Fußball    

Kein Weiter-so

Aindling - Der 29. Mai war für den TSV Aindling ein schwarzer Sonntag. Am frühen Nachmittag stürzte zunächst die zweite Mannschaft, die als Tabellenführer der A-Klasse Ost in die finale Runde gegangen war, nach der bitteren 0:4-Niederlage gegen Stotzard noch auf Rang drei ab und steht nun mit leeren Händen da. Das eigentliche Desaster spielte sich aber an diesem Tag für die Rot-Weißen rund 50 Kilometer weiter südöstlich ab - beim Relegationsrückspiel der "Ersten" beim ASV Dachau. Schon am vergangenen Donnerstag, nach der 0:3-Heimpleite im ersten Aufeinandertreffen um den Landesliga-Aufstieg, kritisierte Aindlings Fußballchef Josef Kigle den "blutleeren Auftritt" der Mannschaft. Dass es drei Tage später noch schlimmer kommen sollte, hatte nicht nur der 67-Jährige nicht erwartet.


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Die Mienen von Aindlings Fußballchef Josef Kigle (linkes Bild) und Trainer Christian Adrianowytsch sprechen nach den beiden Relegationsspielen gegen den ASV Dachau Bände. Fotos: Siegfried Kerpf


Mit 0:5 ging das Team von Trainer Christian Adrianowytsch im Dachauer Sepp-Helfer-Stadion sang- und klanglos unter. Beide Partien zusammengerechnet mündeten diese in ein 0:8-Debakel für den TSV. "Das war blamabel", fasst Kigle die beiden Spiele gegen den ASV zusammen. Keine anderen Relegationsduelle auf Verbandsebene endeten für einen Verein in einem derartigen Waterloo. Ausgenommen die Partien zwischen Greuther Fürth 2 und Donaustauf - hier setzte sich aber ein Regionalligist und gleichzeitig Nachwuchsteam eines Profiklubs deutlich gegen einen Bayernligisten durch. Mit Dachau und Aindling begegneten sich jedoch rein von der Klassenzugehörigkeit her zwei Mannschaften auf Augenhöhe - die beiden Vizemeister der Bezirksligen Nord aus Schwaben und Oberbayern. Die Realität auf dem Platz sah aber anders aus. Das Kräfteverhältnis zwischen dem ASV und Aindling spiegelte sich nicht nur in den nackten Zahlen, sondern auch in den gesamten fußballerischen Eindrücken beider Begegnungen wider. Schwer vorstellbar, dass die starken Dachauer (jetzt gegen Dingolfing) nach einer Spielzeit in der Bezirksliga nicht umgehend ihr Comeback in der Sechstklassigkeit feierten, wonach auch die Aindlinger Sehnsucht groß war und immer noch ist.
Ob jetzt die oberbayerische Staffel um so viel stärker ist als die schwäbische, bleibt dahingestellt. Der gravierende Klassenunterschied, mehr jedoch die Art und Weise, wie die beiden Pleiten zustande gekommen waren, löste bei den Aindlinger Verantwortlichen am frühen Sonntagabend jedoch große Ratlosigkeit aus. "Da muss man sich Gedanken machen", betont Kigle, "da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Mit Kapitän Patrick Modes und dem spielenden Assistenten Benjamin Woltmann habe der Eisingersdorfer nur zwei Spieler gesehen, die gewollt hätten. "Bei einigen hat die Einstellung nicht gepasst, gestandene Fußballer haben versagt", poltert Kigle weiter. Die Ausfälle von Gabriel Merane (verletzt), Patrick Stoll (Urlaub) sowie im ersten Spiel von Markus Nix stellten für die Aindlinger sicherlich eine enorme Schwächung dar, sind aber für Kigle noch längst kein Grund für derartige Darbietungen.
So jedenfalls will die sportliche Leitung ihre Kicker nicht in die Sommerpause entlassen. Bei einer für heute Abend angesetzten Zusammenkunft mit der Mannschaft soll nicht nur die in der vorletzten Juni-Woche beginnende Vorbereitung auf die neue Saison thematisiert werden, sondern auch Tacheles gesprochen werden. "Wir haben die Chance nicht genutzt. Bestimmte Dinge müssen sich ändern", fordert Kigle.
Bis zum Trainingsstart wird der TSV wohl noch Justierungen am Kader vornehmen, obwohl die Planungen mit bislang sechs Neuzugängen eigentlich schon abgeschlossen waren. Nach den jüngsten Erfahrungen gegen den ASV Dachau denkt man aber am Schüsselhauser Kreuz inzwischen anders. Denn auf Dauer wollen sich die Aindlinger mit der Bezirksliga nicht begnügen. Doch die Konkurrenz wird es ihnen ab dem ersten Spieltag am vorletzten Juli-Wochenende nicht leicht machen. Mit dem VfR Neuburg wird sicherlich ein Landesliga-Absteiger in der selben Liga spielen, wenn mit Cosmos Aystetten nicht gar auch noch ein zweiter. Weitere Neuzugänge sind bei Aindling nicht ausgeschlossen Trotz Klassengleichheit einer gravierender Klassenunterschied

Von Herbert Walther


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Veröffentlicht am 30.05.2022 17:29 Uhr