Aichach    

Ein Stück Aichacher Gastro-Geschichte

Aichach - Gut 27 Jahre ist es her, dass ein Brand dem legendären Aichacher Pilsstadl ein jähes Ende setzte. Am Montag mussten die Feuerwehren aus Aichach und Oberbernbach erneut ausrücken, ein aufmerksamer Bürger hatte gegen 17.30 Uhr den Notruf verständigt. Laut Aichacher Wehr war in einem der Kellerräume des ehemaligen Saunaclubs ein Feuer ausgebrochen. Der Brand konnte schnell unter Kontrolle gebracht werden. Personen seien nicht verletzt worden, berichtet die Polizei.


Pilsstadlbrand
Seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf: Der legendäre Aichacher Pilsstadl an der Schrobenhausener Straße. Das Feuer brach in einem der Kellerräume im linken Bereich des Gebäudes aus.
Erich Hoffmann

Ursache unklar, Jugendliche verdächtig

Die Ursache des Feuers sei noch unklar, erklärt Markus Bommler, stellvertretender Dienststellenleiter der Aichacher Polizei, auf Nachfrage. Er bat in diesem Zusammenhang um Hinweise aus der Bevölkerung. Die Kripo Augsburg werde nicht aktiv, ergänzt Bommler, da das Gebäude perspektivisch abgerissen werden soll. Deshalb lasse sich auch die Höhe des Sachschadens schwer beziffern.
Am späteren Dienstagabend aber machte in der Stadt das Gerücht die Runde, dass Nachbarn des Anwesens inzwischen drei Jugendliche hätten benennen können, die sich kurz vor der Alarmierung im Gebäude aufgehalten haben. Die Polizei bestätigte das auf Nachfrage und präzisierte, dass eine Jugendliche zugegeben habe, sich zum fraglichen Zeitpunkt im Keller aufgehalten und eine Zigarette geraucht zu haben. Dass die womöglich achtlos weggeworfene Kippe die Ursache für den Brand war, wollte der Polizeisprecher gestern nicht bestätigen. Die Ermittlungen dauern an.

Pilsstadl gilt beinahe als legendär

So oder so war der Pilsstadel gestern in aller Munde, fast wie früher. In den vergangenen Jahren gab es von Anwohnern immer wieder Klagen über Lärm aus der "Dornröschen-Immobilie". Wie sich bestätigt hat, nutzten Jugendliche das leerstehende Gebäude als Rückzugsort. Die Geschichte mit der Zigarette würde also passen. So hatte es Markus Bommler schon am Nachmittag vermutet. Laut den Aichacher Brandbekämpfern befanden sich in den Räumen allerlei alte Möbel, Ordner und Zeitschriften.
Vor allem in den 1980er Jahren hatte der Pilsstadl in der Paarstadt regelrechten Kultstatus, meist herrschte dichtes Gedränge in den verschiedenen Gastro-Bereichen. Insbesondere im Fasching ging es bis in die Morgenstunden hoch her. Das endgültige Aus kam 1996, ironischerweise mit einem Brand. Spätere Versuche, das Lokal wiederzubeleben, scheiterten.

Diskussion und Bürgerbegehren wegen möglichem "Swinger-Club"

Für viel Aufregung sorgte die Idee eines "Swinger-Clubs", die 2002 sogar zu einer Unterschriftensammlung führte. Mit Blick auf die geltende Rechtslage und die Erfahrungen, die die Gemeinde Affing im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für den Swingerclub in Mühlhausen gemacht hatte, sahen sich die Stadträte außer Stande, das Projekt zu verhindern. Anschließend wurde es, abgesehen von theoretischen Diskussionen über die faktische Zulässigkeit eines Bürgerbegehrens gegen einen rechtmäßigen Genehmigungsbescheid, ruhig um den Pärchenclub an der Paar, bis sich die Sache selbst in Rauch auflöste. Der Eigentümer gab die Genehmigung für die Nutzungsänderung von sich aus zurück und wollte noch einmal gastronomisch durchstarten.
Auch 2009 gab es noch einmal den Versuch, den Pilsstadl zu reaktivieren. Unter anderem sollten ein Tanzkeller und ein Steak-Restaurant eröffnet werden. Am Ende wurde es doch ruhig um den legendären Gastrobetrieb. Seitdem stand das Haus leer.

Von Thomas Winter und Robert Edler


Feuer im Pilsstadl
Ein Blick in die Innenräume vor dem Brand am Montagabend (links). Rechts ein Foto aus dem Jahr 2002, das die einstige "Paartalsauna" zeigt.
Erich Hoffmann



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Veröffentlicht am 17.01.2023 23:04 Uhr