zu Planung und Kosten des Kirchenbaus auch Monstranzen und Messgewänder aus den zurückliegenden 300 Jahren zu bestaunen waren. Ein Highlight waren die großen Ablichtungen des Hochaltars und der Seitenaltäre, die bis heute unverändert geblieben sind. Für die jüngeren Besucher war im Erdgeschoss ein Raum zum Malen, Spielen und Basteln hergerichtet, und Kaspar Breitsameter führte Interessierte durch die Pfarrkirche.
Mit der Ankunft des Bischofs Bertram Meier um 14.30 Uhr kamen auch blauer Himmel und Sonnenschein nach Tödtenried. Robert, Kathi und Regina empfingen die Delegation aus Augsburg, zu der auch der Domvikar Ulrich Müller und der Fahrer Martin Mägele gehörten, musikalisch mit dem Lied auf die Gemeinde "Dedari" (Tödtenried). Der Bischof versuchte in seiner Begrüßung gleich, den Namen in Mundart nachzusprechen und ging kurz auf die langjährige Freundschaft mit Pfarrer Eberhard Weigel ein, der den Besuch zum Kirchenjubiläum eingefädelt hatte. Während der Eintragung in das Goldene Buch der Gemeinde ließ der Bischof eben jene bekannte Redensart fallen. Wortwörtlich habe "die Kirche im Dorf zu lassen" eine sehr sinnvolle Bedeutung. "Wir brauchen die Kirche im Dorf für die Zusammenkunft des Glaubens in der Gemeinde", erklärte der Bischof. "Wir sind nicht so schlecht." Anschließend führte Angela Asam die Delegation durch die Ausstellung. Vor der Andacht durfte Bischof Meier seine Gesangskünste mit der Musikgruppe unter Beweis stellen. "Ein schöner Tag" und ein "Prosit der Gemütlichkeit" erklangen im Pfarrhof. Meier betonte noch einmal, mit welch großer Freude er nach "Dedari" gekommen sei.
In seiner Festansprache in der abschließenden Andacht ging der Bischof noch einmal auf die Heiligen ein, denen die Pfarrkirche gewidmet ist. Neben Ulrich und Nikolaus an den Nebenaltären ist es vor allem die heilige Katharina - eine "starke Frau", wie der Bischof sagte, auf schwäbisch: "Sie hat Gosch gabt wie a Scherenschleifer." Sie habe zu überzeugen gewusst und sei standhaft gewesen.
Am kommenden Sonntag, 2. Oktober, findet um 9.45 Uhr eine Kirchenführung mit Kaspar Breitsameter statt; die Ausstellung kann am Erntedank-Tag von 9.30 bis 12 Uhr zum letzten Mal besichtigt werden. Pfarrer liefert 1200 Fuhren Sand

Von Thomas Weinmüller



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Veröffentlicht am 26.09.2022 18:10 Uhr