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Kagerhuber will bei Olympia den Bob anschieben: "Ich bin so fit wie nie"

Aichach - Am 14. Januar 2018 nominiert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seine Athleten für die Winterspiele in Pyeonchang (9. bis 25. Februar). Matthias Kagerhuber, der Weltmeister vom Königssee 2018 im Viererbob mit Johannes Lochner an den Lenkseilen, weiß aber aller Voraussicht nach schon am Freitag, ob sein Traum von der Teilnahme an Olympischen Spielen in Erfüllung geht. Denn zwei Tage vor Weihnachten stehen in Oberhof die entscheidenden Leistungstests für die Bobanschieber an. Die Konkurrenz für den Affinger ist riesengroß. Ungefähr fünfzig Kraftpakete wollen mit nach Südkorea.


Kagerhuber hat am Mittwoch in der Früh in seiner Wahlheimat Schönau am Königssee noch einen Termin beim Physiotherapeuten. Dann macht er sich mit dem Auto auf den Weg ins thüringische Wintersport-Mekka. In Oberhof hat der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) für die Starttests vor Jahren eine überdachte und gekühlte Rampe gebaut, um für alle Kandidaten die gleichen Bedingungen zu schaffen.
Als er den Bob im September letztmals in Oberhof für die Qualifikation zum Weltcup auf Geschwindigkeit brachte, lief es für Kagerhuber nicht gut. Dafür gab's einen triftigen Grund. Im August hatte er Probleme in der rechten Kniekehle. "Eine muskuläre Geschichte", sagt der 32-Jährige. Die Schmerzen waren so heftig, dass der bei der Bundeswehr Sportfördergruppe in Bischofswiesen stationierte Berufssoldat zwei Wochen nicht trainieren konnte. "Die Spitze bei den Anschiebern ist so dicht zusammen, da war so ein Handicap für mich nicht zu verkraften", blickt Kagerhuber zurück. In Übersee kurvte Lochner im November ohne ihn durch die Eisrinnen.
Am Sonntag beim Weltcup in Innsbruck-Igls, der zugleich als Europameisterschaft firmierte, war Kagerhuber zwar vor Ort, aber nur als Zuschauer. Statt seiner saß Marc Rademacher im Schlitten mit Johannes Lochner, Joshua Blum und Christian Rasp, den drei Weltmeistern vom 26. Februar dieses Jahres. Dabei ist Rademacher vom BC Bad Feilnbach nicht einmal der größte Rivale von Matthias Kagerhuber, der wie Lochner für den BC Stuttgart Solitude startet. Als solcher hat sich Christopher Weber (BSC Winterberg) herauskristallisiert. Weber, sagt er, sei ein "ganz Guter", gegen ihn werde es "schwer sich durchzusetzen".
Am Freitag kommt's für Kagerhuber also darauf an. Zwei Mal wird er in Oberhof ein Kufengefährt die Rampe hinunterschieben, erst einen etwas leichteren Bob von hinten, von der Position der Bremsers, dann einen schwereren von der Seite. In der vergangenen Saison legte sich Kagerhuber meist an Position zwei ins Zeug. Nach 15 Metern läuft die Zeit, nach 45 Metern wird sie gestoppt. Für die 30 Meter brauchen die Olympia-Anwärter zwischen vier und fünf Sekunden. Hundertstelsekunden werden entscheiden.
Kagerbubers Knieblessur ist längst ausgeheilt dank umfangreicher physiotherapeutischer Übungen. Er hat sich mit eisernem Willen zurückgekämpft. "Ich bin so fit wie nie", betont Kagerhuber. Ob's am Ende aber reicht? Der gelernte Möbelschreiner weiß, wie unglaublich stark die Konkurrenz inzwischen geworden ist. Es gebe ein "Überangebot an sehr guten Anschiebern". Dennoch ist er zuversichtlich und rechnet sich eine Chance aus, wenngleich er all die Rivalen an der Rampe nicht einschätzen kann. "Und sollte es nicht klappen, dann kann ich zumindest sagen, ich habe mein Möglichstes getan", sinniert Kagerhuber.
Der ist immerhin aktueller Weltmeister im Viererbob. Dass diese Meriten indes in der nächsten Saison nichts mehr zählen, das war ihm schon klar, als Ende Februar am Königssee die Goldmedaille an seinem Hals hing.
Die Piloten für die drei deutschen Viererbobs in Pyeonchang - dieser Wettbewerb wird traditionell am letzten Wochenende der Winterspiele ausgetragen - sind bei Bundestrainer René Spies gesetzt mit dem frisch gebackenen Europameister Johannes Lochner sowie Francesco Friedrich und Nico Walther. Dazu nimmt der BSD elf Anschieber mit in den fernen Osten. "Wenn ich es schon nicht unter die ersten neun schaffe, so will ich wenigstens bei den zwei Ersatzleuten dabei sein", schaut Kagerhuber auf das knallharte und unerbittliche Ausleseverfahren am 22. Dezember. Olympia, das war schon für ihn immer das sportliche Ziel, das alles andere überragt. Die zwei Substituten müssen auf jeder der drei Anschieber-Positionen einsetzbar sein. Da kommt es zum Beispiel auf das Gewicht an - Kagerhuber wiegt zurzeit bei 1,85 Metern Länge knapp hundert Kilo - und nicht zuletzt auf die Erfahrung. "Das könnte meine Chance sein", orakelt der Oberfeldwebel, der seit zehn Jahren durch die Eislabyrinthe brettert.
Lochner und Friedrich setzen in dieser Saison auf die Bobs des Tirolers Hannes Wallner, Walther lenkt einen Schlitten des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin. Dass deutsche Bobteams bei Olympia mit zwei konkurrierenden Herstellern an den Start gehen, hat es noch nie gegeben.
Nach dem Triumph in Igls fliegt Lochner, 27, als heißer Goldaspirant nach Südkorea. Ob Matthias Kagerhuber dann mit im Schlitten des Berchtesgadeners sitzt, wird am Freitag entschieden. Elf Anschieber nimmt der BSD mit nach Pyeonchang

Von Heribert Oberhauser


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Veröffentlicht am 24.04.2018 14:24 Uhr




 

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