Handball    

Handball-Saison vor dem Aus

Aichach - Selbst ohne die am Dienstagabend durch die Politik beschlossene Verlängerung des aktuellen Lockdowns bis vorerst 14. Februar wäre es für die Handballer in Bayern schwierig geworden, den Termin für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs, das Wochenende 27./28. Februar, einzuhalten. Nun zeichnet sich ab, dass die Saison auf Bezirksebene abgebrochen wird. Im letzten Rundschreiben des Bayerischen Handball-Verbandes (BHV) Anfang Dezember 2020 wurde für die Bezirke als spätestmöglicher Zeitpunkt für den Re-Start der 28. Februar festgehalten.


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Am 7. März 2020 bestritten Oliver Huber und die Handball-Männer des TSV Aichach gegen den TSV Bobingen ihr vorerst letztes Punktspiel. Aufgrund der aktuellen Situation ist der als spätestmögliche Zeitpunkt für den Re-Start vorgesehene 28. Februar nicht mehr einzuhalten. Aichachs Handballer werden wohl erst im September oder Oktober 2021 wieder um Punkte spielen. Foto: Siegfried Kerpf


Schon heute lässt sich sagen, dass dieser Termin nicht mehr gehalten werden kann. Denn laut besagtem BHV-Rundschreiben wurde beschlossen, dass den Vereinen vor Fortsetzung der Punktspiele mindestens eine vierwöchige Vorbereitungszeit eingeräumt wird. Das würde bedeuten, dass für die in der Bezirksoberliga spielenden Männer des TSV Aichach die Saison zu Ende wäre, ohne dass sie ein einziges Mal gespielt haben. In der BOL konnten im Oktober des vergangenen Jahres gerade einmal vier Partien durchgezogen werden, ehe der Verband am vorletzten Oktober-Wochenende den Spielbetrieb, noch vor dem Lockdown, aussetzte. Im Fall des wahrscheinlichen Saisonabbruchs würden alle Spiele bis dahin annulliert werden, Auf- und Absteiger gäbe es 2021 nicht.
"Gefühlsmäßig gehe ich davon aus, dass wir die Saison nicht zu Ende spielen werden", sagt Rainer Kopp, seit April 2020 der neue Vorsitzende des Bezirks Schwaben, ohne jedoch der gestern Abend durchgeführten Videokonferenz mit dem BHV vorgreifen zu wollen. Der Langweider hofft, dass im Frühjahr zumindest die Jugendqualifikation ausgetragen werden kann, nachdem der Spielbetrieb im gesamten bayerischen Nachwuchsbereich mit Ausnahme der weiblichen und männlichen B-Jugend-Bayernliga vorzeitig eingestellt worden war.
"Ich sehe da gar keine Chance mehr. Die Planungen, ab Ende Februar wieder zu spielen, klappen auf gar keinen Fall", sagt Steffi Szierbeck, die gemeinsam mit Tini Wonnenberg die Handballabteilung des TSV Aichach führt. Szierbeck geht sogar noch einen Schritt weiter und würde einen Abbruch auch in den Verbandsspielklassen begrüßen, um dann im Spätsommer oder Herbst dieses Jahres mit der für diese Saison vorgenommene Ligeneinteilung neu zu beginnen. Einer dieser Ligen im Verband gehören seit dem vergangen Jahr auch wieder die Handballerinnen des Vereins an, die bekanntlich als Aufsteigerinnen mit zwei Siegen in die neue Saison der Landesliga Süd gestartet waren. Wohl nicht nur für die Aichacher Handballchefin wäre das Abbruch-Szenario zum jetzigen Zeitpunkt die "fairste Lösung".
Weiterhin ist auf Verbandsebene geplant, die Saison als Einfachrunde zu Ende zu bringen. Dafür würde der BHV sogar das Spieljahr über den 30. Juni hinaus bis spätestens 25. Juli verlängern. Auch davon hält Szierbeck jetzt nicht mehr allzu viel: "Die Einfachrunde sehe ich als Minimallösung, damit wir unseren Sport ausüben können, um präsent zu bleiben." Andererseits ist für sie die aktuelle Saison ohnehin keine mehr. Sie richtete lieber den Fokus bereits jetzt auf die Saison 2021/22, als im März und April noch eine schnelle Vorbereitung zu absolvieren, damit dann nach gut halbjähriger Pause noch ein Dutzend Punktspiele durchgeführt werden können.
Überhaupt nicht anfreunden kann sich Szierbeck mit dem Ersatz-Szenario, falls die Einfachrunde nicht zustande käme. Dann sollen an vier Spielwochenenden, so die Planungen des BHV, in Turnierform Auf- und Absteiger ermittelt werden - der sportliche Wert wäre bei diesem Modus äußerst fragwürdig. "Man muss nicht irgendetwas aus dem Boden stampfen, um ein Ergebnis zu erzielen", betont Szierbeck und unterstreicht damit einmal mehr, was sie von dieser Turnier-Alternative hält. Sollte übrigens bis 9. Mai der Wettkampfbetrieb nicht aufgenommen werden, wird die Saison auch auf Verbandsebene abgebrochen.

Von Herbert Walther


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Veröffentlicht am 20.01.2021 16:54 Uhr