Fußball    

So plötzlich wie ein Reifenplatzer: Guggumos schmeißt beim BC Adelzhausen hin

Adelzhausen - Völlig unerwartet hat Michael Guggumos vor dem Derby gegen Dasing als Adelzhausener Spielertrainer gekündigt.


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Michael Guggumos (vorne), hier gegen Aichachs Philipp Hopfensitz, hat beim BC Adelzhausen als Spielertrainer gekündigt. Foto: Adrian Goldberg

Fahrbahn ist ein graues Band. Weiße Streifen, grüner Rand. 
Käme die Gruppe Kraftwerk 
nicht aus Düsseldorf, sondern aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, womöglich wäre der Text ihres Elektro-Klassikers Autobahn
 um eine Passage erweitert worden: Zwei Vereine, kaum Abstand. Beide tragen rot' Gewand.  Oder irgendwie so ähnlich. Die Zeilen wären den Fußballern des BC Adelzhausen und denen des TSV Dasing gewidmet, die am Sonntag im A
 8-Derby der Kreisliga Ost aufeinandertreffen (Anstoß 15 Uhr). Oder, um im Duktus zu bleiben: Ausfahrt 75 empfängt Ausfahrt 74. Und zwar zum ersten Mal seit Mai 2010.

Fottner: "Mehr als nur menschlich enttäuscht"

Eigentlich ein Anlass zur Vorfreude. Doch die will beim BCA nicht wirklich aufkommen. Am Dienstag erwischte eine Nachricht den Verein so plötzlich und unerwartet wie ein Reifenplatzer bei voller Fahrt: Spielertrainer Michael Guggumos, erst vor der Saison aus Bachern gekommen, reichte die schriftliche Kündigung ein. "Wir sind mehr als nur menschlich enttäuscht", kommentiert Abteilungsleiter Christian Fottner den abrupten Absprung des Übungsleiters. Auch die Mannschaft habe mit großem Unverständnis reagiert, beschreibt Fottner. "Unsere älteren Spieler haben nur den Kopf geschüttelt, die jüngeren haben die Welt nicht mehr verstanden."Inwieweit die 74. Minute des Adelzhausener Auswärtsspiels beim TSV Rain 2 eine Rolle spielte, vermag der Spartenchef nicht zu sagen. 0:1 lag der BCA zurück, als Guggumos die Sicherungen durchbrannten. Er diskutierte mit einem Gegenspieler wegen eines Einwurfs, beleidigte ihn dabei deutlich hörbar, schoss den Ball weg und verzog sich lauthals fluchend in die Kabine. Der 27-Jährige stellte sich quasi selbst vom Platz - dafür hätte es der Roten Karte, die er für sein Verhalten mit auf den Weg bekam, gar nicht mehr bedurft.


Rot in Rain: "Das war völlig daneben"


"Eine gnadenlose Undiszipliniertheit. Das war völlig daneben", kritisiert Fottner in einer Schärfe, die er gewiss nicht in seinen Ton legen würde, wäre Guggumos noch Trainer. "Wir haben ihm deshalb keine Vorwürfe gemacht", sagt der 31-Jährige, wenngleich er ergänzt, dass der Platzverweis letztlich das Spiel entschieden hätte.
Fottner kann sich nicht erklären, warum Guggumos aus dem Nichts den Rückwärtsgang einlegte. "Er hat gesagt, ihm sei der Aufwand zu groß, von Mering nach Adelzhausen zu fahren", gibt er Einblick in die Begründung, die der 27-Jährige gegenüber der Abteilungsleitung äußerte. "Wir haben ihm sogar angeboten, ihn zu entlasten. Aber er hatte offenbar keinen Bock mehr." Möglicherweise erfüllten die Leistungen der Mannschaft nicht die Ansprüche des beim FC Augsburg ausgebildeten Mittelfeldspielers, der gestern selbst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war.

Wer den BC Adelzhausen nun trainiert

"Dabei stehen wir ordentlich da und haben noch alle Möglichkeiten", betont Fottner, der seinem Ärger Luft macht: "Manche Jungs meinen, sie haben eine B-Lizenz und sind deshalb die allergrößten Trainer. Dann verlangen sie noch einen Haufen Taschengeld für ihr Hobby, denken aber, sie können kommen und gehen, wie sie lustig sind." Jetzt darf Adelzhausen einen neuen Übungsleiter suchen, was mitten in der Saison bei einem ohnehin leergefegten Markt schwer werden dürfte. Gegen Dasing übernehmen der spielende Co-Trainer Frank Lehrmann, den Guggumos mit nach Adelzhausen brachte und der bleiben wird, Teammanager Jürgen Lichtenstern und Fottner als Trio den Trainerjob. Die Route ist noch unklar, das Motto fürs Derby gleicht dem eines spontanen Roadtrips: Einfach mal losfahren. "Irgendwie haut's dann schon hin", sagt der Spartenchef.
Der Kontrahent hat es allerdings in sich: Der TSV Dasing fährt seit drei Spieltagen auf der linken Spur. Fuß auf dem Gas, Finger an der Lichthupe. Nacheinander verwies er die Topteams aus Griesbeckerzell, Alsmoos-Petersdorf und Rinnenthal auf den Standstreifen. Kurios: Das Ergebnis lautete stets 2:1 für Dasing. Damit das ein viertes Mal gelingt, "müssen wir es schaffen, die Stärken von Adelzhausen zu unterbinden", sagt Trainer Jürgen Schmid. "Und das sind eine Menge: Müller, Müller, Müller, Mahl und Co.", zählt der Übungsleiter auf, der zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nichts vom Trainerabgang beim BCA wusste. Schmid wollte aber auch die eigenen Vorzüge einbringen. Etwa die exquisiten Angreifer Milan Vajagic und Gabriel Ögünc.


Dasings Navi bleibt auf Nichtabstieg eingestellt


Dasings Navigationsgerät ist trotz Rang vier weiter auf Nichtabstieg eingestellt. Und dieses Ziel soll so schnell nicht korrigiert werden. "Wir müssen solide und vernünftig unseren Weg weitergehen", warnt Schmid davor, gedanklich in höhere Sphären abzudriften. Die Liga sei schlichtweg zu ausgeglichen. Zumal den TSV Personalnöte plagen: Auf der Ersatzbank am Sonntag gegen Rinnenthal saßen gerade einmal drei Feldspieler. Der 56-Jährige und seine Équipe freuen sich jetzt erst einmal auf das nächste Zwischenziel: "Das wird sicher ein nettes Derby", prognostiziert Schmid.

Von David Libossek



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Veröffentlicht am 17.09.2021 09:54 Uhr