Aichach    

Eleonore-Beck-Stiftung: Geld aus Aichach für die Ökosysteme der Welt

Aichach - 20 Jahre sind seit dem Tod der Aichacher Wohltäterin Eleonore Beck im Jahre 1999 vergangen. Anlass für den Vorsitzenden der Eleonore-Beck-Stiftung, Rechtsanwalt Dr. Thomas Kantenwein aus München, eine Gedenkveranstaltung in Aichach auszurichten. Bevor es am Abend bei einem Vortag im Haus der Senioren eingehende Informationen über das Wirken der Stiftung zu hören gab, gedachte Kantenwein zusammen mit Vertretern der Stadt Aichach der Verstorbenen am Familiengrab am Alten Friedhof.

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Bis zu seinem Tod im Jahre 1987 war Prof. Dr. Bernhard Grzimek der führende Tierschützer Nachkriegsdeutschlands. Der Tierarzt und spätere Direktor des Frankfurter Zoos hinterließ vor allem durch seine Tierfilme einen nachhaltigen Eindruck bei einer ganzen Generation. Die ab 1956 in der ARD ausgestrahlten spannenden und eindrucksvollen Dokumentationen über die bedrohte Tierwelt faszinierten wohl auch Eleonore Beck sehr und brachten sie dazu, den größten Teil ihres Vermächtnisses für diesen Zweck zu verwenden. Die entscheidende Rolle spielte hier wohl die 1959 ausgestrahlte Dokumentation "Serengeti darf nicht sterben", die 1960 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Der Erhalt dieser in Tansania in Ostafrika gelegenen Landschaft mit ihrer vielfältigen Tierwelt, wird heute wesentlich mit den Erträgen der Beck-Stiftung ermöglicht. Erst im März 2019 war die Aichacherin Liselotte Pfundmair-Bischof vor Ort in Tansania. Begeistert erzählte sie von ihren Erlebnissen und Gesprächen mit den Mitarbeiten des Nationalparks. Große Freude löste sie dort aus, als sie den Verantwortlichen ein Bild des Aichacher Rathauses verbunden mit Grüßen von Bürgermeister Klaus Habermann überreichte. So ist auch Aichach in der Serengeti vertreten. Pfundmair-Bischof konnte den Zuhörern die nachhaltige Wirkung der Gelder der Beck-Stiftung nur bestätigen.
Rechtsanwalt Kantenwein stand schon seit dem Jahr 1984 in persönlichen Kontakt zu Eleonore Beck. Nach deren Tod im Jahr 1999 übernahm er die Verwaltung des Nachlasses. Erst dabei stellte sich heraus, dass Beck schon im Jahr 1978 in ihrem Testament verfügt hatte, "dass ihr Vermögen Erträge für die sogenannte Grzimek-Stiftung, die Stiftung für die bedrohte Tierwelt, erwirtschaften soll." Das Vermögen der Stiftung betrug zum Zeitpunkt der Errichtung vor 18 Jahren 20 Millionen Euro. Es besteht aus drei unterschiedlichen Teilen. Ein Schwerpunkt ist der umfangreiche Immobilienbesitz vor allem in München, dann ein breitgefächerter Aktienbestand und 17 Hektar Wald im Raum Petersdorf. Wie Kantenwein berichtete, ist durch die geschickte Streuung des Vermögens und vor allem durch den Wertzuwachs der Münchner Immobilien, der Vermögensstand auf 30 Millionen Euro angewachsen. Zugleich konnten seit dem Jahr 2001 über zehn Millionen Euro erwirtschaftet und für den Stiftungszweck verwendet werden.
