Aichach    

Die Nazis sind hier

Aichach - Wenn sie Bürgerinitiative Ausländerstopp heißen, kann man die Geisteshaltung erraten. Bei Artgemeinschaft, Dritter Weg oder Identitärer Bewegung wird es schwerer. Dahinter und hinter vielen anderen kleinen Organisationen, Labels oder Internetshops stehen Neonazis, amtierende oder frühere NPD-Mitglieder, Gesinnungsrassisten und gewaltbereite Rechte. Wer glaubt, Nazis seien anderswo, aber nicht im Wittelsbacher Land, der irrt: Sebastian Lipp, freier Journalist und Referent für die Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus, legte am Montag bei einem Vortrag dar, wo im Raum Augsburg in der jüngeren Vergangenheit Nazis von sich Reden machten. Genannt wurden unter anderem Affing, Pöttmes und Stadtbergen.


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Wolfgang Holzhauser und Christian Gerold (die beiden Vorsitzenden des Kreisverbands der Jusos) begrüßten zur Eröffnung der Anti-Nazi-Woche auch den SPD-Landtagsabgeordneten Herbert Woerlein und Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann. Foto: Carina Lautenbacher


Sebastian Lipp, der auch an einem Blog über aktiven Rechtsextremismus auf der Internetseite der "Zeit" mitwirkt, kam am Montag auf Einladung der Jugendorganisation der SPD (Jusos) nach Aichach. Im Foyer des Awo-Heims wurde an diesem Abend die von der Friedrich-Ebert-Stiftung gestaltete Ausstellung "Demokratie stärken - Rechtsradikalismus bekämpfen" eröffnet. Sie ist Teil der schwabenweit ausgerufenen Anti-Nazi-Woche der Jusos.
Während sich seit ein, zwei Jahren alles darum dreht, wie der Rechtspopulismus wieder Fuß fassen konnte und mit welchen Strategien er arbeitet, war Lipps Vortrag darauf konzentriert, zu zeigen, wo die Nazis ihre Standbeine haben. Lipp ist ein Experte für den schwäbischen Raum.
Er führte die kleine Zuhörerschar durch eine Übersicht von Organisationen und Personen, die in der Region aufgefallen sind. In Erinnerung war einigen noch die Durchsuchung eines bäuerlichen Anwesens in Affing im Juli 2015. Recherchen zu einem Waffendeal hatten die Ermittler auf einen damals 57 Jahre alten Mann und seinen 29 Jahre alten Sohn aufmerksam gemacht. Sie wurden von zwei szenebekannten Rechtsanwälten vor dem Aichacher Amtsgericht vertreten und am Ende wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt. Im Zimmer der Tochter hing eine Reichskriegsflagge über dem Bett, ihr Freund war als aktiver Neonazi bekannt. "Die Waffen sollten bei ,Combat 18' gekauft werden, dem bewaffneten Arm von ,Blood & Honour'", erklärte Lipp die Zusammenhänge in der Szene.
Die Artgemeinschaft, eine Art religiöser Überbau für rechts Gesinnte, die das Christentum ablehnen und sich aus heidnischen Bräuchen sowie germanischen Riten ein "Bekenntnis" zusammengezimmert haben, hat oder hatte - die Recherchen gestalten sich auch für den Experten schwierig - Sebastian Lipp zufolge ein Anwesen in der Gemeinde Pöttmes, das auch genutzt wurde.

Weitere Infos zum Thema gibt es auf der Seite der bayerischen Staatsregierung www.bayern-gegen-rechtsextremismus.bayern.de. Das Blog "Störungsmelder", an dem Sebastian Lipp mitwirkt, findet man unter blog.zeit.de/stoerungsmelder. Die Ausstellung im Awo-Heim (Oskar-von-Miller-Straße 16) ist bis 19. März zu sehen. Spuren nach Affing und Pöttmes

Von Carina Lautenbacher Lesen Sie den kompletten Artikel in der Aichacher Zeitung oder in unserem E-Paper, für das es auch Tageszugänge gibt.


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Veröffentlicht am 05.07.2017 00:00 Uhr




 

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