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Tausche Bahnhof gegen Schule?

Friedberg - Er soll ein Schmuckstück werden, der Friedberger Bahnhof. Noch ist er eingerüstet, die Maler sind fleißig dabei, das Gebäude in einem dunklen Rot zu streichen. Wenn das Altstadtfest, die "Friedberger Zeit", zwischen 12. und 21. Juli Tausende Besucher in die Herzogstadt lockt, soll der Bahnhof so schön aus sehen wie nach seiner Erbauung 1886. Allerdings liegt Eigentümer Christian Gumpp mit der Stadt im Clinch. Ende Juli steht ein Gerichtstermin an. Es geht um Schadenersatzforderungen.


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Der Friedberger Bahnhof befindet sich in der Endphase seiner Sanierung. Der Eigentümer und die Stadt treffen sich demnächst vor Gericht. Fotos: Monika Grunert Glas


Erst am Samstag nach dem Starkregen hatte die Feuerwehr wieder gut zu tun. Der Bahnhofskeller lief mal wieder voll, wie Christian Gumpp berichtet. Grund dafür ist seiner Meinung nach, dass der Kanal zu klein dimensioniert ist. Die Stadt hingegen behauptet, es liege am Grundwasser. Das aber befinde sich laut Gumpp in 100 Metern Tiefe. Auch ein vom Gericht bestellter Gutachter sei zu dem Ergebnis gelangt, dass es am Kanal liege.
Der Bahnhof wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert im sogenannten Schlösschenstil erbaut. Die Säulen sind Jugendstil. Sein Mittelgeschoss büßte das Gebäude im Zweiten Weltkrieg durch eine Brandbombe ein. Unternehmer Christian Gumpp hat das Haus 2013 von der Bahn gekauft. Gumpp, der in Königsbrunn einen Kunststoffgroßhandel betreibt, hat eine Leidenschaft für alte Gebäude. Ihm gehören auch die ehemaligen Isar-Amper-Werke an der Josef-Scherer-Straße in Mering und die dortige ehemalige Schlossmühle, die zu einer Wohnanlage umgestaltet wird. Doch der Bahnhof liegt dem Friedberger besonders am Herzen.
Einfach war die Sanierung nicht. Wegen der erheblichen Wasserschäden - laut Gumpp eigentlich ein versteckter Mangel, wegen dem er den Kauf hätte rückgängig machen können - musste das Erdgeschoss höher gelegt werden. Deshalb wurde das Haus auch ringsherum abgedichtet. Neue Türen und Fenster wurden eingebaut, und auch in eine neue Heizung investierte Gumpp. Ihm gehört auch der Bahnsteig; den pflegt er auf eigene Kosten und stellt ihn den Reisenden zur Verfügung.
Die Bahn nutzt den Bahnhof nur noch zum Teil. Die Caritas ist eingezogen, unter anderem mit den Büros für das Bürgernetz. Dieses präsentiert gerade im Erdgeschoss in Kooperation mit Christian Gumpp und Bernd Dornach eine Ausstellung mit Bildern alter Dampfloks. Im Rahmenprogramm dazu gibt es am Mittwoch, 3. Juli, um 19.30 Uhr einen Film- und Vortragsabend zum Thema "Sächsische Schmalspurbahnen" mit Elmar Kretz.
Auch eine Verhandlung am Verwaltungsgericht steht noch aus. Einige Stadträte haben im Vorfeld der Prozesse den Antrag gestellt, die Stadt solle doch den Bahnhof kaufen. Allerdings offeriert ihn Gumpp gar nicht. Er würde ihn, sagt er, eventuell beispielsweise gegen die alte Mädchenschule tauschen. Dieser dreigeschossige Walmdachbau am Eisenberg, errichtet 1904/05, wird derzeit noch unter anderem von der Mittelschule als Außenstelle genutzt.

Von Monika Grunert Glas

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Die alte Mädchenschule am Eisenberg wird genutzt.



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Veröffentlicht am 16.10.2019 23:00 Uhr




 

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