Aichach    

Immer mehr Bio-Bauern

Metzenried/Wiesenbach - Demnächst wird es 100 Biobauern im Landkreis Aichach-Friedberg geben. Denn zunehmend schwenken konventionell arbeitende Landwirte auf ökologische Produktion um. Auch solche, die sich im mächtigen Bayerischen Bauernverband (BBV) engagieren. Claus Kopold aus Wiesenbach zum Beispiel und seine Frau Stephanie Kopold-Keis, die ehemalige Kreisbäuerin. Oder die Familie Schmid aus Metzenried. Martin Schmid ist Bullenmäster und stellvertretender BBV-Kreisvorsitzender. Er sagt: "Ich möchte, dass meine Kinder mal einen Hof mit guten Böden übernehmen können. Deshalb stellen wir jetzt auf Bio um."


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60 Bullen und Färsen mästet der Oberbaur im Schiltberger Ortsteil Metzenried. Martin und Stefanie Schmid stellen den Betrieb gerade auf biologisches Wirtschaften um. "Damit meine Kinder mal einen Hof mit guten Böden übernehmen können", sagt der Landwirt. Darauf freuen sich Florian (5), Ludwig (1) und Veronika (3). Foto: Wolfgang Glas


Seit eineinhalb Jahren gibt es im Wittelsbacher Land zudem die "Ökomodellregion Paartal". Ihr Ziel, bis August 2021 den Anteil von biologisch bewirtschafteten Flächen auf zehn Prozent der Gesamtfläche auszuweiten, ist nahezu erreicht: 9,78 Prozent sind es derzeit, 2019 waren es noch rund fünf Prozent. Auffällige "Bio-Inseln" sind die Ortschaften Schmiechen (38 Prozent Bio-Anteil an den landwirtschaftlichen Flächen) und Pöttmes (25 Prozent).
In Pöttmes gibt es zehn Bio-Erzeuger, mit Gut Schorn und der Freiherrlich von Gumppenberg'schen Güterinspektion auch zwei großflächige. Im vergangenen Jahr kam der Müllerbauer in Wiesenbach dazu. Der Hof von Claus Kopold und Stephanie Kopold-Keis gehört mit 150 Hektar ebenfalls zu den großen in Bayern. Er betreibt ausschließlich Ackerbau. Kartoffeln und Zuckerrüben sind die Hauptfrüchte, auf den Äckern stehen aber auch Dinkel, Körnermais, Sojabohnen, Erbsen, Ölfrüchte und Kleegras. "Bio ist schon sportlicher als konventioneller Anbau", sagt Claus Kopold. Zwar lassen sich Kartoffeln direkt und über die Pöttmeser Vermarktungsgemeinschaft Bio-Bauern mbH gut absetzen, seit kurzem sogar zur Herstellung von Bio-Chips; Zuckerrüben nimmt die Südzucker in Rain ab. Aber der Markt für Spezialfrüchte ist begrenzt und will ganzjährig beschickt werden - eine Herausforderung.
Die Kopolds haben in die Umstellung auf einen Bioland-Betrieb sechsstellig investiert, hauptsächlich in Gerätschaften. Weil sich das Ausbringen von chemischem Pflanzenschutz und Kunstdünger verbietet, wurden bei der Landmaschinenfabrik Treffler in Echsheim Flachgrubber und Striegel beschafft. Neu auf dem Hof ist auch der Farm-Druid. Das ist ein selbstfahrender Feld-Roboter. Er ist GPS-gesteuert, kann säen, hacken und jäten. "Bisher hatten wir Saison-Hilfskräfte, zuletzt sechs Studentinnen aus Deutschland, die das Beikraut per Hand entfernten", erzählt Stephanie Kopold-Keis. Die Arbeit übernimmt jetzt weitgehend der Roboter.

Warum die 48-jährige Mutter dreier Kinder und ihr Mann auf die Bio-Schiene wechselten? Das habe auch etwas damit zu tun, dass man beim Verbraucher besser angesehen ist. "Aber", sagt Claus Kopold, "ausschlaggebend war unsere Entscheidung, weg von der Massenproduktion mit immer mehr Flächenverbrauch hin zur Qualität zu kommen. Da muss jeder Betrieb seinen eigenen Weg finden."
Martin Schmid sieht das genau so: "Landwirte machen nur mehr wenige Prozent der Bevölkerung in Bayern aus, da bringt es uns nicht weiter, darüber zu streiten, ob konventionell oder ökologisch die bessere Methode ist." Der 38-Jährige und seine Frau Stefanie haben beschlossen, ihren Hof künftig biologisch zu bewirtschaften. Die beiden betreiben im Schiltberger Ortsteil Metzenried eine Rindermast mit 60 Bullen und Färsen, seit einem Jahr nach den Vorgaben des Erzeugerverbandes Naturland. Das bedeutet für sie: Ihre Tiere erhalten ausschließlich biologisch angebautes Futter, es gelten Haltungsvorschriften, unter anderem die Möglichkeiten des freien Auslaufs. Der Stall beim Oberbaurn wird demnächst entsprechend umgebaut, die Futtererzeugung hat man schon 2019 umgestellt. Die 18 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und die 15 Hektar Ackerland werden pfluglos bewirtschaftet, auf großen Flächen Kleegras wächst das Grünfutter für die Rinder. Auch Mischfrüchte, Bohnen und Erbsen werden angebaut, der Pflanzenschutz erfolgt mechanisch, sprich: Martin Schmid, sein Vater und seine Frau bekämpfen das Beikraut mit Hacke und Hand. "Jede Einheit macht doppelt so viel Arbeit und bringt den halben Ertrag", zitiert Schmid eine Faustregel der Biobauern. Auch der Erlös der Schlachttiere mache bei weitem nicht den Mehraufwand wett: 4,50 Euro bekommen man für das Kilo Biofleisch, 3,50 für Rinder aus herkömmlicher Haltung.
Jedenfalls reiche alles zusammen nicht für ein Auskommen. Martin Schmid arbeitet weiterhin Vollzeit als promovierter Maschinenbauingenieur bei Krauss-Maffei, seine Gattin, eine gelernte Bankkauffrau, ist derzeit in Erziehungsurlaub. Dass der relativ kleine Metzenrieder Familienbetrieb die aufwändige Umstrukturierung angeht, erklären die Schmids mit: Nachhaltigkeit. Man wolle einen geschlossenen, energieeffizienten Produktionskreislauf auf dem Hof, bei dem der Erhalt gesunder Böden garantiert ist. Was wiederum zum Natur- und Klimaschutz beiträgt.

Von Wolfgang Glas



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Veröffentlicht am 19.02.2021 17:17 Uhr