Altomünster    

Analoge Spiele im Internet

Altomünster - "Wir sind voll begeistert, dass wir uns regelmäßig wieder sehen können", bekennt die zwölfjährige Mila. Ihre elfjährige Freundin Florentina stimmt zu: "Cool, dass wir miteinander spielen und reden können. Die letzten Wochen waren schon ziemlich langweilig." Die beiden sitzen in zwei weit entfernten Ecken im Altomünsterer Jugendzentrum (Juz), jede hat ein Spielbrett vor sich, bestückt mit Fantasy-Figuren und vermutlich magischen Gegenständen. Beide haben das Smartphone neben sich liegen, über das sie mit Skype verbunden sind. An einem dritten Ort sitzt der Leiter des Altomünsterer Jugendzentrums, Marlon Köhler, der ein Brett mit identischem Aufbau vor sich hat, daneben das Smartphone und zusätzlich eine Webcam. Er fungiert als Spielleiter.


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Gruppenfoto mit "social distancing": Das Altomünsterer Jugendzentrumsteam, das sich das spannende Spiel ausgedacht hat (von links): Max Rutz, Simon Mederer, Marlon Köhler und Alex Dullinger. Fotos: Horst Kramer


Für die AICHACHER ZEITUNG simulieren sie das selbst kreierte Fantasyspiel im Juz am Bahnhof. Köhler achtet dabei wie der sprichwörtliche Schießhund darauf, dass sich alle Beteiligten nicht zu nahe kommen.
"Wir haben uns ein Brettspiel mit Harry-Potter- und Herr-der-Ringe-Elementen ausgedacht", erklärt Köhler. Also mit Zauberern, Elfen, Orks und allerlei magischen Gegenständen, die den Spielern helfen, komplizierte Aufgabenstellungen zu lösen. Ereigniskarten gehören ebenso dazu wie auch zwölf- und vierseitige Würfel, bei deren Beschaffung das Rathaus mitgeholfen hat" hebt der JUZ-Leiter hervor.
"Wir", das sind Alexander Dullinger (21), ein Biologie- und Chemie-Lehramtsstudent, Max Rutz (23), ein gelernter Koch, der derzeit auf Heilerziehungspfleger umsattelt, sowie der FOS-Schüler Simon Mederer (16). Alle sind begeisterte Brettspiele-Fans, alle sind IT-technisch fit.
Als die Corona-Krise losging, setzten sich Köhler und seine Helfer zusammen und überlegten, wie sie auf die absehbare Schließung des Jugendtreffs reagieren sollten. Schnell war klar: "Wir müssen den Kids etwas bieten", erklärt Rutz. "Und dabei die Möglichkeiten des Internets nutzen", ergänzt Mederer. Köhler fährt fort: "Jeder benötigt zwei Endgeräte. Neben dem Smartphone für die Kommunikation einen Laptop, Notebook oder PC, auf dem mein Spielbrett via Webcam zu sehen ist."
Klingt kompliziert, ist für die jungen Menschen aber kein Problem. Im Gegenteil, die Jugendlichen sind begeistert, wie der Juz-Chef erzählt. "Die Eltern ebenfalls, sie sind froh, dass ihre Kinder Abwechslung haben." Gegenwärtig nehmen zehn junge Altomünsterer an der Spielrunde teil. In der Osterwoche soll eine zweite Gruppe an den Start gehen.
Die Spieler erhalten vorab ein Spieleset des Jugendzentrums.
Dullinger hatte noch eine zweite Idee: Online-Tutoring für Schüler. "Wir können und wollen keinen Unterricht ersetzen", stellt der künftige Gymnasiallehrer klar. Das Turoring-Team wolle auch nicht mit den Nachhilfe-Anbietern konkurrieren. Zumal das Angebot kostenfrei sein wird. Dullinger konnte schon einige Kommilitonen für das Projekt gewinnen, vornehmlich in den naturwissenschaftlichen Fächern. Aber auch ein angehender Französisch-Lehrer ist mit an Bord. Wann das Angebot steht, ist noch nicht ganz sicher, sagt Dullinger. Weitere Mitstreiter seien erwünscht.

Eine Kontaktaufnahme zum Spieleteam des Juz sowie zu den künftigen Tutoring-Kursen ist möglich über die E-Mail-Adresse juzalto@gmx.de.

Von Horst Kramer


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Die elfjährige Florentina sitzt vor ihrem Spielbrett und grübelt. Über Smartphone tauscht sie sich mit ihrer Freundin Mila aus.


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Allein, aber in Kontakt mit den Freunden und Freundinnen: die zwölfjährige Mila freut sich über weitere Spielrunden.



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Veröffentlicht am 17.04.2020 14:11 Uhr