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"Er wird nicht der letzte sein"

Oberumach/Eurasburg - Was Jäger in den Landkreisen Aichach-Friedberg und Dachau seit Monaten vermuten, hat sich nun bestätigt. Einen Steinwurf von der Grenze zwischen den beiden Landkreisen entfernt hat ein Wolf ein Reh gerissen. Nördlich von Oberumbach in der Gemeinde Pfaffenhofen an der Glonn hatten Spaziergänger den Tierkadaver Mitte Januar entdeckt. Augenscheinlich war das Tier durch einen gezielten Biss in den Hals getötet worden. "Das war heiß", erinnert sich der Jagdpächter von Unterumbach, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. "Ein Hund tötet so nicht", erklärt er. Das hätte er so nicht gelernt. Daher wurde der Fall an das Landesamt für Umwelt (LfU) gemeldet. Weil das Tier im benachbarten Revier Brugger-Süd lag, meldete der dortige Jagdpächter den Fall.


Wolf im Landkreis Dachau
Gekommen, um zu bleiben? Der Wolf ist nun auch im Landkreis Dachau nachgewiesen. Die meisten Jäger vermuten, dass er nur auf der Durchreise war.
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Anke Simon vom "Netzwerk Große Beutegreifer", das für das Wolfsmonitoring in Bayern zuständig ist, nahm wenig später DNA-Proben, die dann im Labor untersucht werden sollten. Nun hat sich herausgestellt: Die Vermutung der Jäger hat sich bewahrheitet. Der Wolf ist jetzt auch im Landkreis Dachau nachweislich unterwegs. Mehr noch: Im vergangenen halben Jahr hätten Jäger im Raum Eurasburg, Adelzhausen und Pfaffenhofen laut Angaben des Jagdpächters immer wieder gerissene Rehe entdeckt. "Wir waren damals so naiv und dachten, das könnten wildernde Hunde sein", führt der Jagdpächter aus. Jetzt vermutet er, dass zumindest ein Wolf oder sogar mehrere in der Gegend aktiv waren und zum Teil immer noch sind. Ein ähnlich zugerichtetes Reh wie bei Oberumbach entdeckten Jäger vor kurzem bei Eismannsberg in der Gemeinde Ried.
Auch unserer Redaktion wurden mehrmals Bilder von gerissenen Rehen, zuletzt im Januar bei Harthausen nahe Friedberg, zugespielt. Die wenigsten Fälle werden allerdings durch das LfU sowie das Netzwerk Große Beutegreifer untersucht - weil die allermeisten gar nicht gemeldet werden, wie Paul Berchtenbreiter erklärt. Der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägerverbands Aichach hat bereits von dem Wolf gehört, der am Rande des Landkreises unterwegs war. Er ist sich, anders als der Jagdpächter von Unterumbach, sicher, dass das Tier bereits weitergezogen ist. "Wenn wir ein Wolfsrudel hätten, würden wir das nach einiger Zeit bemerken", findet Berchtenbreiter. Man würde etwa noch mehr gerissene Tiere entdecken als jetzt. "Ein Wolf braucht viel Nahrung", weiß der Jäger. Die meisten Tierkadaver findet der Waidmann aber nicht, weil sie schnell von anderen Waldbewohnern zerlegt werden oder versteckt sind.
Dass der Wolf allerdings auch in der Region sesshaft werden und ein Rudel gründen könnte, ist für Berchtenbreiter klar. "Der Wolf wird nicht der letzte gewesen sein", sagt er. Auch im Landkreis Aichach-Friedberg würden Wolfsrisse und Sichtungen zunehmen. Es sei nur eine Frage der Zeit. Der Forst, in dem der Wolf jetzt aktiv war, erstreckt sich übrigens von Erdweg im Landkreis Dachau bis nach Kissing. Lücken im Wald gibt es wenige. Einem Rudel würde das reichen, so die einhellige Meinung in der Jägerschaft. Die Nähe zur menschlichen Zivilisation störe das Tier ebenso wenig, macht das LfU deutlich. "Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit können die Wölfe auch in stark von Menschen geprägten Gebieten leben", teilt eine Sprecherin des Amts mit.
Das Szenario eines Wolfsrudels im Landkreis Aichach-Friedberg gefällt nur wenigen Jägern. "Wenn der Wolf da ist, kann man die Jagd erst einmal abhaken", meint Paul Berchtenbreiter. Das Wild werde scheuer und wandere zum Teil sogar ab. Spätestens dann, so die Befürchtung, werde der Wolf auch in landwirtschaftliche Gehöfte einsteigen, zum Leidwesen der eingesperrten Nutztiere.
Welchen Schaden ein Wolf bei ihnen anrichten kann, hat sich im vergangenen Sommer gezeigt, als ein Rüde im Hollenbacher Ortsteil Igenhausen sechs Schafe tötete. Die schwerfälligen Wolllieferanten sind für den Räuber eine leichte Beute - und gerade in der Gemeinde Pfaffenhofen an der Glonn gibt es viele von ihnen.

Von Bastian Brummer



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Veröffentlicht am 22.02.2021 17:24 Uhr