Aichach    

Das Obere Tor ist schon fertig

Aichach - Sie ermöglichen den Blick von oben in die Geschichte: Dreidimensionale Stadtmodelle gibt es in vielen Orten. Ab April 2020 gehört auch Aichach dazu. Dann wird ein Bronzemodell, das einen Blick in die Paarstadt des Jahres 1914 ermöglicht, fertig sein - rechtzeitig zur Eröffnung der Landesausstellung. Das Projekt ist eine Gemeinschaftsaktion des Lions Clubs Schrobenhausen-Aichach und des Rotary Clubs Schrobenhausen-Aichach, die dabei mit dem Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) zusammenarbeiten.

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Ausgegangen ist die Initiative vom aktuellen Rotary-Präsidenten Dr. Gerhard Lehrberger, nach eigenen Worten einem großen Fan von Stadtmodellen, der bei den Lions auf offene Ohren stieß. Lehrberger und sein Lions-Kollege Josef Schwaiger waren gestern in Aichach und haben zusammen mit Vertretern der Stadt den geplanten Standort vor der Spitalkirche in Augenschein genommen. Ein Holzmodell der Grundplatte machte die Umrisse und Dimensionen des knapp zwei Meter langen Modells deutlich, und Michael Leibl hatte bereits ein erstes Ensemble - das Obere Tor mit benachbarten Gebäuden - dabei.
Der Chef der technischen Werkstatt der TU München und Modellbauer arbeitet schon seit einiger Zeit an den weißen Häusern, die im Drei-D-Druck hergestellt werden und die Basis für den späteren Bronzeguss sind - allerdings folgen noch mehrere Zwischenschritte.
Wie bereits berichtet, erarbeitet seit Monaten die junge Historikerin Theresa Hauck die Grundlagen, indem sie unter anderem alte Baupläne und Kataster auswertet. Außerdem verwendet Leibl Daten, die das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung kostenlos zur Verfügung stellt.
Für den Modellbauer besteht der Reiz seiner Arbeit darin, traditionelle handwerkliche Tätigkeiten mit hochmodernen Verfahren wie Drei-D-Druck und der Nutzung digitaler Daten zusammenzubringen.
Für den historischen Blick in das Jahr 1914 hat man sich aus unterschiedlichen Gründen entschieden. "Über das Mittelalter wissen wir zu wenig, und die Gegenwart scheidet aus, weil nichts so schnell veraltet wie die Gegenwart", erklärt dazu Stadtarchivar Christoph Lang. Zum anderen besuchte der bayerische König Ludwig III. im Jahr 1914 Aichach. Damals wurden die Häuser geschmückt und der Schmuck in die Aufrisse, also Zeichnungen der Fassaden, eingetragen. Die sind im Stadtarchiv vorhanden. Und das alles passt auch zur Landesausstellung, die die Wittelsbacher als Städtegründer zum Thema hat. Ludwig III. war der letzte Wittelsbacher, der Aichach besucht hat, es schließt sich so also ein Kreis. Der Standort direkt vor der Spitalkirche erscheint ideal. Das Modell kann als Ausgangspunkt für Stadtführungen genutzt werden, liegt zentral und ist für alle zugänglich. Es wird auch so gestaltet, dass Menschen mit Sehbehinderung die Stadt von damals ertasten und somit auch erleben können. Das fertige Modell im Maßstab 1:600 wird, wenn es von einem Straubinger Glockengießer in Bronze hergestellt worden ist, an die 200 Kilogramm wiegen. Betrachter können dann nicht nur den Stadtkern sehen, sondern auch einen Blick in die damaligen Vororte werfen, und großen Wert liegt Leibl darauf, auch Details wie die heute verschwundene Pappel-Allee in der Bahnhofstraße einzubauen.
Das weiße Drei-D-Modell ist im Übrigen mehr als nur eine Zwischenstufe auf dem Weg zur Bronze. Es wird während der Landesausstellung seinen Platz im alten Feuerwehrhaus haben. Die Spezialisten vom Haus der Bayerischen Geschichte werden darauf Etappen der Stadtentwicklung projizieren. Danach bleibt es in Aichach und wird seinen Platz wohl im neuen Verwaltungsgebäude am Tandlmarkt finden. Wie Gerhard Lehrberger erklärte, werde ein Teil des diesjährigen Filmfestivals Aichach mit dem Thema "Heimat 2.0" für die Finanzierung des Modells verwendet.

Von Dr. Berndt Herrmann
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Veröffentlicht am 09.08.2019 23:00 Uhr




 

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