Sielenbach    

Wüstenrallye in Raderstetten

Sielenbach - Eine repräsentative Umfrage unter den rund 2000 Besuchern des 40. Sielenbacher Autocrossrennens gab es gestern nicht. Doch hätte man die zahlreichen Motorsportbegeisterten gefragt, was das Wichtigste für sie war, wären sich die meisten wohl einig gewesen: ein schattiges Plätzchen (oder ein Sonnenschirm) und etwas zu trinken, um den Staub hinunter zu spülen.


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Nicht alle Fahrzeuge schafften es ins Ziel , wo Rennleiter Stefan Speckner die Fahne schwang. Einige gaben vorher schon den Geist auf, allerdings schlägt sich manches Schrottauto schon viele Jahre tapfer, was sicher auch an den "Schraubkünsten" der Fahrer liegen mag. Fotos: Thomas Winter


Mehrmals musste der Güllewagen auf den als Rennstrecke genutzten Acker zwischen Unterhaslach und Raderstetten ausrücken, nicht um Dung zu versprühen, da hätte es bei den heißen Temperaturen vermutlich den hartgesottensten Sportfan vom Camping-Hocker gehauen; sondern um die rund 500 Meter lange Berg- und Talbahn zu wässern. Das alles half aber nur bedingt.
Während die rund 40 Fahrer, allesamt Mitglieder des Motorclubs (MC) Sielenbach, ihre ausgeschlachteten Kisten über die Steppe jagten, wirbelte immer wieder gehörig Dreck auf. Egal. Den zahlreichen Zuschauern machte das wenig aus. Auf mitgebrachten Picknickdecken, Stühlen, Sofas (!), auf Bulldog-Anhängern und selbstgebauten Gerüsten saßen sie, aßen Eis oder nuckelten an ihren Getränken und schauten entspannt dem PS-starken Spektakel zu.
Los ging es heuer schon um 11 Uhr. Gefahren wurde in verschiedenen PS-Klassen mit Fahrzeugen mit einer Leistung bis 60, bis 75, bis 100 und über 100 Pferdestärken. Zusätzlich gab es ein Rennen mit Autos mit Heckantrieb sowie ein Rennen mit Allrad-Fahrzeugen und eine extra Klasse der Gründungsmitglieder.
Dieses Rennen hatte seinen besonderen Reiz, denn: Von den 32 damaligen Gründungsmitgliedern war nur Andreas Obeser in den vergangenen Jahren als aktiver Fahrer bei den Rallyes dabei. Die anderen Fahrerlegenden saßen also lange nicht mehr im Cockpit und düsten über die Piste.
"Denen werden hinterher ganz schön die Knochen wehtun", scherzt Rennleiter Stefan Speckner. Von der Start- und Ziellinie, etwas erhöht gelegen, überblickt er den gesamten Rundkurs. Er hat durchaus Respekt vor den "Alten Motorsportherren". "In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert", weiß Speckner, "es sind zum Beispiel Ampeln dazugekommen, das ist für die Gründungsmitglieder Neuland."
Immer wieder eilt Speckner vor zur Rennstrecke und schwingt dabei seine schwarz-weiße Fahne. Mit röhrendem Motor sausen die Schrottautos vorbei. Benzingeruch hängt in der Luft, Erdklumpen wirbeln herum, dass es eine reine Freude ist für die vielen Fans aus nah und fern. Was auffällt? Auch viele Kinder sind am Rand der Rennstrecke unterwegs oder verfolgen das Geschehen mit großen Augen.
Hans Steinhardt aus Wollomoos zeigt seinem Enkel Kilian, wo das orangefarbene Auto abgeblieben ist und deutet dabei in eine dicke Staubwolke. An der Kurve nicht unweit bleiben immer wieder einige Wagen stehen, hier geht es den Berg hoch. Gerade hat es einen grünlackierten VW Lupo erwischt, er liegt auf dem Dach wie eine umgedrehte Schildkröte.

Von Thomas Winter


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Veröffentlicht am 02.09.2019 12:00 Uhr



 
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