Schiltberg    

Offenes Denkmal in Rapperzell

Rapperzell - An jedem zweiten Sonntag im September brechen Millionen Besucher zu Streifzügen durch die Vergangenheit und Gegenwart auf. So gab es am vergangenen Sonntag wieder ein bundesweites Programm zum Tag des offenen Denkmals unter dem Motto "Entdecken, was uns verbindet". In Rapperzell konnten Denkmäler unter fachmännischen Erläuterungen der Kreisheimatpfleger Michael Schmidberger aus Schiltberg und Dr. Helmut Raab aus Friedberg besichtigt werden.

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Im Schiltberger Ortsteil waren das Schloss mit Schlossgarten, das Bodendenkmal "Mittelalterlicher Wasserburgstall" am Ufer des heutigen Schlossweihers im Schlosspark sowie die Filialkirche Sankt Markus Anziehungspunkte für rund 150 Interessierte - trotz Mittelalterlicher Markttage in Aichach.
Nach den Grußworten durch Bürgermeister Josef Schreier meinte Landrat Klaus Metzger: "Sie haben heute die Chance, etwas ganz Besonderes zu erleben." Baron Federico Freiherr von Beck-Peccoz, stellvertretender Vorsitzender des Wittelsbacher Land Vereins, ging vor allem auf den Eigentumswechsel der Schlossanlage vom passionierten Jäger Herzog Max in Bayern auf Anton Freiherr von Beck und die letzte Renovierung Ende der 1990er-Jahre ein.
Kreisheimatpfleger Michael Schmidberger brachte den zahlreichen Zuhörern in Vertretung des Kreisarchivpflegers Helmut Rischert Wissenswertes zur Rapperzeller Vor- und Frühgeschichte, zur ehemaligen Wasserburg, zum Schloss sowie zur ehemaligen Schloss-Ersatzkapelle näher. Der Schiltberger hatte auch zahlreiche Fotos mitgebracht. Schmidberger ging eingangs auf die günstigen topographischen Gegebenheiten Rapperzells sowie auf die Bodendenkmäler, wie Hügelgräber und Trichtergruben, ein. Die Wasserburg wurde im Hochmittelalter (1050 bis 1250) oder im Spätmittelalter (1250 bis 1500) errichtet. Die ehemalige Burgstelle, auch Burgstall genannt, ist eine außergewöhnliche Anlage, denn sie besteht aus einer Insel in einem am Hang gelegenen Weiher. "Die Insel trug einen aus Ziegelsteinen gemauerten und mit Dachziegeln gedeckten bewohnbaren Turm", sagte Michael Schmidberger. Der Turm war der Sitz Wittelsbacher Ministerialen, die erstmals 1283 mit Rüdiger von Ratpretscelle in den Urkunden des Klosters Indersdorf genannt werden. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der Turm aufgegeben.
Eine Landtafel von 1568 beschreibt sodann ein von einer Mauer umgebenes Schloss. 1675 kaufte Johann Ignatius Widnmann das verfallene Schloss und baute ein neues, das heute bestehende Baudenkmal - ein zweigeschossiger Satteldachbau mit geschweiftem Giebel. Zwei weitere Eigentümer folgten, bevor 1838 Herzog Max in Bayern das Schloss kaufte. Der Schlossherr von Unterwittelsbach und Vater der Kaiserin Sisi war der erste Jagdpächter von Rapperzell. "Wo Sie Ihren Fuß hinsetzen, war vielleicht schon der Fuß von Sisi", so Michael Schmidberger in seinem interessanten Vortrag.
Dem Herzog folgte als Jagdpächter der Kühbacher Baron, der 1862 die Güter und Schlösser kaufte. Das Rapperzeller Schloss wurde 1905 umgebaut und diente von 1906 bis 1954 als Schulhaus. Die Muttergotteskapelle am Schloss war schon 1812 nicht mehr vorhanden und als Ersatz wurde an der Straße nach Schiltberg eine neue gebaut. Diese musste 1965 bei der Straßenbegradigung und Asphaltierung abgerissen werden.

Von Xaver Ostermayr
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Veröffentlicht am 10.09.2018 23:00 Uhr




 

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