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In letzter Sekunde: Dominik Müller verhindert Oberbernbacher Pokalcoup

Aichach - Bezirksligist TSV Aindling und Kreisligist BC Adelzhausen haben das Viertelfinale im Fußball-Kreispokal erreicht. Während Aindling am Mittwochabend die Pflichtaufgabe beim A-Klassisten SC Rohrenfels souverän wie schmucklos erfüllte - der TSV siegte mit 2:0 - war der BCA in Oberbernbach eigentlich schon ausgeschieden. Doch dann entriss Dominik Müller dem Kreisklassisten in letzter Sekunde das Viertelfinal-Ticket. Adelzhausen setzte sich nach dem spätem 2:2 im Elfmeterschießen durch.


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Viele Zweikämpfe prägten das Pokalspiel zwischen Oberbernbach mit Spielertrainer Serhat Örnek (links) und Adelzhausen mit Stephan Kreisel. Letzterer setzte mit seinem Elfmeter den Schlusspunkt unter eine am Ende dramatische Begegnung. Foto: Sarina Schäffer



SC Oberbernbach - BC Adelzhausen 3:6 n. E. (0:0, 2:2): Stephan Kreisel hatte sich für die linke untere Ecke des Tores entschieden. Schlussmann Baris Özcan ebenfalls. Doch es gelang dem Torwart nicht, den zwar mäßig platzierten, aber scharf geschossenen Ball mit seinem Handschuh zu erreichen und Kreisels Versuch noch abzuwehren. Dieser vierte verwandelte Strafstoß des BC Adelzhausen setzte den Schlusspunkt unter ein nicht immer hochklassiges, dafür aber hochdramatisches Achtelfinale im Kreispokal, in dem Kreisklassist Oberbernbach nur wenige Sekunden gefehlt hatten, um den Bezirksligaabsteiger aus dem Wettbewerb zu werfen.
"Die erste Halbzeit war langweilig", fasst BCA-Berichterstatter André Straßer zusammen. Er sagt über die Partie aber auch: "Es war alles drin, was man sich bei so einen Pokalspiel vorstellt." Denn ab der 64. Minute überschlugen sich die Ereignisse, in einer Begegnung, die bis dahin leichte Vorteile für den Gastgeber sah. Und die äußerst umkämpft war, was vor allem Oberbernbachs Mittelfeld-Abräumer Stefano Boccia zu spüren bekam. In einem Zweikampf nach 25 Minuten verletzte er sich derart schwer im Gesicht, dass er umgehend per Krankenwagen in die HNO-Klinik in Augsburg-Haunstetten verbracht wurde. Dort wurde er an der Nase genäht. "Zum Glück war nichts gebrochen", berichtet Erasmus Großmann, Vorsitzender des SCO.
In jener 64. Minute stand Boccia schon lange nicht mehr auf dem Platz. Da klaute Stefan Asam den Oberbernbachern im Spielaufbau den Ball, flankte flach vors Tor, wo Müller machte, was ein Müller eben in solch einer Situation macht: treffen. Die 120 Zuschauer sahen jedoch eine "tolle Reaktion unserer Mannschaft", wie Großmann lobt. Spielertrainer Bashar Broo führte einen Freistoß schnell aus, passte zu seinem Trainer-Kompagnon Serhat Örnek, der nach feiner Einzelaktion flankte: In der Mitte tankte sich Arsim Kadirolli gegen zwei Verteidiger durch und köpfte den Ausgleich (78.). Nur Augenblicke nach dem Anstoß eroberten die Gastgeber den Ball, brachten ihn schnell in die Spitze, wo Elias Sultani frei vor Michael Fottner zum 2:1 einschob.
Adelzhausen war mit dieser Pointe selbstredend nicht einverstanden und war bereits in der Schlussminute ganz nah dran, das Drehbuch dieses zum Thriller mutierenden Spiels umzuschreiben. Doch Müller setzte einen mindestens schmeichelhaften Foulelfmeter - er selbst war zuvor Opfer des mutmaßlichen Vergehens im Strafraum gewesen - ans Lattenkreuz. "Wir haben draußen schon gesagt: Das war's", sagt Schäffer. Allerdings sollte man mit einem Dominik Müller auf dem Platz nie ein Spiel abschreiben. So kam es, dass es in der 95. Minute - die lange Nachspielzeit hinterfragten später Vertreter beider Vereine - noch einmal Freistoß gab. 25 Meter vor dem Tor, Müller, strammer Schuss aufs linke untere Eck, 2:2, Schlusspfiff, Elfmeterschießen.
Vom Punkt scheiterten sogleich die ersten beiden Oberbernbacher Schützen, während die der Adelzhausener sämtliche Versuche versenkten. Zwar verkürzte Broo noch auf 1:3, doch Kreisel beendete das packende Spiel, für das Großmann seiner Mannschaft ein gutes Zeugnis ausstellt: "Letztlich stand nach 90 Minuten ein 2:2 gegen einen Bezirksligaabsteiger. Die Jungs können stolz auf ihre Leistung sein." - Tore: 0:1 Müller (64.), 1:1 Kadirolli (78.), 2:1 Sultani (79.), 2:2 Müller (90.+5). Besondere Vorkommnisse: Müller (Adelzhausen) vergibt Foulelfmeter (90.). lib

