Altomünster    

Schaden an der Altomünsterer Kläranlage

Altomünster - Wenn jemand dieser Tage einen Spaziergang um die Hightec-Kläranlage im Zeitlbachtal machen sollte, wird er sich möglicherweise über eine Plastikplane wundern, die mit zwei Bändern an einer mehr als fünf Meter hohen Tonne angebracht ist.


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Muss ausgetauscht werden: der notdürftig abgedichtete Fällmittelbehälter der Oberzeitlbacher Kläranlage. Foto: Horst Kramer


Die Plane schützt provisorisch ein Leck. Altomünsters Bürgermeister Michael Reiter wie Amtsleiter Christian Richter gaben auf der jüngsten Gemeinderatssitzung jedoch Entwarnung: Es handele sich um einen kleinen Schaden an der äußeren von zwei Schutzhüllen, eine Gefährdung sei nicht gegeben. Dennoch drängten beide auf eine sofortigen Ersatz. "Es besteht dringender Handlungsbedarf", mahnte Richter.
Die Tonne ist ein sogenannter Fällmittelbehälter. Sie ist Teil einer Dosieranlage, die Phosphat mittels metallischer Stoffe oder mit Mikroorganismen aus dem Schmutzwasser filtert. Dieser Filterprozess heißt in der Fachsprache "Fällung". Das gereinigte und phosphatfreie Wasser wird schlussendlich wieder dem Zeitlbach zugeführt - eine wichtige Funktion einer hochmodernen Kläranlage. Denn Phosphat im Wasser nährt Algen (Stichwort: "Algenblüte"), die Lebensräume für Fauna und Flora beeinträchtigen.
Reiters und Richters Eile ist somit verständlich. Ärgerlich für die Gemeinde ist hingegen der Zeitpunkt der Panne. Als die Dosierstation vor 15 Jahren in Betrieb genommen wurde, sprach der Hersteller laut Richter von einer Lebensdauer von rund 20 Jahren. Die eigentliche Garantiezeit ist freilich längst abgelaufen. Eine Reparatur wäre wohl möglich, aber unwirtschaftlich, sagte Richter. Daher baten Bürgermeister wie Amtsleiter das Gremium um die Zustimmung zum Kauf eines neuen Fällmittelbehälters - trotz der hohen Kosten von rund 80 000 Euro.
Einige Ratsmitglieder hakten nach, darunter Josef Riedlberger (CSU). Der Umweltfachmann zeigte sich nicht erstaunt über den Schaden, verwies vielmehr auf die enormen Spannungen, denen der schwarze Behälter von innen wie außen ausgesetzt sei. Seine Frage lautete daher: "Wie können wir künftige Probleme vermeiden?" Er brachte eine Holzverschalung ins Spiel.
Reiter sagte, man habe eine Verschalung geprüft. Diese würde zu Mehrkosten von rund 50 Prozent führen, sei mithin nicht rentabel. Marianne Kerle (CSU) schlug vor, den neuen Behälter einfach weiß anzustreichen, um die Erhitzung durch Sonneneinstrahlung zu mindern.
Ihre Fraktionsvorsitzende Martina Englmann wollte wissen, ob der Riss mit einem Industriekleber behoben werden könne. Reiter warnte vor beiden Maßnahmen: "Bei einem Eingriff in die Außenhaut könnten wir jegliche Garantie verlieren." Richter mahnte erneut: "Wir müssen das Zeitfenster einer potenziellen Gefährdung unbedingt klein halten und die Ausschreibung so schnell wie möglich angehen." Baufachmann Roland Schweiger (CSU) stieß ins selbe Horn: "Wir müssen jetzt richtig Gas geben." Der Gemeinderat stimmte schließlich dem Neukauf zu, im Gegensatz zu Englmann.

Von Horst Kramer



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Veröffentlicht am 31.07.2020 16:24 Uhr



 
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