Aichach    

Paartalbahn: "Elektrifizierung ist eine super Idee"

Aichach - Der Aichacher Bahnhof ist alles andere als barrierefrei. Das wird sich auch so schnell nicht ändern, obwohl sich am Donnerstag Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) persönlich ein Bild von der Situation gemacht hat. Im Verkehrsministerium wird derzeit geprüft, ob eine Teilelektrifizierung der Paartalstrecke in Frage kommt.


Gespräche über Elektrifizierung
Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (Mitte, schwarz gekleidet) diskutierte mit Landtagsabgeordnetem Peter Tomaschko (links daneben), dem Behindertenbeauftragten des Landkreises, Josef Koppold (rechts daneben), sowie Landrat Klaus Metzger und Vertretern der weiteren Bahnhofsgemeinden zwischen Radersdorf und Friedberg über die Bahnstrecke und den barreirefreien Ausbau.
Carina Lautenbacher


"Die Teilelektrifizierung ist eine super Idee", fand der Minister. "Eine E-Lok ist ökologischer und auch noch günstiger." Dass aus Kostengründen sicher nicht die ganze Strecke bis Ingolstadt elektrifiziert wird, ist auch kein Problem. Es gibt inzwischen Hybrid-Loks. Die Aufrüstung kostet zwischen 800 000 und zwei Millionen Euro pro Bahnkilometer, die Strecke Augsburg - Ingolstadt ist rund 60 Kilometer lang.
Reichhart diskutierte bei dem Termin mit CSU-Landtagsabgeordnetem Peter Tomaschko, den Bürgermeistern und Gemeindevertretern der Bahnhofsgemeinden Kühbach, Aichach, Obergriesbach und Friedberg, Landrat Klaus Metzger sowie dem Behindertenbeauftragten des Landkreises Aichach-Friedberg, Josef Koppold, der sich hartnäckig ins Zeug legte. Wenn die großen Lösungen zu lange dauern, kann er sich auch kleinere Maßnahmen vorstellen, die das Leben der Passagiere leichter machen - was nicht nur Rollstuhlfahrer betrifft, sondern auch Eltern mit Kinderwagen, Menschen mit Rollatoren und Senioren, die nicht mehr ganz so fit sind.
An dem Gespräch nahm auch Ministerialrat Stefan Schell teil, Leiter des Referats Schieneninfrastruktur und Eisenbahnwesen im Bayerischen Verkehrsministerium. Er erläuterte die langwierigen Abstimmungsprozesse: Würde heute beschlossen, einen Bahnsteig zu modernisieren, würde der tatsächliche Bau erst etwa sechs Jahre später über die Bühne gehen. Der einzige Rat, den er den Bürgermeistern geben konnte, um die eigenen Wünsche hinsichtlich der Bahnhöfe voranzutreiben, ist, ähnlich zu verfahren wie häufig im Straßenbau: Die Kommunen können in Vorleistung gehen und Pläne erstellen lassen, auch wenn es keine Fördermittel gibt. Kommt eines Tages ein neues Förderprogramm, haben diejenigen mit fertigen Plänen gute Karten, weil Politiker dann gerne schnell etwas anschieben wollen.
Das frustrierte Klaus Habermann, der zu Recht darauf hinwies, dass alles, was am Aichacher Bahnhof gut funktioniert, von der Stadt selbst gemacht wurde: "Wir haben das Bahnhofsgebäude gekauft, selbst hergerichtet und verpachtet. Dann haben wir die Park-und-Ride-Plätze gebaut und erweitert. Und jetzt sollen wir auch noch den Bahnsteig bauen?"

Von Carina Lautenbacher



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Veröffentlicht am 15.11.2019 17:30 Uhr



 
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