Sielenbach    

Das Ratsch-Taxi

Sielenbach - Eineinhalb Stunden, vier Autos, nette Menschen und die Erkenntnis, in kleineren Etappen geht's leichter. Mobilität via Mitfahrbankerl funktioniert. Am besten ohne Termindruck. Der Selbstversuch von AZ-Redakteurin Ines Speck beginnt an einem Mittwochmorgen in den Osterferien um 8.30 Uhr.

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Ich parke mein Auto an der Sielenbacher Schule. Das Wetter ist freundlich, der Morgen noch etwas frisch, die Vögel singen. Nachdem ich mir die Regeln der Mitfahrbankerl, die es am 1. Mai seit genau einem Jahr rund um Wollomooos gibt, durchgelesen habe, klappe ich das grüne Schild aus. Mein Ziel: Altomünster. Ich nehme Platz. Ein wenig kalt wird's am Hintern, obwohl mich aus Richtung Wollomoos die Sonne anblinzelt.
Etliche Autos und Lastwagen rollen an mir vorbei. Die Fahrer, 90 Prozent sitzen allein in ihrem Vehikel, legen unterschiedliches Verhalten an den Tag: Die einen schauen weg, die anderen beäugen mich neugierig, wieder andere lächeln oder grinsen.
Das Bankerl besteht aus Holzbalken zwischen zwei Betonteilen. Mein Blick wandert immer wieder auf die Uhr. Wie lange sitz' ich denn jetzt schon hier? Ist es wirklich so ungewöhnlich, dass hier einer auf eine Mitfahrgelegenheit hofft? Eigentlich sehen die Schilder, auf denen die möglichen Ziele stehen, gar nicht so unbenutzt aus. Nach 20 Minuten, ich wollt' schon fast meinen Startpunkt ändern, hält ein kleiner, blauer Toyota an. "Ich fahr bis Wollomoos, vielleicht hast da mehr Glück", meint die Frau am Steuer. Es stellt sich heraus, sie kennt Marianne Kerle, jene Wollomooserin, die die Mitfahrbankerl ins Leben gerufen hat, und findet es eine tolle Einrichtung. Gerne und eigentlich immer nehme sie Bankerl-Fahrer mit, erzählt die freundliche Frau. "Es ist zwar nicht oft...", fügt sie an, aber sie kenne auch Leute, die die Bankerl regelmäßig nutzen. Erst kürzlich habe ihr ein Mitfahrbankerl-Skeptiker erzählt, er habe sein Auto nach Sielenbach in die Werkstatt gebracht, zurück sei er dann doch mit dem Bankerl gefahren. "Er hat gesagt: Nach zehn Minuten hat ihn schon einer mitgenommen", lächelt sie. Sie hat den Eindruck, diese Möglichkeit, von A nach B zu kommen, werde schon relativ gut angenommen.
In Wollomoos, ihrem Wohnort, am Bushäuschen lässt sie mich raus. "Ich fahr später noch nach Altomünster", verrät sie mir, "aber ich hoffe, da stehst dann nimmer".
Was wir beide jetzt noch nicht wissen: Wir werden uns an jenem Vormittag noch einmal begegnen...

Von Ines Speck


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Veröffentlicht am 15.08.2019 23:00 Uhr




 

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