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FCP mit zwei Gesichtern

Eching – Oben hui, unten pfui. Nach diesem Motto scheint der FC Pipinsried in diesen Tagen zu agieren. Gegen Spitzenmannschaften wie den BC Aichach wachsen die Gelb-Blauen über sich hinaus, gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller – wie vor elf Tagen in Schwabmünchen und nun in Eching – tut sich der Dorfklub dagegen schwer. Das Resultat: eine 0:2 (0:0)-Niederlage beim Schlusslicht der Landesliga.


<p>FCP mit zwei Gesichtern </p>

Auffälligster FCP-Akteur in der ersten Hälfte war Spetim Sulimani (links), der von Peter Enckell und Michael Rödl attackiert wird. Ohne den zur Pause verletzt ausgewechselten Mazedonier verlor Pipinsried beim Schlusslicht Eching mit 0:2. Foto: Horst Kramer


Wobei der Tabellenletzte eigentlich kopflos dastand. Vor Wochenfrist hatte sein Coach Ivo Bacic das Handtuch geworfen. Abteilungsleiter Marcus Heiss nahm kurzfristig die Trainingszügel in die Hand. Mit offensichtlichem Erfolg. „Ich hatte auf eine Trotzreaktion gehofft,“ verriet der Aushilfscoach nach dem Schlusspfiff. Besonders in der zweiten Hälfte hätte sich diese Hoffnung erfüllt, fuhr Heiss fort, „deswegen haben wir verdient gewonnen“.

So weit, so richtig. Doch in den ersten 45 Minuten lagen die Vorteile durchaus auf Pipinsrieder Seite. Die Gelb-Blauen (erstmals ganz in Gelb) waren zu Anfang aggressiver, sie bedrängten die Schwarz-Weiß-Gestreiften schon in deren Hälfte. Mit dem Ergebnis, dass die „Zebras“ kaum zu einem geordneten Angriff fanden. Doch die Baumgärtner-Truppe verpasste den Abschluss, hatte auch Pech: Als Michael Funk im Echinger Strafraum zu Fall kam, forderte der FCP-Anhang vergeblich einen Penalty (17.). Trotzdem: Das Mittelfeld war zu diesem Zeitpunkt Pipinsrieds Terrain. Auffälligster Akteur war dort Spetim Sulimani. Schnell, wie der 21-Jährige ist, wurde er gleich mehrfach hart von den Beinen geholt. Vincenzo Potenza erntete nach einer Aktion am Seitenaus eine „dunkelgelbe“ Karte (34.): Der Italiener hatte den kleinen Mazedonier derart schlimm erwischt, dass der nach der Pause nicht mehr auflaufen konnte – eine klare Schwächung der „Gelben“.

Arthur Kubica ersetzte Sulimani zur Halbzeit. Oder eigentlich nicht. Der Heimstetter Neuzugang wirkt noch wie ein Fremdkörper, hatte kaum Aktionen. Die Folge: Erst Funk, später auch der eingewechselte Michael Holzhammer hingen in der Luft. Die Echinger dagegen hatten Lunte gerochen: Vorne beschäftigte Fabijan Hrgota die (wieder einmal neu formierte) FCP-Verteidigung fast im Alleingang. Zum Beispiel in der 54. Minute: Der Torjäger drang in den Strafraum ein, Dominik Sandner – ansonsten der beste Pipinsrieder Akteur an diesem Tag – stellte sich dem 34-Jährigen in den Weg, der Routinier fiel. Echings Kapitän Janis Hoffmann verwandelte den folgenden Elfmeter zum 1:0, 55.).

Die „Gelben“ liefen nun dem Rückstand hinterher, ohne allerdings wirkliche Akzente zu setzen. Auch ihr dritter Wechsel verpuffte: Mittelfeldmann Taner Yürükgeldi ersetzte Dominik Schön (74.), der nur in der ersten Halbzeit Gefahr ausgestrahlt hatte. Es fehlte ein Joker. Yilmaz Kinaci ist zwar aus dem Urlaub zurück, wurde aber von den Trainern nicht nominiert.

Die Gastgeber verlegten sich nun ganz aufs Kontern. Johannes Steiner hatte alle Mühe, sein Team im Spiel zu halten (70., 78.). Großes Glück hatte er, als Hrgota einen verunglückten Abschlag des Keepers neben den Pfosten setzte (81.). In der Nachspielzeit machte Niklas Hoffmann dem Treiben ein Ende (2:0, 90.+6.).

Die Echinger freuten sich wie die Schneekönige über ihren ersten Saison-„Dreier“. Auf Pipinsrieder Seite regierte Ratlosigkeit. „Wir haben nie zu unserem Spiel gefunden“, schüttelte ein paralysierter Spielertrainer Roland Baumgärtner den Kopf. Echings Heiß wusste warum: „Heute haben wir die Zweikämpfe angenommen und gewonnen.“ Schon zu Wochenanfang will er übrigens einen Nachfolger für Babic präsentieren. FCP-Präsident Konrad Höß war von der Leistung seiner Mannen „maßlos enttäuscht, heute hat bei uns alles gefehlt, was ein Fußballspiel ausmacht“, fuhr er fort. Die Mannschaft hätte zwei Gesichter. „Nach jeder Niederlage gibt es bei uns Diskussionen“, prophezeite sein Spielertrainer. Er dürfte richtig liegen. Man darf gespannt sein.

TSV Eching: Heep – Brand, Potenza, Schulz, Edlböck – Sauer (87. Deutschmeyer), J. Hoffmann, Rödl, Mayer (88. N. Hoffmann) – Hrgota, Enckell (90.+3 Sulzberger).

FC Pipinsried: Steiner – Baumgärtner, Hanusch, Weiser, Adrianowytsch, Finkenzeller – Horky, Sandner – Schön (74. Yürükgeldi), Sulimani (46. Kubica), Beqiri (64. Holzhammer) – Funk.

Schiedsrichter: Freund (Perlesreut).

Zuschauer: 120.

Tore: 1:0 Janis Hoffmann (55., Foulelfmeter), 2:0 Niklas Hoffmann (90.+6).

Gelbe Karten: Potenza – Sandner.

Von Horst Kramer



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Veröffentlicht am 28.08.2011 20:49 Uhr