Radsport    

Debüt im neuen Team

Aichach - Monatelang standen die Räder der Radrennfahrer nahezu still. Und obwohl Daniel Schrag, abgesehen von drei Cyclocross-Wettbewerben im Januar, der deutschen Meisterschaft in Albstadt sowie seinen beiden ersten Weltcup-Einsätzen überhaupt in Frankreich und den Niederlanden, seither kein einziges Rennen mehr gefahren ist, hat er doch schon den ersten Titel 2020 in der Tasche. "Ich bin jetzt Vereinsmeister", sagt der Elftklässler des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums schmunzelnd. Am letzten Juni-Samstag gewann er die als Trainingslauf ausgeschriebene Einzel-Zeitfahrmeisterschaft seines Klubs Radteam Aichach über zwei Mal 7,6 Kilometer.


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Während der Corona-Zwangspause fuhr Daniel Schrag drei virtuelle Rennen auf der Rolle und vor dem Laptop auf dem heimischen Balkon. Am kommende Sonntag fährt der Aichacher Radrennfahrer erstmals für seine neue Mannschaft Team Auto Eder Bayern. Fotos:: privat


Am kommenden Sonntag wird es nun ernst für Schrag, der seit dieser Saison für das Team Auto Eder Bayern, der U 19 des Profirennstalls Bora-hansgrohe, im Sattel sitzt. Im niedersächsischen Esplingerode, einem Ortsteil von Duderstadt (Landkreis Göttingen), steht das erste Rennen der Rad-Bundesliga auf dem Programm, die deutsche Meisterschaft im Einzelzeitfahren. Am Samstagmorgen erfolgt mit seinen Teamkollegen die gemeinsame Anreise in den Süden Niedersachsens. "Es ist schwierig, eine Prognose zu treffen", sagt Schrag. Der Kampf gegen die Uhr zählt nicht unbedingt zu seinen herausragenden Disziplinen. "Aber wenn es gut läuft, dann ist ein Platz in den Top 15 möglich", findet der 17-Jährige. Bei einem internen Zeitfahren im Rahmen des viertägigen Trainingslagers am vergangenen Wochenende in Neustadt/Aisch sei er "gut dabei" gewesen.
Unweit der niedersächsischen Landesgrenze zu Thüringen wird Schrag erstmals in einem Rennen das schwarz-weiß-mintgrüne Trikot von Team Auto Eder, das seinen Sitz im oberbayerischen Raubling hat, tragen. Er freut sich bereits auf seinen ersten Auftritt, denn die zurückliegenden Wochen waren auch für ihn als Sportler alles andere als angenehm. In den Faschingsferien Ende Februar hatte er letztmals seine neuen Teamkollegen bei einem Trainingslager am Gardasee gesehen, das wegen des Corona-Ausbruchs in Oberitalien ebenso abrupt endete wie anschließend der eigentlich vorgesehene zweiwöchige Aufenthalt mit der U 19-Nationalmannschaft auf Mallorca. "Danach habe ich nur noch allein zu Hause trainieren können", sagt Schrag. Als es dann wieder erlaubt war, sich mit anderen Leuten zu treffen, bestritt der Aichacher mit einigen Augsburgern Trainingsfahrten - einer seiner Begleiter war der Profifahrer Jonas Rutsch vom US-amerikanischen UCI WorldTeam EF Education First. Die Freude war daher zuletzt auch umso größer, als Schrag am vergangenen Wochenende im Trainingslager erstmals nach vielen Wochen wieder seine Teamkollegen gesehen hat. "Das war schön, die Leute wieder zu treffen. Und wir hatten auch gleich wieder eine gute Stimmung im Team", tut Schrag kund.
Das war gleich wieder etwas ganz anderes als das Einzeltraining zu Hause oder die drei virtuellen Rennen. Auch wenn Schrag dabei an seine Leistungsgrenze gehen musste - ein Ersatz für ein richtiges Rennen sind die Rolle und das Laptop natürlich nicht. "Das erste Rennen hat noch Spaß gemacht, die beiden anderen waren dann nicht mehr schön", sagt Schrag.
Künftig wird man ihn dann aber doch wieder mehr auf der Straße sehen. Eine Woche nach der deutschen Meisterschaft steht am 19. Juli ein Kriterium in Rosenheim im Rennkalender, dem sich internationale Fahrten im Trikot der U 19-Nationalmannschaft in Polen und Belgien anschließen. Ab Anfang September stehen dann noch einige Rennen in der Rad-Bundesliga auf dem Programm. Die Räder beginnen sich also langsam wieder zu drehen.

Von Herbert Walther


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Veröffentlicht am 07.07.2020 17:02 Uhr



 
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