Augsburg    

Kritik am Kahlschlag

Augsburg (jaf) In Augsburg wurden in den vergangenen Monaten unzählige Bäume gefällt. Daran äußern die Augsburger Grünen harsche Kritik. Gleich zwei Pressemitteilungen hat die Partei nun herausgegeben. Vor allem die geplanten Fällungen am Herrenbach sind den Grünen ein Dorn im Auge.

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"Die Bäume müssen gefällt werden, die Bäume müssen gefällt werden, die Bäume müssen gefällt werden: Das scheint das Mantra der Ämter und Landesbehörden in Augsburg zu sein", moniert Peter Rauscher, Vorsitzender der Augsburger Grünen. "So schön Baumschutz- und Naturschutzkonzepte in den Schubladen sind, in der Realität erweisen sie sich fast alle als Blindgänger", urteilt er - und kritisiert damit auch den Umweltreferenten aus der eigenen Partei, Reiner Erben.
Ob am Theater, in Göggingen, in Inningen und nun am Herrenbach. "Das ist das einzige, was sicher am Baumschutzkonzept unserer Stadt ist: Dass eine Möglichkeit gefunden wird, die Bäume dennoch zu fällen", sagt Rauscher.
Kritik kommt auch von der Stadtratsfraktion der Grünen: Man bedauert die notwendige Baumfällungen am Herrenbach und fordert "Ersatzpflanzungen zeit- und ortsnah im Textilviertel zu realisieren". Die Fraktion weist auf ihre Bemühungen - sowie die Bemühungen des Umweltausschusses und des Umweltreferenten - hin, die Bäume am Herrenbach vor der Fällung zu bewahren. Diese hätten nicht gefruchtet, da das städtische Tiefbauamt und das Wasserwirtschaftsamt aus Gründen des Hochwasserschutzes keine Alternativen zur Fällung aller 96 zu nah am Herrenbach stehenden Bäume gesehen habe.
Es gibt jedoch ein Fachgutachten, wonach lediglich 31 Fällungen zwingend nötig seien, die restlichen Bäumen aber erhalten werden könnten - 15 Bäume hätten Pflege nötig. Das Tiefbauamt hält das nicht für ausreichend, um eine Überschwemmung der umliegenden Viertel ausschließen zu können. "Nachdem seit Jahrzehnten dort nichts passiert ist, hätten wir uns gewünscht, dass nach dem Baumgutachten eine neue Gefahreneinschätzung vorgenommen und ein Kompromiss zur Komplett-Fällung gefunden wird", sagt Martina Wild, sie ist Fraktionschefin der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss.
Peter Rauscher sieht die Situation am Herrenbach noch kritischer. Die Bäume "haben das Wasserwirtschaftsamt Jahrzehnte lang nicht interessiert, nun müssen sie ganz schnell weg, weil bei einem Starkregenereignis Überschwemmungsgefahr für die Anwohner besteht. Diese plötzliche Erkenntnis ist für mich nicht nachvollziehbar". Leider scheine es seitens des Wasserwirtschaftsamtes kein Interesse an einer Lösung mit den Bäumen zu geben. "Sie akzeptieren ausschließlich Dämme ohne Bäume", so sein Fazit. Sein Vorschlag: Bei Sturm und Regen sollte prophylaktisch die Schleuse zum Herrenbach schließen. "Denn wenn kein Wasser fließt, kann auch nichts überschwemmt werden."
Die Stadt Augsburg hingegen hatte zuletzt versucht, bei Sturmwetterlagen über ein Krisenmanagement einen Wasserablass zu organisieren. Ein erster Testfall habe sich bereits am Pfingstwochenende ergeben. "Wie sich gezeigt hat, konnte nach der Sturmwarnung der Gewässerablass nur mit deutlicher Verzögerung erfolgen. Im Notfall wäre die Zeit zu knapp, um die Gefahr abzuwenden."
Seit heute werden daher zwischen Friedberger- und Reichenberger Straße die ersten 34 Bäume gefällt. Im Herbst werden die Fällungen fortgesetzt. Für den Hauptstadtbach gelte ein Badeverbot, betont die Stadt. Der Herrenbach sei bereits bis auf eine Restwassermenge abgelassen.
"Die von meinen Fachbehörden und mir eingebrachten Alternativen wurden eingehend geprüft. Diese Baumfällaktion, die uns allen nicht gefällt, ist eine Frage der Verantwortung für die Menschen, die in diesem Stadtteil leben. Das Vorgehen ist daher in der gesamten Stadtspitze abgestimmt", bilanziert Umweltreferent Reiner Erben.


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Veröffentlicht am 01.06.2018 23:00 Uhr




 

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