Aichach    

Grundlose Aggressivität

Aichach - Eisenfüße wie Karl-Heinz Förster, Jürgen Kohler oder Christian Wörns haben die "Mannheimer Vorstopperschule" einst bekannt gemacht. Verteidiger, die "auch mal hinlangen", wie es so schön oder auch nicht heißt. Diese Zeiten sind auf dem Platz längst vorbei, nicht aber offensichtlich bei manchen Fans von Waldhof Mannheim. Zwei von ihnen sitzen derzeit vor dem Schöffengericht in Aichach, weil sie Anhänger des TSV 1860 München auf dem Autobahnparkplatz Adelzhauser Berg beleidigt, geschlagen und getreten sowie ihnen Fan-Gegenstände weggenommen haben sollen.


Schlägerei zwischen Fußballfans in Adelzhausen hat Konsequenzen
Begeisterte Anhänger von 1860 München im Oktober 2017 in der Westkurve beim Regionalliga-Spiel gegen den FC Pipinsried. Auch die Sechziger-Fans, die nun in Aichach vor Gericht aussagten, wollen weiter Spiele besuchen, obwohl sie im Frühjahr 2020 auf einem Parkplatz eine unschöne Begegnung mit Schlachtenbummlern von Waldhof Mannheim hatten.
Siegfried Kerpf

Bus aus Treuchtlingen hält am Parkplatz - dort hören die Mitfahrer Häme

Das alles ereignete sich Anfang Februar 2020 vor dem Sechziger-Heimspiel. Ein Bus mit mehreren befreundeten Löwen-Fanclubs aus Treuchtlingen stoppte für eine Pause auf dem Parkplatz. Schon beim Aussteigen hätten sie Häme und Beleidigungen von Waldhof-Fans, deren Bus dort ebenfalls gehalten hatte, gehört, gaben die Zeugen an. Als dann einige der Treuchtlinger zu den Toiletten-Häuschen gingen, seien insgesamt fünf von ihnen geschlagen und getreten worden. Auch eine Frau, die einem Löwen-Fan zu Hilfe eilen wollte, und ein geistig leicht behinderter Mann, wie ihn seine Begleiter bezeichneten, seien unter den Opfern gewesen.

Die Männer sollen ihre Opfer sogar getreten haben

Letzteren hätten Mannheimer auch noch getreten, als er auf dem Boden gelegen habe, zudem habe ihm einer eine Bierflasche über den Kopf gehauen. Das war aber offensichtlich keiner der zwei in Aichach auf der Anklagebank sitzenden 44 und 51 Jahre alten Männer.
Die beiden ließen durch ihre Rechtsbeistände Ayla Bayaz und Hansjörg Schmid verlautbaren, sie wollten überhaupt keine Angaben zu den Vorwürfen machen. Die Angeklagten und die Verteidigung behielten diese Haltung bei, auch nachdem ihnen Richter Axel Hellriegel ebenso sachlich wie eindringlich den Ernst der Lage erklärt hatte. Im schlimmsten Fall stünden für sie dreieinhalb bis vier Jahre Haft im Raum, ein Geständnis und Mithilfe bei der Aufklärung könnten sich dagegen strafmildernd auswirken. Doch auf der Mannheimer Bank blieb es beim Schweigen.

Die Zeugen wirken vor Gericht glaubwürdig

Die am ersten Verhandlungstag vernommenen Löwen-Fans aus dem Mittelfränkischen waren in ihren Aussagen sehr sachlich und ohne jeden Belastungseifer. Es erscheint als absolut glaubwürdig, dass von der altersgemischten Gruppe keine Aggressionen oder Provokationen ausgegangen seien, wie mehrere Treuchtlinger versicherten. Sie betonten auch, dass noch vor der Abfahrt des Löwen-Busses ein Mannheimer, wohl in Begleitung eines der Angeklagten, gekommen sei, sich entschuldigt, die Fan-Gegenstände zurückgegeben und bei der Versorgung des von der Bierflasche verletzten Mannes geholfen habe. Dem Lädierten sei später im Krankenhaus Dachau eine Platzwunde am Hinterkopf genäht worden, zwei bis drei Woche habe er unter Schmerzen gelitten.

Von Dr. Berndt Herrmann



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Veröffentlicht am 13.01.2022 17:31 Uhr