Um die sachgerechte Verwendung des Stiftungsvermögens gemäß dem Wunsch der Aichacherin Eleonore Beck sicherzustellen, wurde die Stiftung fachlich der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zugeordnet. Die Beck-Stiftung ist dort eine unverzichtbare Säule der weltweiten Arbeit für den Arten- und Naturschutz. Nur durch deren Erträge, die zuverlässig als Anschubfinanzierung für viele Projekte dienen, ist es möglich, Drittmittel von weiteren Organisationen zu erhalten. Mit den pro Jahr etwa 600 000 Euro, die aus der Beck-Stiftung nach Frankfurt fließen, werden auch die Mitarbeiter in den Reservaten vor Ort finanziert. Somit ist die Beck-Stiftung auch ein Stück Entwicklungshilfe aus Aichach. Die Studien zum Schutz der Geparde verdanken ihre dauerhafte Finanzierung ebenso der Aichacher Bürgerin wie die großen Wildtierzählungen mit dem Flugzeug. Mit Hilfe der Stiftung wird eine nachhaltige Entwicklung des Umlandes Hand in Hand mit der Bevölkerung vorangetrieben.
Im Besucherzentrum der Serengeti, dessen Bau ebenfalls mit Stiftungsmitteln realisiert wurde, gibt es ein Bild der Stifterin, ein Hinweis und auf ihren herausragenden Einsatz. Mit der Eleonore-Beck-Stiftung ist es gelungen, eine direkte und dauerhafte Brücke einer privaten Stiftung zu einem der wichtigsten Naturschutzgebiete im fernen Tansania zu bauen. In seinem Vortrag zeigte Kantenwein auf, dass sich der Schwerpunkt der Arbeiten inzwischen vom reinen Artenschutz über den Naturschutz zum Erhalt der Ökosysteme weiterentwickelt hat. Die an diesem Abend gezeigten faszinierenden Bilder aus der Savanne Afrikas mir ihrer spektakulären Tierwelt bestätigten, wie wichtig der Erhalt dieses Ökosystems für das Weltklima ist.
Das gemeinnützige Wirken der Beck-Stiftung ist jedoch nicht nur in Afrika, sondern auf drei Feldern auch unmittelbar im Aichacher Land zu spüren. Förster Rolf Banholzer vom Forstrevier Affing, der den Wald der Stiftung bei Petersdorf betreut, berichtete über den derzeit laufenden Umbau des Waldes. In Folge der Zwänge des Klimawandels würden dort künftig 13 statt wie bisher nur vier Baumarten wachsen. Ein wichtiger Punkt bei der Umsetzung des Stiftungszwecks sei auch der Besuch des Waldes im Rahmen von pädagogischen Maßnahmen mit Schülern verschiedener Schulen.
Eine Erfolgsgeschichte ist auch das Haus der Senioren in Aichach geworden. Damit wurde der Wunsch der Stifterin, eine Begegnungsstätte für ältere Menschen in ihrer Heimatstadt zu schaffen, umgesetzt. Kurz vor der Realisierung steht ein weiteres Großprojekt - die Schaffung von Wohnraum auf Grundstücken der Stiftung in Aichach. Kantenwein zeigte sich sehr zuversichtlich, dass eine überzeugende städtebauliche Lösung gefunden wird, die dem Gemeinwohl zu Gute kommt. Bürgermeister Habermann deutete an, dass das neue Wohnquartier dann wohl den Namen der Stifterin tragen sollte.
Eleonore Beck wurde 1922 in Aichach geboren. 1942 ging sie als junge Frau nach Wiesbaden, um Chemotechnik zu studieren und ihr Wissen ins Labor der Mühle der Familie einzubringen. Doch bereits ab September 1944 lebte sie wieder in der Beckvilla in Aichach. Ende April 1945 kurz vor Kriegsende starb ihre Mutter, wenige Tage später ihre Schwester. Eleonore Becks Einsatz im Elternhaus war nun gefragt. Fortan widmete sie ihr Leben der Verwaltung des Familienvermögens. Ab dem Jahr 1967 lebte sie dann überwiegend in ihrem Haus im Münchener Stadtteil Nymphenburg. Nach ihrem Tod im Jahr 1999 wurde sie im Grab der Familie in alten Friedhof in Aichach bestattet. Neues Wohnquartier soll Namen der Stifterin tragen

Von Wolfgang Brandner
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Veröffentlicht am 08.07.2019 23:00 Uhr




 

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