Augsburg    

Endlich Taubenfrieden am Schwabencenter?

Augsburg - Neugierig zieht ein grauer Vogel seine Kreise um den hölzernen Turm. An der Futterstelle flattert ein Schwarm seiner Artgenossen hektisch umher. Alle seine Mitglieder möchten etwas abbekommen, wie in einer abstrusen Choreographie wechseln sie hastig die Positionen. Als die Menge der Zuschauer unter ihnen anwächst, fliegen die Tauben aufgeschreckt und lautstark in Richtung Schwabencenter davon.

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Augsburg - Neugierig zieht ein grauer Vogel seine Kreise um den hölzernen Turm. An der Futterstelle flattert ein Schwarm seiner Artgenossen hektisch umher. Alle seine Mitglieder möchten etwas abbekommen, wie in einer abstrusen Choreographie wechseln sie hastig die Positionen. Als die Menge der Zuschauer unter ihnen anwächst, fliegen die Tauben aufgeschreckt und lautstark in Richtung Schwabencenter davon.
Der Schwarm unter dem Turm ist menschlicher Natur und besteht aus einer Delegation der Stadt Augsburg und zahlreichen Pressevertretern. Sie wollen den neuen Taubenschlag am Schwabencenter begutachten. Jenen Ort, der nun taubenleer ist - und gleichzeitig so wichtig für die Bewohner der drei Hochhäuser. Denn im Herrenbachviertel sorgt seit Jahren eine Taubenplage für Ärger und Kosten. Gerüchten zufolge sind gar schon Schüsse von Balkonen in Richtung der flatternden Plagegeister abgegeben worden. So oder so, der achteinhalb Meter hohe Lösungsversuch der Stadt Augsburg soll Frieden stiften: ein Taubenturm in der Grünanlage am Alten Heuweg.
Weil Tauben standorttreu seien und sich derzeit vor allem in der Nähe der Grünanlage aufhielten, "ist der Standort des Taubenturms ideal", hebt Reiner Erben, Augsburgs Umweltreferent, hervor und stellt stolz fest, dass das 67 000 Euro teure Bauwerk ein "Markenprodukt der Stadt Augsburg" sei. Er hat die Hoffnung, dass weitere Städte dem "Augsburger Modell" nacheifern werden. Die jährlichen Unterhaltskosten belaufen sich auf 25 000 Euro. Der hölzerne Turm geht mit seiner Ansprache offiziell in Betrieb und wird vom Augsburger Tierschutzverein betreut. Ein baugleicher Turm steht seit zehn Jahren in Göggingen. Die Tierschützer berichten von positiven Erfahrungen.
Dieser Ansatz soll verhindern, dass Tauben qualvoll und teuer gejagt oder von Anwohnern vergiftet werden. Die "Initiative gegen Tierversuche und Ausbeutung der Tiere Augsburg" setze im Gegensatz dazu auf ein nachhaltiges und tierfreundliches Konzept, um die Taubenpopulation in den Griff zu bekommen. Gemeinsam mit dem Umweltreferat entwickelte sie deshalb das "Augsburger Modell". Seit 1997 entstanden dadurch bisher zwölf ehrenamtlich betreute Taubenschläge, die sich nach diesem Modell richten. Weil die Vögel die meiste Zeit im Schlag verbringen, werde die Belastung durch Kot enorm verringert. Tauben können in den Nistzellen ihre Eier legen, die anschließend durch Attrappen ersetzt werden. Für einen gesunden Bestand sorgen frisches Wasser, artgerechtes Futter, die regelmäßige Reinigung der Schläge sowie die medizinische Versorgung kranker oder verletzter Tiere.
Von Patrick Bruckner
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Veröffentlicht am 26.03.2018 10:05 Uhr




 

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