Aichach    

Friedliche Demo in Aichach

Aichach - Die Demonstration von "Querdenken 821" auf dem Aichacher Volksfestplatz am Samstag ist friedlich verlaufen. Das bestätigte Rainer Pabst, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben-Nord am Rande der Veranstaltung. Die Teilnehmerzahl war auf 1000 beschränkt, von gut 800 Teilnehmern sprach der Polizist. Etwa 30 Leute protestierten lautstark gegen die Querdenken-Demonstration. Ihre Kritik: Kaum Aichacher waren unter den "Querdenkern".


Querdenker in Aichach
Ein seltener Anblick: Über 800 Menschen nahmen an der Demonstration von "Querdenken" in Aichach teil.
Bastian Brummer

Die Zusammenarbeit zwischen dem Veranstalter und der Polizei wurde beiderseits und mehrmals gelobt. Bei bestem Wetter hatten sich Menschen aller Altersgruppen unter den Eichen auf dem ehemaligen Exerzierplatz an der Schrobenhausener Straße eingefunden - vom aufwendig als Tod oder Narr verkleideten Demonstranten bis zur Trommelgruppe. Einige forderten mehr Solidarität, etwa mit dem kürzlich versetzten Aichacher Gesundheitsamtsleiter Dr. Friedrich Pürner. Der war wegen seiner Kritik an manchen staatlichen Anti-Corona-Maßnahmen aus Aichach abberufen worden. Manche Demonstranten sehen darin offensichtlich die Meinungsfreiheit bedroht.

Von "jeder Art des Extremismus" wollten sich die Veranstalter distanzieren. "Wir möchten einen fachlichen und friedlichen Diskurs", sagte die Verantwortliche Michaela Königsberger und forderte auch Aichach-Friedbergs Landrat Dr. Klaus Metzger auf, auf die Bühne zu kommen. Diesen Aufruf müsse er nicht ernst nehmen, erklärte Metzger später im Gespräch mit unserer Zeitung schmunzelnd. Offenbar sah er darin eine Provokation seitens der Veranstalter. "Gottlob waren kaum Aichacher hier", meinte der Landrat. Viele der Demonstranten waren aus dem Nachbarlandkreis Augsburg-Land oder von weiter weg angereist.

 

Die Demonstration wurde von Redebeiträgen dominiert. Auf der Bühne stand etwa der in vielen Medienberichten als umstritten bezeichnete Kauferinger Homöpath Dr. Rolf Kron. Im Internet kursieren Bilder von ihm, auf denen er den Hitlergruß zeigt. Vom Vorwurf des Rechtsextremismus distanzierte er sich auf dem Volksfestplatz allerdings. Er sei unpolitisch, hätte bisher sogar "Grün gewählt". Vielmehr warb er für eine kritische Auseinandersetzung mit den aktuellen Anti-Corona-Maßnahmen des Freistaats, teilweise sogar für deren radikale Ablehnung - aus Angst, der "totalen Überwachung", die er kommen sieht, Vorschub zu leisten. Für Überraschung sorgte der Auftritt von Dieter Gessler. Er ist der Leiter des AWO-Heims in Aichach, in dem Anfang des Jahres 17 Bewohner im Zusammenhang mit einer Sars-CoV-2-Infektion verstorben sind. Auf der Bühne sprach er sich gegen "Panikmache" seitens der Politik aus, wie er sagte. Vertreter der Politik, darunter Landrat Metzger, konnten nicht verstehen, wieso Gessler auf der Bühne stand. Landratsstellvertreter Manfred Losinger meinte sogar: "Jetzt verstehe ich die Welt nicht mehr."

 

Von jedem Vorwurf des Extremismus und der Verbreitung von Verschwörungstheorien distanzierten sich auch weitere Teilnehmer der Demo - oder stille Beobachter. Herbert Quis aus dem Landkreis Augsburg etwa könne viele Maßnahmen verstehen und setze diese auch um. "Nicht alles ist falsch, aber vieles einfach widersinnig", meinte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Der pensionierte Beamte hat bereits für die Grünen kandidiert und gegen Atomkraft demonstriert, wie er erzählt - die Causa Pürner hätte ihn allerdings zum Nachdenken gebracht. "Andere fachliche Meinungen müssen gehört werden", sagte er.

 

Gegen einen Diskurs spreche übrigens auch seitens der Gegendemonstranten nichts. Für herbe Kritik an der Veranstaltung hatte ihrerseits allerdings gesorgt, dass kaum Aichacher dem Protest beiwohnten. Aichach sei bunt und vielfältig und dürfe nicht als Zentrum für Corona-Leugner missbraucht werden, wie ein Gegendemonstrant sagte. Der Protest werde von außen in die Paarstadt getragen. Dass das nicht im Sinne der Mehrzahl der Aichacher sei, wollten die knapp 30 Gegendemonstranten zeigen.
Die Demonstranten waren angehalten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, der Großteil von ihnen kam dieser Anordnung nach. Verstöße gegen diese Auflage bewegen sich laut Polizeibericht im niederen zweistelligen Bereich.

 

Von Bastian Brummer



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Veröffentlicht am 14.11.2020 18:38 Uhr