Veröffentlicht am 31.05.2023 14:33

Plan A für ein offenes Theater: Start für das Empowerment-Festival in Augsburg

Alle gemeinsam: Am Donnerstag startet das dritte Empowerment-Festival in Augsburg. (Grafik: Lisa Neher )
Alle gemeinsam: Am Donnerstag startet das dritte Empowerment-Festival in Augsburg. (Grafik: Lisa Neher )
Alle gemeinsam: Am Donnerstag startet das dritte Empowerment-Festival in Augsburg. (Grafik: Lisa Neher )
Alle gemeinsam: Am Donnerstag startet das dritte Empowerment-Festival in Augsburg. (Grafik: Lisa Neher )
Alle gemeinsam: Am Donnerstag startet das dritte Empowerment-Festival in Augsburg. (Grafik: Lisa Neher )

Mit der Sanierung des Staatstheaters hat sich Augsburg eine mehrere Hundert Millionen Euro schwere Aufgabe auf die Schultern geladen. Verbunden war die Zustimmung des Stadtrats seinerzeit mit einer inhaltlichen Generalüberholung. Vor allem die Öffnung für die gesamte Stadtgesellschaft wurde gefordert, um die immensen Ausgaben zu rechtfertigen. Ein Baustein zu dieser Öffnung ist die Abteilung „Plan A”, die der heutige Staatsintendant André Bücker mit seiner ersten Spielzeit 2017/2018 eingeführt hat.

„Plan A” ist die „transdisziplinäre und diversitätsorientierte Begegnungsplattform des Staatstheater Augsburg”, beschreibt das Theater selbst. Hier wolle man neue Perspektiven einnehmen und gesellschaftliche Problemstellungen hinterfragen. Dafür sollen „innovative künstlerische Ausdrucksformen geschaffen” werden. Kernstück der Plattform ist dabei die Zusammenarbeit mit der freien lokalen Kulturszene. Gemeinsam sollen neue Formate, Veranstaltungen und Kooperations-Projekte entstehen – wie das heute beginnende, mittlerweile dritte Empowerment-Festival.

Nach „Empower the people around you!” im November 2021 und „Selfcare is a political act!” im Juni 2022 erhält das Empowerment-Festival vom 1. bis 3. Juni unter dem Motto „All together now!” eine dritte Auflage. Empowerment lässt sich mit Bemächtigung und Selbstbefähigung übersetzen. Solidarität soll beim Festival im Zentrum stehen. In Workshops, beim gemeinsamen Essen und zu Live-Musik und DJ-Sets wollen die Veranstalter gemeinsame künstlerische Begegnungsräume als sogenannte „safe spaces”, also geschützte Bereiche schaffen.

Zusammen ins Empowerment-Festival starten können die Besucher am Donnerstagabend, 1. Juni, ab 18.30 Uhr im Provino Club mit Musik von Hanna Sikasa und ZaZa sowie der Autorin Bethiel Berhe.

Der Freitag steht ganz im Zeichen verschiedener Workshops von und für Communities, wie „queer & muslimisch” von 18 bis 21 Uhr im Grandhotel Cosmopolis. Am Samstag zeigen die „Radikalen Töchter” in ihrem Aktionskunstworkshop von 11 bis 17 Uhr im Provino Club, wie einfach es sein kann, aktiv zu werden. Beide Abende klingen mit gemeinsamem Essen und DJ-Sets aus.

Das vollständige Programm ist unter www.staatstheater-augsburg.de/empowerment_festival verfügbar. Für die Workshops am Freitag und Samstag ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich unter empowermentfestival03@gmail.com. Der Eintrittspreis beziehungsweise Teilnahmebeitrag für sämtliche Veranstaltungen erfolgt auf Spendenbasis.

Kuratiert wird das Programm von Lena Immler vom Grandhotel Cosmopolis, Feven Selemon von Open Afro Aux, der Popkulturbeauftragten Maria Trump und eben von „Plan A”, vertreten durch Nicole Schneiderbauer vom Staatstheater Augsburg.

Schneiderbauer ist aber nicht allein für „Plan A” zuständig. Anfang Februar hat Imme Heiligendorff die Künstlerische Projektleitung übernommen. Sie war zur Spielzeit 2017/18 nach Augsburg gekommen und in der Theatervermittlung tätig. Im Februar löste sie Maria Trump bei „Plan A” ab, die nun als Popkulturbeauftragte der Stadt Augsburg zu den „Plan A”-Partnern zählt und als Bindeglied in die freie Szene hinein dient.

Menschen, die noch nie im Theater waren, zum Besuch ermutigen

Heiligendorff hat mit der Theatervermittlung den anderen wichtigen Baustein für ein offenes Staatstheater bearbeitet. Sie baute mit dem Club Xplus einen Spielclub für Menschen ab 50 Jahren am Staatstheater auf und setzte in Kooperation mit der Volkshochschule Augsburg und dem Seniorenbeirat der Stadt Augsburg Bildungsangebote für Erwachsene um. Und auch mit „Plan A” bringt sie Menschen das Theater näher, die sonst kaum Berührung damit haben, etwa mit dem Projekt „Never have I ever”, also „niemals zuvor habe ich”. Dabei werden Menschen, die noch nie im Theater waren, ermutigt, zu einem Betrag ihrer Wahl einen ersten gemeinsamen Besuch im Theater zu wagen.

Unter dem Titel „Zukunft der Erinnerung” setzt sich „Plan A” spielzeitübergreifend mit dem Thema Erinnerungskultur auseinander. Dazu gehören aktuell etwa eine Ausstellung in Kooperation mit dem Jüdischen Museum, aber auch Führungen und Publikumsgespräche. Am 11. Juni wird um 19 Uhr im Foyer im Martini-Park unter dem Titel „Hassen widerstehen” ein partizipatives Gespräch stattfinden. Zusammen mit Gästen aus psychologischen, soziologischen und politikwissenschaftlichen Fachbereichen soll das Thema „Radikalisierung und Instrumentalisierung negativer Emotionen” beleuchtet werden. „Plan A” will den Ursprung von Hass verstehen, „um ihm etwas entgegensetzen zu können”. Die Umsetzung erfolgt in Kooperation mit dem Forum DenkRaum der Stadt Augsburg.

Weitere Informationen über „Plan A” gibt es online unter staatstheater-augsburg.de/plan_a.


Markus Höck
Markus Höck

Redakteur Augsburg-Redaktion

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