SC Rohrenfels - TSV Aindling 0:2 (0:0): Das Gute zuerst: "Wir haben 2:0 gewonnen", fasst Josef Kigle zusammen. Der Fußballchef des TSV Aindling kommt aber nicht umhin, sein Resümee mit einem Aber zu versehen: "Insgesamt konnte man mit der Leistung nicht so recht zufrieden sein." Allerdings seien solche Spiele "nicht leicht zu bestreiten", fügt Kigle hinzu. Denn der Plan des A-Klassisten gegen den Bezirksligisten offenbarte sich vom Anpfiff weg: "Sie bauten eine Zehn-Mann-Mauer vor Ihrem überragenden Torwart Felix Mayr auf", beschreibt er, kritisiert aber gleichzeitig das Angriffsspiel seiner Mannschaft: "Wenn man dann zu langsam spielt und es über die Mitte probiert, dann gibt's kein Durchkommen."
Trotzdem kam Aindling zu Chancen. Zunächst parierte Mayr einen Freistoß von Simon Knauer, ehe Benny Woltmann die anschließende Ecke knapp drüber köpfte. In der 26. Minute scheiterte Knauer nach langem Zuspiel abermals am Schlussmann, Rimon Shushe schoss frei vor Mayr am Tor vorbei. Knauer und Patrick Stoll vergaben weitere Möglichkeiten.
Nach der Halbzeit spielte der TSV schneller nach vorne und über die Flügel. "Sofort liefen die Gastgeber nur noch hinterher", schildert Kigle. In der 50. Minute zirkelte Gabriel Merane einen Freistoß aus halblinker Position aufs lange Eck: das 1:0 für Aindling. Der Bezirksligist erspielte sich nun Gelegenheiten im Minutentakt gegen die Hausherren, die ab Minute 54 nur mehr zu zehnt waren: Lukas Daferner sah nach einem harten Foul an Anton Schöttl die Rote Karte.
Das 2:0 ging dann wieder an Merane, der einen Fehler von Mayr ausnutzte und den Ball ins leere Tor schob. "Da doch eine Reihe an Spielern fehlte - Menhart, Talla, Danner, Löffler, Wiesmüller und Scheurer - sollte man das Weiterkommen positiv sehen", urteilt Kigle. - Tore: 0:1, 0:2 Merane (50., 78.). Rote Karte: Daferner (Rohrenfels/54./grobes Foulspiel). Zuschauer: 70. jok

Viertelfinale: BC Adelzhausen - TSV Aindling (Mi., 18. August, 18.15 Uhr), Kissinger SC - TSV Haunstetten, TSV Neusäß - FC Horgau, FC Kleinaitingen - TSV Bobingen (Mi., 4. August, 18.30).


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Veröffentlicht am 30.07.2021 15:50 Uhr