Inchenhofen    

Zoff wegen Wählerlisten in Leahad - und das noch vor der Wahl 2020

Inchenhofen - Es ist ein wenig verwirrend: Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstagabend in Inchenhofen hat CSU-Ortsvorsitzender Heinrich Schoder an die Fraktionsmitglieder des "Bürgerwille '84" einen Offenen Brief verteilt - und gestern an die Redaktion geschickt. Darin wirbt er um eine einheitliche Wählerliste bei der Kommunalwahl 2020. Zwei Listen würden in einer Gemeinde von der Größe Leahads keinen Sinn machen, parteipolitische Gesichtspunkte seien hier fehl am Platz.

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Am späten Montagabend (!) informierte Schoder Bürgermeister Karl Metzger, bekanntlich Sprachrohr und Spiritus Rector des Bürgerwillen, per E-Mail über dieses Vorhaben. Was Schoder da offenbar noch nicht wusste: Zu dem Zeitpunkt war schon alles entschieden.
"Am Sonntagabend traf sich der erweiterte Bürgerwille-Freundeskreis", erklärte Karl Metzger gestern auf Nachfrage. Bei dem Treffen hätten sich die Verantwortlichen für eine eigene Liste ausgesprochen.
"Ich habe Heinrich Schoder am Dienstag vor der Sitzung in ein Nebenzimmer gebeten und ihm diese Entscheidung mitgeteilt", stellt Metzger klar. Warum der CSU-Ortsvorsitzende dennoch den Schritt gegangen sei, mit dem Brief an die Presse zu gehen, kann sich Metzger nicht erklären. Er wolle sich damit aber definitiv nicht in die Defensive drängen lassen, so Metzger, sprich: Er will sich nicht in eine Einheitsliste drängen lassen.
Quasi als Druckmittel empfindet der Bürgermeister die in dem Offenen Brief vertretene Behauptung, die ÖDP wolle im Fall einer eigenen Liste des Bürgerwillen ihrerseits eine dritte Liste aufstellen, und zwar nur dann. Wörtlich heißt es: "In einem persönlichen Gespräch mit Frau Maria Posch (ÖDP) wurde mir versichert, eine dritte Liste würde nur dann Wirklichkeit, wenn auch der Bürgerwille '84 sich gegen eine gemeinsame Liste ausspricht. Von ihr (Maria Posch) wird eine gemeinsame Liste als die einzig wahre Alternative angesehen."
Die Inchenhofener ÖDP-Vertreterin Maria Posch weist diese Behauptung weit von sich. Sie habe in der vergangenen Woche bei Bürgermeister Karl Metzger vorgesprochen, um ihm mitzuteilen, dass die ÖDP eventuell eine eigene Liste aufstellt. Dies bestätigt der Gemeinde-Chef auf Nachfrage.
Hinterher sei die CSU auf sie zugekommen und hätte sie von ihrem Vorhaben einer gemeinsamen Liste informiert beziehungsweise überzeugen wollen. "Ich habe erklärt, dass eine gemeinsame Liste an bestimmte Bedingungen geknüpft ist", erklärt Posch.
Dazu gehöre, dass einige "ältere Gemeinderäte den Platz räumen für jüngere Leute". Dies halte sie allerdings unter den gegebenen Umständen für "unrealistisch". "Und wenn jetzt von CSU-Seite solche falschen Aussagen gemacht werden, sehe ich eine Einheitsliste umso kritischer."
Laut Maria Posch schaut sich die ÖDP derzeit nach geeignetem Personal für eine mögliche eigene Liste um. Ihr Ziel sei es, eine bessere Kommunikation in Leahad zu erreichen. "Daran scheitert es im Moment gewaltig", bemängelt Posch. Außerdem will sie mehr junge Leute in das Kommunalparlament bringen. Von der CSU habe sie übrigens im Vorfeld verlangt, man möge ihr den Offenen Brief vorher zeigen. Dies sei aber nicht geschehen. Sie habe erst gestern erfahren, was sie angeblich gesagt habe.
Wie es aussieht, wird es in Inchenhofen also bei den kommenden Kommunalwahlen drei Listen geben. In der Vergangenheit bildeten CSU und Freie Wähler stets eine gemeinsame Liste. Dem stand die Liste des Bürgerwillen gegenüber.
Beide Listen schenkten sich nicht viel. Die Konstellation mit drei Wählerlisten könnte auch bei der nächsten Wahl Zunder in den Wahlkampf bringen.
CSU-Vertreter Schoder hatte indes eine ganz andere Intention. Im gestrigen Telefongespräch mit unserer Zeitung erklärte er, es gebe nicht viele Punkte, in denen Bürgerwille und CSU/Freie Wähler konträr zu einander stünden. Lediglich einzelne Personen seien in der Vergangenheit unterschiedlicher Meinung gewesen. Er forderte, die Parteipolitik und persönliche Differenzen hintanzustellen. Denn im kommunalpolitischen Bereich, so Schoder, stünden das Bürgerwohl und soziale Aspekte im Vordergrund.
Er forderte für die Zukunft einen offenen und fairen Disput. Eine gesunde Diskussionskultur sei die Basis guter Entscheidungen. "Diese Kultur haben wir in den vorangegangenen Legislaturperioden aber des Öfteren vermissen lassen. Damit muss Schluss sein!", formuliert Heinrich Schoder in dem Offenen Brief.
Ob die Leahader CSU bei der Kommunalwahl im März 2020 einen eigenen Kandidaten gegen Amtsinhaber Karl Metzger ins Rennen schickt, ist indes noch offen. Man habe sich noch nicht entschieden, ob und wer, sagte der CSU-Ortsvorsitzende.

Von Thomas Winter
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Veröffentlicht am 03.07.2019 23:00 Uhr




 

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