Aichach    

Waldbauern kämpfen mit dem Borkenkäfer

Gebenhofen/Aichach - Es war vorauszusehen: Das äußerst trockene Jahr 2018 war der ideale Wegbereiter für eine Borkenkäferplage. 4,5 Millionen Festmeter Fichten-Schadholz produzierte das kleine, unscheinbare Käferchen im vergangenen Jahr allein in Bayern, und heuer legte es gleich zu Vegetationsbeginn furios los. Die Käferfallen im Derchinger Forst zeigten schon im April Rekordzahlen, was sich in den Folgemonaten noch fortsetzte. In diesen Tagen schwärmt die erste Nachwuchsgeneration des auch Buchdrucker genannten Käfers aus.


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Hier sind schon Fichtenstämme geschlagen worden, aber der Borkenkäfer macht rasant weiter, wie Förster Rolf Banholzer bei einem Rundgang in einem Waldstück bei Gebenhofen erklärte. Die rasante Ausbreitung stellt die Waldbauern in der Region vor Probleme. Foto: Martin Golling


Waren die Appelle an die Waldbesitzer schon in den letzten Jahren eindringlich, nun scheinen sie so notwendig wie nie. "Es hilft nur die Schnelligkeit. Kontrolliert eure Bestände wöchentlich, und schneidet heraus", rief nicht nur Peter Erhard, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Aichach, bei einer Begehung im Forst in der Nähe des Affinger Ortsteils Gebenhofen die Waldbauern auf. Der Bestand dort ist beim ersten Eindruck unverdächtig. Doch selbst gesund scheinende Bäume haben mittlerweile Probleme, die Flut der Käfer abzuwehren. Bohrmehl auf den Wurzelansätzen und Harztropfen den gesamten Stamm hinauf zeugen von den Angriffswellen der Buchdruckermännchen. Sie sind es, die ihr Leben riskieren, um sogenannte Rammelkammern anzulegen, von wo aus die Weibchen ihre senkrechten Brutgänge ins Kambium fressen, um darin ihre Eier abzulegen. Die Maden bohren dann waagerecht weiter. Ein Weibchen kann so bis zum Ende der Vegetationsperiode bis zu 100 000 Nachkommen zustande bringen. "500 davon reichen, eine vitale Fichte zu töten", schloss Ralph Gang vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten seinen Kurzvortrag ab.
Die Fichte, um die rund 20 Waldbesitzer standen, trug einen roten Punkt und ein Fragezeichen. Förster Rolf Banholzer hatte den Baum vor einer Woche so markiert. "Da war noch fraglich, ob es sich um einen Befall handelt, heute ist das der klassische Käferbaum", nickte Ralph Gang.
Draußen vor dem Wald lagen schon etliche Stämme. Der Waldbesitzer dachte, nun könne Ruhe im Bestand einkehren, doch der Käfer ist einfach zu präsent. "Ich hätte da eine klare Linie gezogen und alle Stämme in dem Bereich geschlagen. So kann ich sie noch als Frischholz vermarkten, später sind sie verblaut und als Käferholz nur noch die Hälfte wert", erklärte Peter Erhard. Das bedeutet, dass für den Festmeter unter 30 Euro bezahlt werden. Für Kleinwaldbesitzer eine große Belastung, wenn sie für eine professionelle Käferholzbeseitigung auch noch draufzahlen müssen. Peter Erhard sah dennoch keine Alternativen zur Käferbekämpfung: "Haltet den Käfer unter Kontrolle, bis der Preis für unser Holz wieder im dreistelligen Bereich liegt."

Von Marin Golling


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Veröffentlicht am 28.10.2019 22:00 Uhr




 

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