Aichach    

Tricks der Werbung: wie Werbestrategien funktionieren

Kilometerlange Almwiesen blühen. Jauchzend krabbeln niedliche Babys in ihren Windeln umher. Schokolade scheint zwischen strahlend weißen Zähnen förmlich zu vergehen. Werbung setzt auf Klischees, denen sich natürlich jeder entziehen kann. Oder doch nicht? Ob man möchte oder nicht – Werbung funktioniert.


Viele Menschen sind der Meinung, dass all diese Strategien und Klischees zu bekannt und ausgeleiert sind, um tatsächlich zu funktionieren. Doch die Realität sieht anders aus. So sehr sich Zuhörer und Zuschauer auch bemühen, sich von Spots, Plakaten oder Flyern zu distanzieren – guter Werbung gelingt es immer wieder, Sehnsüchte nach Abenteuer, Liebe, Freiheit oder anderen Wünschen zu wecken. Das Besondere: das Unterbewusstsein der Menschen wird angesprochen. Davon bekommt die potentielle Klientel häufig überhaupt nichts mit.

Sehnsüchte von Männern wecken

Ein Beispiel ist eine gelungene Mischung aus schäumendem Bier und blühenden Almwiesen, die auf die natürliche Verhaltensbiologie abzielt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Landschaftsbilder bei Männern einen besonders hohen Wirkungsgrad erzielen. Deshalb ist es durchaus gerechtfertigt, dass sich neue Autos häufig durch Serpentinen schlängeln oder Männer ihr Bier auf einer Bergeshöhe genießen. Werbespots an Meeresstränden oder auf Segelschiffen erwecken ebenfalls die Aufmerksamkeit von Männern.

Diese Werbe-Klischees sprechen Frauen an

Ob auf Aufklebern, Werbeplakaten oder in TV-Spots – Klischees funktionieren in der Werbebranche. Diese Prinzipien gelten allerdings nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen. Anhand der messbaren Veränderung des Pupillendurchmessers lässt sich ermitteln, welche Werbebilder auf Kundinnen besonders effektiv wirken. An erster Stelle steht das sogenannte Kindchenschema, das nicht unbedingt mit Kinderartikeln im Zusammenhang stehen muss. Auch bei Werbung für Süßigkeiten oder Waschmittel funktioniert die niedliche Stupsnase perfekt. Mit diesem Prinzip sind Gewinnsteigerungen für Werbetreibende vorprogrammiert.

Der Gesundheit zuliebe

Männern und Frauen wird seit langer Zeit die Gesundheit von Früchten suggeriert. Deshalb wecken Produkte, auf denen saftige Früchte abgebildet sind, besonderes Interesse. Dass in Speisen und Getränken wie Müslis oder Smoothies häufig nur ein geringer Fruchtanteil enthalten ist, stört wenig. Hierbei bedienen sich Werbeinitiatoren der Tatsache, dass eine Kaufentscheidung häufig emotional und unbewusst erfolgt. Wer sich vor einem "bösen Erwachen" schützen möchte, müsste schon geistesgegenwärtig genug sein und das Kleingedruckte lesen. Auch wenn der sogenannten Kaufhausmusik eher ein negativer Beigeschmack anhaftet, schwören Werbepsychologen auf die Wirksamkeit dieser Strategie. Die Hintergrundmusik versetzt die potentielle Kundschaft in eine kauffreudige Stimmung, die bestenfalls mit anderen Techniken wie Duftwellen verbunden wird. So ist es kein Zufall, dass Bäcker in Supermärkten zumeist am Eingangsbereich positioniert sind. Duftet es von Beginn an nach frischem Brot, ist der Appetit darauf umso größer.

Die emotionale Seite ansprechen

Eine weitere Werbestrategie bezieht sich auf den Stressfaktor. Sind vermeintliche Sonderangebote nur in limitierter Auflage und für einen bestimmten Zeitraum erhältlich, muss die Kaufentscheidung der Kunden binnen kurzer Zeit getroffen werden. Wer sich dadurch unter Druck setzen lässt, wird für Werbetreibende schnell zur leichten Beute. Allerdings müssen diese Entscheidungen ja auch nicht immer die schlechtesten sein. Längst hat der Werbemarkt erkannt, dass Marken- und Produkttreue Schnee von gestern ist. Das sogenannte "Variety Seeking" ist in. Für viele Kunden ist es nicht schwer, sich von bewährten Marken und Produkten zu trennen, um Neues auszuprobieren. Und am Ende steht das Glücksgefühl, dass das Belohnungszentrum im Körper aktiviert. Denn moderne Werbung suggeriert nicht nur das Gefühl, dass die Lieblingsmode gereinigt wird. Nein, durch den lieblichen Duft und das flauschige Tragegefühl der Wäsche profitieren die Kunden und Anbieter gleichermaßen von dem Produkt – so könnte man meinen.
 



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Veröffentlicht am 06.08.2018 15:38 Uhr




 

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