Petersdorf    

Petersdorf bleibt offline

Petersdorf – Petersdorf und die teils nicht mit Breitband versorgten Ortsteile bleiben vorerst offline. Denn auch ein erneutes Markterkundungs- und Auswahlverfahren brachte keine „berauschenden“ (Bürgermeister Johann Settele) Angebote. Trotz Vorgesprächen hatte die Telekom nicht abgegeben und auch ein Angebot für eine Lösung ähnlich wie sie nun in Pöttmes in Angriff genommen wird, blieb aus.

Die ganze Gemeinde ist breitbandtechnisch unterversorgt. Überhaupt kein Anschluss ist derzeit in Gebersdorf, Schönleiten und in Teilen von Alsmoos und Hohenried möglich. Zwei der vier Firmen, die sich beworben hatten, bieten in etwa dieselbe Technik an, wie die Firma MVox, mit der bereits ein Vertrag unterschrieben war, die aber ihre versprochenen Leistungen nicht einhalten konnte. Die für die Gemeinde anfallenden Kosten variierten bei den neuen Angeboten enorm und lagen zwischen 17 000 Euro und 116 000 Euro.

Für 109 000 Euro könnte Petersdorf mit Satelliten-DSL ausgerüstet werden – allerdings garantiert diese Firma nur eine Leistung bis zwei Mbit/s. Günstiger wäre da noch eine Funk-lösung. Diese würde der Gemeinde laut Angebot 12 000 Euro kosten, allerdings musste der Endkunde tief in die Tasche greifen: die Einrichtungskosten liegen bei 500 Euro.

Patrik Schwarz und Gabi Emmerling, zwei Gemeindebürger, die sich mit dem Thema auskennen, rieten den Gemeinderäten ab: „Das bringt uns keinen Schritt weiter“, meinten sie. Gabi Emmerling warb für eine nachhaltige Lösung: „Der Bedarf verdoppelt sich innerhalb von 18 Monaten, eine Notlösung von heute ist in fünf Jahren überholt. Zukunft heißt für mich aber 20 Jahre.“ Schwarz regte an, zu versuchen, die Erdarbeiten für Glasfaserkabel selbst zu erledigen – die machten schließlich den Löwenanteil der Kosten aus. Das bestätigte auch Settele. Auf Asphalt koste die Verlegung von einem Kilometer Kabel 50 000 Euro, auf unbefestigten Wegen 30 000. „Aber bis zum Hauptverteiler in Aindling sind es fast fünf Kilometer. Und das Glasfaserkabel, das am Gewerbegebiet vorbeiläuft, dürfen wir nicht anzapfen“, so Settele.

Um dennoch auf einen grünen Zweig zu kommen, wurde der bereits mehrfach von Stephan End eingebrachte Vorschlag aufgegriffen, einen Arbeitskreis, in dem die Fachkompetenz der Bürger gebündelt werde, zu gründen. Er, Richard Brander und Markus Ehm erklärten sich als Gemeinderäte dafür bereit. Mithelfen sollen aber vor allem die Bürger: „Wir müssen wissen, was ist uns DSL wert, wie wichtig wird es künftig sein? Es ist höchste Zeit, aktiv zu werden“, meinte Brandner. Interessierte können sich bei Bürgermeister Johann Settele melden.

Auch wenn vorerst keine passende Lösung für Petersdorf und die weiteren VG-Gemeinden in Sicht ist, gib es doch einen Lichtblick: In einigen Monaten soll die so genannte LTE-Technik kommen. Dabei werden die vorhandenen UMTS-Installationen genutzt. Die Lizenzen für die Frequenzen wurden im Mai von der Bundesnetzagentur unter der Auflage, zuerst unterversorgte Gebiete zu erschließen, verkauft. Laut Settele seien sowohl die Datenraten als auch die Konditionen bei Vodavone und Telekom, die diesen Dienst anbieten werden, mit Breitband vergleichbar. Die Gemeinde muss sich nicht beteiligen. Ein Vorstoß von Franz Plöckl, den Bürgern zu erlauben, Splitt aus den Streukästen der Gemeinde auch Mal für den eigenen Gehweg nutzen zu dürfen, wurde gegen drei Stimmen abgelehnt. Settele fand, dann müsse man überall und nicht nur an den kniffligen Hanglagen Kästen aufstellen und am Ende sei für die Straße nichts mehr da. So sahen es auch die meisten: Alles bleibt wie bisher, der Splitt der Gemeinde ist nur für die Straße zu verwenden.

Settele lud die Räte zur Jahresabschlusssitzung ein: „Vielleicht wird ja nächstes Jahr auch die Stimmung wieder besser“.

Von Verena Golling



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Veröffentlicht am 14.12.2010 16:48 Uhr




 

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