Adelzhausen    

70 Erntehelfer in Quarantäne

Aichach/Adelzhausen - Die Covid-19-Pandemie scheint auch im Wittelsbacher Land Fahrt aufzunehmen. Das Gesundheitsamt in Aichach hat alle 70 Erntehelfer auf einem Obsthof nahe Adelzhausen in Quarantäne geschickt. Anlass war die Infektion eines Erntehelfers, verbunden mit der Schwierigkeit, Infektionsketten nicht vernünftig rekonstruieren zu können. "Unzureichend" sei das Hygienekonzept auf dem Hof gewesen, wie Landkreissprecher Wolfgang Müller gestern erklärte. Der Erntehelfer ist verpflichtet, bei der Einreise einen Test durchführen zu lassen, sollte sich aber bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses in Quarantäne begeben. Das ist hier offenbar nicht passiert.


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Alle Mitarbeiter eines Obsthofs nahe Adelzhausen werden nun getestet, 70 Erntehelfer stehen unter Quarantäne, "vorsorglich", wie das Landratsamt auf Nachfrage betont. Archivfoto: Carina Lautenbacher


Bis nach Mitternacht seien Vertreter des Landratsamts am Freitag auf dem Hof gewesen, um die Lage zu beurteilen. Auf die Frage, was ein "unzureichendes" Konzept sei, erklärte Müller: "Wenn ich nicht klar zuordnen kann, wer mit wem welche Art von Kontakt hatte, ist es sinnvoll, alle potenziellen Kontaktpersonen in Quarantäne zu schicken", auch wenn die Erfahrung zeige, dass in den meisten Fällen nur sehr wenige der potenziellen Kontaktpersonen später auch positiv auf das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 getestet wurden.
Wie der Betrieb auf dem Obsthof nun weitergeht, ließ sich gestern bis Redaktionsschluss nicht klären, auch der Inhaber war für eine telefonische Stellungnahme nicht zu erreichen. Klar ist aber, dass alle Mitarbeiter des Hofes nun getestet werden. Das Ergebnis der Testungen könnte Auswirkungen auf den sogenannten Sieben-Tage-Inzidenzwert haben. Der lag in Aichach-Friedberg gestern um 8 Uhr bei 30,45, die offizielle Zahl der positiv getesteten Personen im Landkreis seit Beginn der Pandemie bei 546.
Anders stellt sich die Lage im Landkreis Dachau dar. Dort sei die Zahl der Neuinfektionen seit dem Wochenende "deutlich" gestiegen, wie Landkreissprecher Wolfgang Reichelt gestern bekanntgab. Der Inzidenzwert lag gestern gegen 16.30 Uhr bei 41,59 und damit deutlich über der durch die Staatsregierung als "Warnwert" ausgemachte Marke von 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Ab 50 gilt eine Region als Risikogebiet. An der Teststation in Markt Indersdorf wurden am Wochenende 690 Personen auf SARS-CoV-2 getestet. Bei 25 fiel das Ergebnis positiv aus. Landrat Stefan Löwl hat daher umgehend den Coronastab zu einem Treffen am morgigen Mittwoch ins Landratsamt einbestellt. Bereits gestern gab Wolfgang Reichelt bekannt, dass derzeit eine Allgemeinverfügung ausgearbeitet werde, die ab Mittwoch gelten soll und erhebliche Einschränkungen im privaten und öffentlichen Raum nach sich ziehe. So soll etwa die Teilnehmerzahl privater Feiern auf 25 in geschlossenen Räumen und auf 50 Teilnehmer im Freien begrenzt werden. Löwl appellierte an die Vernunft der Bürger und behauptete, dass nicht "alles was erlaubt ist, auch sinnvoll" sei. Das Landratsamt lobte in diesem Zusammenhang die Absage zweier Veranstaltungen, des Marktsonntags in Petershausen sowie der Abschlussveranstaltung eines Biodiversitätsprojekts des Vereins Dachauer Moos. Es gehe darum, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Seit Beginn der Pandemie wurden im Landkreis Dachau 1334 Personen positiv getestet, das sind 0,8 Prozent der Bevölkerung. Als genesen gelten 1217 von ihnen. 27 Landkreisbürger sind im Zusammenhang mit einer Infektion verstorben.

Etwas anders sehen die Zahlen im Landkreis Aichach-Friedberg aus. Dort wurden bisher 546 Personen, also 0,4 Prozent der Einwohner, positiv getestet, 20 sind verstorben.
An der Affinger Realschule wurden übrigens keine neuen Fälle registriert. Dort war Mitte vergangener Woche bei einem Schüler eine Covid-19-Infektion festgestellt worden. Elf Klassenkameraden und zwei Lehrkräfte wurden negativ getestet. Die Quarantäne dauert an. An der Grundschule in Schiltberg wurden drei neue Fälle registriert. Nachdem ein Zweitklässler am Donnerstag positiv getestet worden war, hatte das Gesundheitsamt für 16 weitere Schüler Quarantäne angeordnet und Tests durchgeführt. Wo sich die drei positiv getesteten Schüler angesteckt haben, ist unklar.

Weil vergangene Woche vier Schüler positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet wurden, müssen die Schüler des Schrobenhausener Gymnasiums seit gestern daheim lernen. Zunächst für eine Woche bleibt die Schule geschlossen, 21 Lehrer befinden sich aktuell in Quarantäne. 

Von Bastian Brummer



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Veröffentlicht am 12.10.2020 17:09 Uhr



 
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