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Tina Rupprecht greift nach dem WM-Gürtel

Aichach - "Alles ist bestens", sagt Tina Rupprecht. Die Augsburgerin wirkt am Telefon ziemlich aufgeräumt, obwohl die Anspannung von Tag zu Tag steigt. An diesem Samstag steht der bisherige Höhepunkt ihrer Karriere als Profi-Boxerin an. Im Rahmen von Petko's Fight Night (Beginn 18 Uhr, Sport 1 überträgt fünf Stunden) kämpft Tina Rupprecht im BallhausForum des Infinity Munich Hotels in Unterschleißheim gegen die Costaricanerin Yakosta Valle um die vakante Weltmeisterschaft des World Boxing Council (WBC) im Minimumgewicht (bis 47,6 Kilo).

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Die Vorbereitung sei "so gut wie abgeschlossen", sagt Tina Rupprecht am Mittwochmittag. In dieser Woche gehe es nur noch um lockere Übungen und Feinarbeit mit ihrem Trainer Alexander Haan. Als Sparringspartnerinnen hatte die 25-Jährige in den vergangenen Wochen zwei Weltmeisterinnen. Die Wienerin Eva Voraberger, mit der sie befreundet ist, kam nach Augsburg in den Boxclub Haan, und um mit Raja Amasheh, einer Deutschen mit jordanischen Wurzeln, im Ring zu stehen, fuhr Tina Rupprecht nach Karlsruhe. Die beiden globalen Champions sollten den Boxstil Yakosta Valles kopieren. Valle, auch 25 Jahre alt und in Costa Ricas Hauptstadt San José zu Hause, ist ebenfalls Linksauslegerin, aber mit 1,63 Metern elf Zentimeter größer als die angehende Grundschullehrerin und somit auch in der Reichweite im Vorteil. "Dass die Gegnerin größer als ich, ist nichts Neues für mich", sagt Tina Rupprecht und lacht. Wegen ihrer 152 Zentimeter trägt sie den Kampfnamen "Tiny Tina" (winzige Tina).
Zusammen mit ihrem Trainer hat Tina Rupprecht sämtliche Videos studiert, die sie von der Mittelamerikanerin kriegen konnte. "Yakosta ist technisch stark, kann mit hohem Tempo zehn Runden gehen", hat sie aus dem Filmmaterial unter anderem herausgefiltert. Valle spielte früher Volleyball, mit 18 kam sie zum Boxen, inzwischen hat sie 14 Profikämpfe bestritten, 13 davon gewonnen, sechs vorzeitig. Die einzige Niederlage bezog sie in einem WM-Kampf gegen die Japanerin Naoko Fujioka, allerdings eine Gewichtsklasse höher. Yakosta Valle hat Tina Rupprecht (sieben Profikämpfe, sieben Siege, drei durch Knockout) damit an Erfahrung einiges voraus.
Die Augsburgerin weiß um die Schwere ihrer Aufgabe. "Aber wenn ich schon um die WM boxe, wollte ich auch eine ganz starke Gegnerin, und Yakosta ist echt stark", bedeutet Tina Rupprecht. Die Costaricanerin geht für den WM-Kampf (zehn Runden à zwei Minuten) aus dem Fliegengewicht eine Gewichtsklasse tiefer, muss dafür eineinhalb Kilo abkochen.
Als Tina Rupprecht nach ihrem Sieg am 2. Dezember 2017 in Kühbach gegen die Französin Anne Sophie da Costa zur Interims-Weltmeisterin und Pflicht-herausforderin aufgestiegen war, rechnete sie mit Momo Koseki als Widersacherin. Aber die Japanerin trat im Januar überraschend zurück, weshalb der Titel seither vakant ist. "Beim Boxen ändert sich vieles schnell, da musst du flexibel sein", sagt Tina Rupprecht.
Yakosta "Yako" Valle ist am Dienstag mit ihrer Entourage in Augsburg eingetroffen. Am Freitag werden die beiden Delegationen zum Wiegen nach Unterschleißheim fahren und die Nacht vor dem Kampf im Infinity Munich Hotel verbringen.
Dass ihr WM-Kampf in eine "Schwergewichtsnacht" von Männern eingebettet ist, macht Tina Rupprecht nichts aus. "Ich konzentriere mich ganz auf meinen Kampf, werde alles andere ausblenden." Sie ist im sechsten von insgesamt zwölf Faustgefechten an der Reihe, "so gegen halb acht", rechnet sie. Der letzte Kampf des Abends ist für Marco Huck reserviert. Der ehemalige Cruiser-Weltmeister bekommt es bei seinem Comeback im Schwergewicht mit dem türkischen K.-o.-König Yakup Saglam zu tun.
Auf ihre Anhänger wird sich Tina Rupprecht auch in Unterschleißheim verlassen können, obwohl sie diesmal nicht derart im Mittelpunkt stehen wird wie weiland in Kühbach. Allein hundert Tickets wurden im Boxclub Haan verkauft, von Augsburg fährt ein Fanbus. Im BallhausForum (2750 Plätze) ist ein Zuschauerblock für ihre Fangemeinde ausgewiesen.
Tina Rupprecht sieht sich gerüstet für die bisher größte Herausforderung in ihrem Leben als Sportlerin. Ihr Trainer Alexander Haan, der sie seit 13 Jahren betreut, habe sie taktisch ausgezeichnet auf die Gegnerin eingestellt. Ein Trumpf der kleinen Augsburgerin wird ihre Schnelligkeit sein, mit der sie den Schlägen Yakosta Valles ausweichen und selbst Treffer landen will. Außerdem komme es darauf an, "schlau zu boxen", sagt sie. Tina Rupprecht macht sich nichts vor, um Yakosta Valle zu bezwingen, muss sie mindestens die Leistung jener Kühbacher Dezember-Nacht bringen. Schafft sie das, könnte ihr Traum vom WM-Gürtel Wirklichkeit werden. "Tiny Tina" ist im sechsten von insgesamt zwölf Kämpfen an der Reihe

Von Heribert Oberhauser
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Veröffentlicht am 04.10.2018 23:00 Uhr




 

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