Handball    

Handballer spielen nur noch eine Einfachrunde

Aichach - "Der sportliche Anspruch ist mit der Saisonverlängerung eine vollständige Saison mit Hin- und Rückspielen", sagte Georg Clarke, Präsident des Bayerischen Handball-Verbandes, Ende Oktober in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung , als der Spielbetrieb noch vor dem Lockdown zunächst für drei Wochen unterbrochen worden war. Anfang November wurde die Saisonunterbrechung schließlich bis Jahresende verlängert, in der Hoffnung, dass mit vierwöchiger Vorlaufzeit die Punktspiele Anfang Januar fortgesetzt werden können. Doch auch diese Aussichten haben sich inzwischen zerschlagen. "Die sportliche Mindestanforderung ist, die Saison mit mindestens einer Einfachrunde abzuschließen", hat Clarke seinerzeit noch angeführt.


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Zwei Siege feierten Lina Mahl (rechts) und die Handballerinnen des TSV Aichach in den beiden ersten Saison-Begegnungen. Sollte die Runde ab dem letzten Februar-Wochenende fortgesetzt werden können, kann der Landesliga-Aufsteiger die bislang geholten 4:0 Punkte mitnehmen. Foto: Siegfried Kerpf


Und genau dieses Szenario hat der BHV nun beschlossen, nachdem eine komplette Saison, auch mit einer Saisonverlängerung bis Ende Juli, nicht mehr abzuwickeln wäre. Denn der Verband ist an einer sportlichen Lösung interessiert und nicht wie im vergangenen Frühjahr an einer Quotientenregelung. So sollen ab 27. Februar 2021 in Bayern die Handballklassen ihren Punktspielbetrieb wieder aufnehmen. Auf Verbandsebene (Bayern- und Landesliga) wird nur mehr eine einfache Runde unter Mitnahme der bislang erzielten Ergebnisse gespielt, beginnend mit dem vierten Rückrundenspieltag. Die an den ersten drei Oktober-Spieltagen ausgefallenen Partien sollen noch Möglichkeit vor dem Re-Start nachgeholt werden. Die Handballerinnen des TSV Aichach, die als Aufsteiger mit zwei Siegen gestartet sind, sind mit dem am 17. Oktober abgesagten Heimspiel gegen die HSG Würm-Mitte 2 mit nur einer Partie in Verzug. Der letzte Spieltag wäre, wie geplant, eine Woche vor Pfingsten am 15. Mai.
Diese Variante ist noch das Best-Case-Szenario. Die Alternativmöglichkeit, die der BHV selbst als "Worst Case" bezeichnet, sähe vier Spielwochenenden vor, in denen in Turnierform Auf- und Absteiger ermittelt werden. Ein Modus, dem Stephi Szierbeck, die zusammen mit Tini Wonnenberg die TSV-Handballabteilung leitet, überhaupt nichts abgewinnen kann: "Was bringt das denn? Wenn wir Ende Februar nicht wieder beginnen können, macht es überhaupt keinen Sinn, die Saison noch zu spielen." Als letzten Termin für die Wiederaufnahme des Wettkampf-Spielbetriebs hat der BHV den 9. Mai festgelegt, zu diesem Zeitpunkt wäre nur noch die Variante mit den vier Spielwochenenden möglich. Sollte bis dahin nicht gespielt werden können, wird die Saison abgebrochen und im Herbst 2021 mit dem Stand vom September dieses Jahres, sprich wie die Klasseneinteilung für die aktuelle Runde war, neu begonnen. "Ich hoffe aber, dass wir die Einfachrunde spielen und auch beenden können", so Szierbeck.
Auf Bezirksebene hat der BHV als spätesten Zeitpunkt zur Wiederaufnahme den 28. Februar festgelegt. Auch hier ist unter Anrechnung der bereits gespielten Vorrundenpartien nur noch eine Einfachrunde vorgesehen. Das Männerteam des TSV Aichach konnte in der Bezirksoberliga bislang noch keine Begegnung bestreiten. Falls bis 28. Februar der Spielbetrieb nicht wieder erfolgen kann, wird die Saison abgebrochen, es gibt dann keine Auf- und Absteiger.
"Schockiert und frustriert" nahm Szierbeck die Entscheidung für den Jugendspielbetrieb auf. Durch die Verlängerung der Corona-Maßnahmen bis mindestens 10. Januar kann der geplante Termin für die Saisonfortsetzung am 31. Januar nicht mehr umgesetzt werden. Mit Ausnahme der weiblichen und männlichen B-Jugend Bayernliga wird in allen übrigen Alters- und Spielklassen der Punktspielbetrieb komplett eingestellt. "Ich hoffe, dass unsere Jugendspieler wieder Lust auf Handball haben, wenn das Training wieder erlaubt ist", sagt Szierbeck, "ich weiß aber nicht, wie sich die lange Pause auswirken wird." Die Handballchefin, die die männliche A-Jugend trainiert, hätte in dieser Saison von allen TSV-Jugendteams am höherklassigsten gespielt, in der Landesliga Süd. "Diese Klasse hätten die Jungs im Kreuz gehabt", so Szierbeck.
Um die Jugendhandballer aller Altersklassen einigermaßen bei Laune zu halten, wird versucht, dass zumindest Freundschaftsspiele bestritten werden können. Denn noch vor Ostern plant der Verband den Start der Qualifikation für die Saison 2021/22. Doch zunächst hofft Szierbeck, dass ab 11. Januar wieder ein Trainingsbetrieb erlaubt ist. Saison bei der Jugend wird abgebrochen Auf Bezirksebene ist der späteste Starttermin am 28. Februar

Von Herbert Walther


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Veröffentlicht am 07.12.2020 16:40 Uhr