Aichach    

Echte Aichacher Kerndl

Hollenbach/Aichach - Millionen glänzender, dunkelgrüner Kerne trocknen derzeit in Inchenhofen. Sie kommen aus dem Altlandkreis Aichach, von Feldern, die acht Bioland-Bauern bewirtschaften. Die Landwirte haben die steirischen Ölkürbisse gesät, gepflegt und geerntet. Die Reise der Kerne wird weitergehen zu (Bio-)Bäckereien im weiteren Umland; andere werden zu Snack-Ware veredelt, den Lechtaler Kürbiskernen aus Rehling; und wieder andere werden in Franken zu Öl gepresst. Bis zur Auslieferung liegt die Wertschöpfung im Aichacher Land. Um das zu erreichen und weiter zu verfolgen, haben sich im vergangenen Jahr größere und kleinere Bioland-Betriebe zur Bio-Kürbiskern Anbaugemeinschaft Aichacher Land zusammengeschlossen.


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Michael Gschoßmann schiebt die Kürbisse in ordentliche Reihen zusammen. Dabei löst sich die Frucht vom Kraut.


Erfolgreich, sagen der Kopf der Anbaugemeinschaft, Georg Strobl aus Unterach, sowie Hans Sedlmeir aus Hollenbach, einer der Kürbisanbauer, und die Projektmanagerin der Ökomodellregion Paartal, Kathrin Seidel.
Seidel bezeichnet die Anbaugemeinschaft und ihre Mitglieder als "vorbildlich" und "beispielhaft". Viel Unterstützung habe sie nicht geben müssen, denn die Anbaugemeinschaft sei recht selbstständig entstanden.
Georg Strobl erzählt, angefangen habe mit dem Kürbisanbau im Aichacher Land Anton Lohner aus Inchenhofen, "auf konventioneller Schiene". Er ist auch heute noch Partner und Dienstleister der Anbaugemeinschaft. Bei ihm trocknen die Kerne, die zuvor unter anderem auch von seinem Lohnunternehmen geerntet werden. Johanna Strobl, die Tochter von Georg Strobl, fährt für das landwirtschaftliche Unternehmen mit dem Roder über die Kürbisfelder der Umgebung.
Peter Schmid aus Walchshofen habe es dann Anton Lohner "nachgemacht, auf ökologischer Schiene". Der habe seine Kerndl auch selber vermarktet, die Sache lief gut und wuchs immer mehr, so Strobl, der meint: "Unser südbayerisches Klima und unsere milden Böden eignen sich für den Kürbis recht gut." Weil dieses Gemüse aber spezielles Know-how und bestimmte Maschinen braucht, weil viel Pionierarbeit dahinter steckt und der Kürbisanbau aufwendig ist, "ist die Gemeinschaft wichtig". Darin sind sich Strobl und Sedlmeir einig. "Einer allein kann das so gar nicht machen", sagt Sedlmeir.


Von Ines Speck


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Viele, viele Kürbiskerne: Glänzend, groß, dunkelgrün und noch ein wenig "schlotzig" vom Fruchtfleisch warten sie auf ihren Abtransport. In einem nächsten Schritt werden sie gewaschen. Ganz vorsichtig, denn die kleinen Kerne sind sehr verletzlich.


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Was aussieht wie ein Kürbismassaker, ist eine ausgetüftelte Erntetechnik. Der Roder spießt die Kürbisse auf, sie landen in einer Art Wäschetrommel, wo Kerne und Fruchtfleisch getrennt werden. Letzteres landet wieder auf dem Feld und dient als Dünger.



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Veröffentlicht am 15.10.2020 17:50 Uhr



 
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