Aichach    

Schrankenlose Glückseligkeit: Bahnunterführung eröffnet

Aichach - "Uff", entfuhr es Bürgermeister Klaus Habermann erleichtert kurz vor dem Festakt. Und es hatte fast Symbolcharakter: Als Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann gestern am späten Nachmittag den Kreisverkehr an der alten Baywa betrat, senkten sich die Schranken der Paartalbahn. So können sie nun bleiben. Ab heute werden sie nicht mehr gebraucht. Gegen Mittag wird die Bahnunterführung nach Oberbernbach endgültig für den Verkehr freigegeben.

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Dies darf durchaus als kleine Überraschung oder auch Geschenk von Christoph Eichstaedt, dem zuständigen Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt in Augsburg, betrachtet werden, sah es doch vor ein paar Tagen noch nicht so aus, als ob Einweihung und Verkehrsfreigabe in Einklang zu bringen wären. Nun haben es die Bauarbeiter also doch noch geschafft.
Wie sehnsüchtig dieser Tag von allen Seiten herbeigesehnt wurde, war beim offiziellen Festakt, für den eigens ein Zelt aufgestellt worden war, deutlich zu spüren. Zahlreiche Bürger waren gekommen, die Aichacher Stadtmusikanten spielten auf, und Klaus Habermann hatte die versprochene Kerze dabei, die er sich von den beiden Geistlichen, Stadtpfarrer Herbert Gugler und Pfarrer Winfried Stahl, segnen ließ. In der Oberbernbacher Pfarrkirche soll sie künftig an die 20 Jahre erinnern, die es bis zur Beseitigung der Staufalle an einer der am meisten belasteteten Staatsstraßen im Landkreis dauerte. Von "Mühen und Leiden" sprach Habermann, beließ es aber dabei, stellte vielmehr die Freude über das Ende dieses Kapitels in den Vordergrund. Ob nun tatsächlich eine Vertreterin der Bahn - im Gegensatz zum Spatenstich vor vier Jahren - anwesend war, ließ sich nicht herausfinden. Christoph Eich-staedt bedankte sich jedenfalls für deren Beitrag zu einer schnellen Beseitigung des höhengleichen Bahnüberganges. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Als "Quantensprung für die Sicherheit und Mobilität" bezeichnete Aichach-Friedbergs Landrat Dr. Klaus Metzger die Unterführung. Tatsächlich gilt die Staatsstraße 2047 als der "Zubringer" aus dem Nord-Westen des Wittelsbacher Landes. Auf ihr sind mit täglich rund 16 000 Fahrzeugen mehr Autos und Lastwagen unterwegs, als auf der B 300 zwischen Friedberg und Dasing. Mit der Unterführung ist der letzte Bahnübergang an einer Staatsstraße im ganzen Landkreis Geschichte.
Am "Tag der Freude" (Klaus Metzger) gab es denn auch erwartungsgemäß Dank für alle Beteiligten. Zum einen für die Geldgeber. Die Stadt Aichach ist mit ihren 600 000 Euro für den Geh- und Radweg gut weggekommen. Insgesamt 11,6 Millionen Euro hat die Unterführung immerhin gekostet. Der Freistaat übernahm davon rund 3,3 Millionen Euro, Bund und Bahn beteiligten sich mit jeweils 3,9 Millionen Euro.
Geld war ein Stichwort für Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann, der als Spitzenkandidat trotz Wahlkampfes die aktuelle - und vielleicht auf künftige? - große Koalition in Berlin lobte. Die habe die Notwendigkeit für Investitionen in die Infrastruktur erkannt und entsprechend Mittel zur Verfügung gestellt. Mehr Geld, als offenbar mangels baurechtlich genehmigter Vorhaben abgerufen werden kann. Das sei vor einigen Jahren noch nicht so gewesen.
"Das lange Warten an geschlossenen Schranken hat ein Ende", rief Herrmann den Gästen zu und verwies gleichzeitig auf den Mehrwert an Verkehrssicherheit. Nächster großer Schritt wird die Fertigstellung der vierspurigen B 300 zwischen Aichach und Dasing bereits im nächsten Jahr sein.
Besonderen Applaus gab es übrigens für Benjamin Wunderer und Franz Gerbl, die vor Ort als Bauleiter die Arbeiten koordinierten, und für Eduard Oswald. "Ohne die Schützenhilfe des ehemaligen Bundestagsabgeordneten stünden wir nicht hier", meinte etwa Bürgermeister Klaus Habermann.

Weiterer Bericht und Fotos vom Festakt auf der Seite 19. Mit der Bahnunterführung wurde auch die Kerze des Bürgermeisters gesegnet

Von Robert Edler Weitere Fotos vom
Festakt im Internet
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Veröffentlicht am 05.09.2017 23:00 Uhr




 

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