Sielenbach    

Bauen statt reden

Sielenbach - Vom Reden ist noch nie etwas besser geworden. Sielenbach tut es deswegen einfach: Keine 15 Minuten brauchte der Gemeinderat am Mittwochabend, um den Bau von Sozialwohnungen zu beschließen. Am Breitwiesenweg wird die Kommune ein Sechsfamilienhaus errichten.


"Jeder weiß aus der Zeitung, wie dringend Wohnraum für sozial Schwächere gebraucht wird, wir Bürgermeister werden unentwegt vom Landratsamt darauf aufmerksam gemacht, und den geeigneten Platz haben wir auch." Mit diesen Eingangssätzen von Bürgermeister Martin Echter war im Wesentlichen auch schon alles gesagt. Dabei hat die kleine Gemeinde bereits 16 Sozialwohnungen.
Sie befinden sich im ehemaligen Lehrerwohnhaus in Tödtenried, im neuen Rathaus und in dem Sechs-Familien-Haus im Breitwiesenweg, neben dem nun ein zweites solches Gebäude errichtet werden soll. Die Wohnungen seien in Top-Zustand, sodass hierfür aktuell keine weiteren Ausgaben nötig sind.
Den Bau von Sozialwohnungen kann man mit der Kreis-Wohnbaugesellschaft zum Beispiel in einem Erbbau-Verfahren durchführen. "Aber wir können uns das selbst leisten, und es gibt bis zu 30 Prozent Zuschuss", sagte Martin Echter, der nicht nur als Bürgermeister, sondern durch seine frühere Arbeit im Altomünsterer Bauamt ohnehin ein Experte in Bauangelegenheiten ist. Er rannte sowieso nur offene Türen ein. "Das finde ich ganz wichtig", sagte Rosi Lutz über den Sozialwohnungsbau. "Wir sind da in der Verantwortung", pflichtete Horst Pappenberger bei, und Josef Strasser wollte das "so schnell wie möglich" umsetzen.
Wenn dieses Beispiel Schule machen würde, kämen auf den Landkreis entspanntere Zeiten zu. Max Rössle, Geschäftsführer der Kreis-Wohnbaugesellschaft und der Aichacher Baugenossenschaft, rechnet mit einem Bedarf von etwa 800 Sozialwohnungen im Wittelsbacher Land - dabei haben diese beiden Gesellschaften schon über 730 Wohnungen. Die Bedarfszahlen setzen sich aus verschiedenen Werten zusammen. Allein bei der Kreis-Wohnbau stehen derzeit etwa 300 Menschen auf der Warteliste. In Friedberg sind es noch einmal so viele. Im Landratsamt haben sich 285 Menschen auf die Warteliste für eine Sozialwohnung setzen lassen, berichtet Pressesprecherin Teresa Wörle. Wobei einige sich vermutlich auf mehrere Wartelisten haben setzen lassen. Und eine weitere Zahl muss berücksichtigt werden: 400 Menschen, deren Anspruch auf Asyl bewilligt worden ist, wohnen noch in den Unterkünften des Landkreises, müssten aber bereits in eigene Wohnungen gezogen sein. Außerdem sind die Wohnungen, die heute beschlossen werden, ja noch lange nicht bezugsfertig. In Mering wird gerade an 23 Wohnungen gebaut. Zwei weitere Projekte mit insgesamt gut 20 Wohnungen könnten ebenfalls in Mering realisiert werden, wenn der Gemeinderat noch zustimmt. Angesichts des Bedarfs von etwa 800 Wohnungen klingen diese Zahlen klein. Rechnet man Sielenbach zu den Meringer Wohnungen hinzu, sind es aber schon 50 - Kleinvieh macht eben auch Mist. Wenn in Affing und Aindling die Vorgespräche Früchte tragen, kämen weitere Wohnungen hinzu. In Affing steht eine Nutzung der Gemeindehäuser in Haunswies, Anwalting und Mühlhausen in der Diskussion, in Aindling wurde über ein Grundstück gesprochen. In Aichach hat Bürgermeister Klaus Habermann das Grundstück beim Hit-Markt ins Gespräch gebracht. Ob das politisch durchsetzbar ist, ist aber offen.
Dabei wurde in Sielenbach ein wichtiger Aspekt thematisiert: Kommunen bauen Sozialwohnungen nicht für Fremde. "Es kann sich auch bei uns nicht jeder ein Grundstück kaufen und ein Haus bauen", sagte Gemeinderätin Rosi Lutz. Deswegen ist man nicht gleich auf eine Sozialwohnung angewiesen. Es war aber trotzdem einer der Gründe, aus denen das Gremium an dem Abend noch einem weiteren Bebauungsplan mit einem hohen Anteil an Mietobjekten zustimmte (siehe Seite 19). "Wir sind in der Verantwortung."

Von Carina Lautenbacher


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Veröffentlicht am 15.09.2016 23:00 Uhr




 

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