Inchenhofen    

Geweihte Scheite bringen Segen

Sainbach - In den Tagen nach Ostern geht Konrad Schapfl auf seine Äcker und Wiesen. In jedes einzelne Feld steckt er ein kleines Holzscheit - Holz, das zuvor im geweihten Osterfeuer lag, das angesengt ist und damit selbst den Segen des Feuers trägt. Wenn man einen solchen Span im Boden versenkt, dann bewahrt er vor Unwetterschäden und fördert eine gute Ernte. Über viele Jahrhunderte glaubten die Landwirte an die Wirksamkeit dieses Gebetsaktes. Konrad Schapfl tut es auch heute noch.

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Schapfl ist ein g'standener Landwirt. Er hat den Abschluss als "Staatlich geprüfter Wirtschafter für Landbau". 30 Hektar groß ist sein Hof, direkt neben der Kirche in Sainbach hält er 31 Milchkühe und Kälber. Aber er ist auch ein gläubiger Mensch und praktizierender Katholik. Deshalb baut er nicht nur auf Fachwissen und professionelle Erfahrung, sondern auch auf den Herrgott. "Ja, ich fühl mich beschützt von ihm", sagt er. "Wir hatten im Leben immer Glück. Ich habe eine Frau, die besser nicht sein könnte, drei fleißige Kinder, alle in der Familie sind gesund und es ist noch nie was Größeres passiert." Das habe schon mit Gottvertrauen zu tun.
Der Brauch, geweihtes Holz in den Boden zu stecken, ist für ihn viel mehr als bloße Tradition. Und damit steht er nicht allein. So wie er sehen das noch einige weitere Landwirte im Ort. Zu viert seien sie, die immer am Ostersonntag ihre Holzstücke ins Osterfeuer legen. Die Scheite werden an eine Kette angehängt, damit sie verletzungsfrei wieder aus den Flammen geholt werden können.
Am kommenden Sonntag ist es wieder so weit: Um 5 Uhr in der Früh wird die Osternacht gefeiert, eine halbe Stunde vor der Liturgie zündet der Mesner vor der Kirche das Osterfeuer an. Der Pfarrer besprenkelt es mit Weihwasser und segnet es dadurch. Am gesegneten Feuer wird die große Osterkerze entzündet, die Gläubigen nehmen die Flamme auf eigenen kleinen Kerzen mit heim. Man sagt, das geweihte Feuer bewahrt das Haus vor Blitz und Schaden und seine Bewohner vor mancher Unbill.
"Wir stellen eine Kerze auch aufs Elterngrab am Friedhof", erzählt der Veitbauer. Von seinem Vater (ebenfalls ein Konrad wie auch der Großvater) hat der seit kurzem 60-Jährige viele kirchliche Traditionen gelernt. Einige lebt er noch heute.
Von Wolfgang Glas Mehr dazu lesen Sie in der Ausgabe der AICHACHER ZEITUNG vom 20. April 2019.


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Veröffentlicht am 21.04.2019 10:42 Uhr




 

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