Aichach    

Vermieter schlägt zu

Aichach - Eine gebrochene Rippe, ein Schädel-Hirn-Trauma und Würgemale am Hals: Es war aus Sicht von Richterin Eva-Maria Kraus eine Attacke aus dem Nichts und kein Akt einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Selbstverteidigung, wie der Angeklagte es darstellte. Der 74-Jährige hat sich aus ihrer Sicht in einem seit Jahren eskalierenden Streit der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Sie sprach eine elfmonatige Haftstrafe aus, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, sowie eine Geldbuße in Höhe von 3500 Euro.

Der 74-Jährige ist der Vermieter des 59 Jahre alten Mannes, der seit dem Vorfall Pflegegrad 1 hat und arbeitsunfähig ist. In einem Dorf im nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg war es zwischen den beiden Männern schon mehrfach zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, die allerdings bis dahin vorwiegend verbal und über Rechtsanwälte ausgetragen wurden. Während der Vermieter von Zahlungsversäumnissen berichtete, gab der Mieter an, er könne alle Summen lückenlos nachweisen. Das interessierte Richterin Eva-Maria Kraus jedoch nicht sonderlich: Auch einen säumigen Zahler kann man nicht einfach verprügeln.
Wobei die Schilderungen der Männer auseinander gingen. Der Angeklagte gab an, sein Kontrahent sei "aggressiv auf ihn los". Das habe ihm Angst gemacht. Wie diese Aggression ausgesehen hat, konnte er aber nicht schlüssig erklären. Stattdessen hatte er einen Stock dabei - den führe er seit zwei Jahren immer mit sich, weil er Angst vor dem Mieter habe. Dieser wiederum sagte, er habe einen Karton mit Einkäufen in beiden Händen getragen, als der Angeklagte mit dem Stock auf ihn los sei. Er habe ihm zweimal mit diesem Stock auf den Kopf, dann auf den Oberkörper und den Rücken geschlagen. Danach könne er sich erst wieder daran erinnern, dass er auf dem Boden lag, während der Angeklagte auf ihm saß und ihn mit der Hand würgte. Der Angeklagte aber räumte lediglich einen Schlag gegen Arm oder Schulter ein, an mehr könne er sich nicht erinnern - was Nebenklagevertreter Moritz Bode eine reine Schutzbehauptung nannte.
Die Verletzungen samt mehrerer Prellungen jedenfalls decken die Version des Mieters. 

Von Carina Lautenbacher


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Veröffentlicht am 03.09.2018 23:00 Uhr




 

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