Radsport    

Wegweisender Wechsel

Aichach - "Vielleicht muss man manchmal einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu kommen." Eine Redensart, die man im Sport oft hört - auch auf den Radrennfahrer Fabian Schormair traf sie im vergangenen Jahr zu. Nach seiner Ausbootung bei der Nominierung für die Deutschland Tour Ende August 2019 war seinerzeit der Frust groß. Schließlich war er bei der vorläufigen Starterliste aller Mannschaften noch als einer der sechs Fahrer für das Team P&S Metalltechnik aufgelistet. "Ich habe alles dafür gegeben, um bei der Deutschland Tour zu fahren. Deshalb war ich auch riesig enttäuscht, dass ich nicht dabei war", erinnert er sich an die für ihn schlimmen Tage im vergangenen Sommer, als er das Saison-Highlight nur als Zuschauer verfolgen durfte. Aber so ist eben das Business, man müsse die Entscheidung akzeptieren, sagt er. Doch das Jahr 2019 hat sich für Schormair dann doch noch zum Guten gewendet, als ihm das Angebot ins Haus flatterte, 2020 für das österreichische Kontinental-Team Felbermayr Simplon Wels zu fahren. Hinter den UCI WorldTeams und den UCI ProTeams sind UCI Continental Teams die dritte Kategorie der durch den Weltradsportverband UCI registrierten Straßenradmannschaften. Schormair brauchte über die Offerte aus der Alpenrepublik nicht zwei Mal nachzudenken. "Felbermayr ist eines der besten Kontinental-Teams in Europa", sagt der 25-Jährige.


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Die blaue Trikotfarbe bleibt für den Aichacher Radsportler Fabian Schormair nach seinem Wechsel von P&S Metalltechnik zum Team Felbermayr Wels Simplon die gleiche. Foto: Marcel Hilger


Rückblickend habe er beim thüringischen Rennstall in der vergangenen Saison viel gelernt, sagt Schormair, "ich bin ein besserer Rennfahrer geworden." Doch im Nachbarland wartet auf ihn jetzt eine neue Herausforderung. "Das wird eine interessante, vor allem wegweisende Aufgabe für mich", erklärt Schormair.
Sein neuer Arbeitgeber ist zwar wie sein letztjähriger ein Kontinental-Team, unterscheidet sich aber in vielen Dingen. "Team Felbermayr ist kein Ausbildungsteam, sondern hat gestandene Rennfahrer", erzählt Schormair. Bei P&S Metalltechnik war er einer der ältesten Fahrer, jetzt ist er in der zehnköpfigen Mannschaft der drittjüngste. "Und alles ist dort auch ein bisschen größer." Angefangen von einem großen Betreuerstab bis hin zu einem pickepackevollen Rennkalender mit knapp 100 Renntagen - die Strukturen sind bei den Österreichern wesentlich professioneller als bei den Thüringern.
"Fabian Schormair ist eine wichtige Verstärkung für unser Team", betonte Rennsportleiter Andreas Grossek bei der Verpflichtung des Aichachers Anfang Dezember. Nach dem Auftakt zur österreichischen Bundesliga 2019 dürfte Schormair schon im Notizbuch des 49-jährigen Teamchefs gestanden haben, nachdem jener in Leonding als Einzelstarter auf Rang acht gefahren war. Ein paar Wochen später wiederholte der Aichacher das Ergebnis in Vorarlberg. "Hinterher habe ich von Grossek eine nette Nachricht bekommen", erzählt Schormair. Man blieb in Kontakt.
Neben den beiden achten Plätzen in Österreich hatte das Eigengewächs des RSC Aichach ("Von meinem Heimatverein werde ich voll unterstützt"/Schormair) 2019 noch ein paar weitere Top-Ten-Platzierungen. Und auch nach seiner Nicht-Nominierung für die Deutschland Tour hatte er in den letzten Bundesliga-Rennen mit "soliden und guten Leistungen" (Schormair) für seinen thüringischen Teamkapitän gearbeitet. Genau jene Helferdienste werden von Schormair nun auch bei seinem neuen Team gefordert sein, ob beim Sprint für den Italiener Filippo Fortin oder am Berg für die Österreicher Stephan Rabitsch und Riccardo Zoidl. Letzterer zählt zu den besten Profis im österreichischen Radsport. Zoidl, 2013 Sieger bei der Österreich Radrundfahrt, fuhr insgesamt vier Jahre in der höchsten Profi-Kategorie.
Bei seinem neuen Team sieht Schormair die Möglichkeit, sich auf höchstem Niveau in Europa zu messen und sich als Rennfahrer weiterzuentwickeln, "den nächsten Step zu machen", wie er sagt. Im Vordergrund steht vor allem Leistung. "Man bestreitet mehr Rennen, bekommt mehr Chancen, Ergebnisse einzufahren", sagt Schormair, "aber man hat auch mehr Druck." Davon zeugt auch Zoidls Aussage bei seiner Rückkehr zu Felbermayr, dass man ein "richtig starkes Team" habe, mit dem man "international voll konkurrenzfähig" sein werde. "Es ist ein motiviertes Kontinental-Team", sagt Schormair.
In der nächsten Woche wird Schormair, der im Sommer sein Studium der Wirtschaftswissenschaften abschließt, sein Team beim einwöchigen Trainingslager im kroatischen Zadar kennenlernen. Gestern brach er Richtung Wels auf. In der oberösterreichischen Stadt, dem Teamsitz, fand am Abend die Einkleidung statt, heute steht das Fotoshooting auf dem Programm, ehe es am Abend Richtung Graz geht. Am Samstagmorgen bricht der gesamte Felbermayr-Tross Richtung dalmatinische Küste auf, wo frühlingshafte Temperaturen um die 15 Grad warten.
Auch wenn er seit Ende November mit rund 5000 nicht besonders viele Trainingskilometern in den Beinen hat, ist Schormair mit dem bisherigen Verlauf der Vorbereitung zufrieden. Er hat in diesem Winter ein paar Sachen anders gemacht, viel Athletik und Laufeinheiten in sein Übungsprogramm eingebaut. In Kroatien kommen nun ein paar weitere Kilometer hinzu, um für die beiden Eintagesrennen in der Türkei, in Alanya (13. Februar) und Gazipasa (14. Februar), gerüstet zu sein. "Das wird interessant, wie es in der Türkei läuft", blickt Schormair voraus. Und vielleicht ist ihm dann heuer, anders als noch 2019, die Teilnahme an einer große Tour vergönnt. Die in diesem Jahr aufgewertete Österreich Rundfahrt Ende Juni wäre mehr als nur ein Trostpflaster für die verpasste Deutschland Tour. Schormair: "Mehr Rennen, um Ergebnisse einzufahren, aber auch mehr Druck"

Von Herbert Walther

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Fabian Schormair.



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Veröffentlicht am 30.01.2020 17:16 Uhr



 
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